Käse.
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3. Das Blauwerden der Käse. Es tritt am häufigsten auf bei mageren Backsteinkäsen
und ist ebenfalls die Folge der Tätigkeit einer in der Milch enthaltenen Bakterie oder
zuweilen auch die Folge der Gegenwart von Bisenrost im Käse. Im ersteren Falle greift der
Fehler im Käse allmählich immer weiter um sich und wird auch von einem Käse auf den andern
übertragen. Das Auftreten kleiner ultramarinblauer Punkte im Edamer Käse, welches in
neuerer Zeit in Holland häufig aufgetreten ist und von Hugo deVries näher beschrieben
wurde, wird verursacht durch eine.Bakterie, welche Beijerinck in solchen Käsen gefunden
und als Bacillus cyaneofuseus bezeichnet hat. 1 )
4. Das Rotwerden der Käse (Bankrotwerden bei den Backsteinkäsen) und ähnliche
Färbungen sind nicht minder Erscheinungen, welche durch das Wachstum bestimmter
Pilze (Bakterien- oder Schimmelpilze) hervorgerufen werden. So werden rote Flecken auf
Weichkäsen und auch, wiewohl seltener, auf Hartkäsen durch zwei von Adametz aufgefundene
„Bote Käsemikrokokkeu“ erzeugt, ebenso die rote Färbung der Rinde, der äußeren
Schichten und selbst des Innern durch eine von Schaffer aufgefundene und von Dem me
näher beschriebene Torula-Art, Sa’ccharomyces ruber. Milch, welche mit dieser Torula
infiziert ist, erregt bei Kindern Erbrechen und Darmkatarrh. Adametz fand ferner auf
einem Emmenthaler Käse mit rotbrauner Rinde einen Schimmelpilz, der diese Farbe erzeugt,
und auf Weichkäsen mit runden, orangegelben bis ziegelroten Flecken eine Oidium-Art
(Oidium aurantiacum). Der letztgenannte Pilz wirkt aber auch bei der regelrechten
Reifung der Weichkäse, insbesondere des Briekäses, mit.
5. Das Sch warzwerden der Käse wird ebenfalls durch das Wachstum bestimmter
Pilze verursacht. Als Ursache dieses Fehlers wurde von Hüppe eine Schimmelhefe (braune
oder schwarze Schimmelhefe), von Adametz ein Hyphenpilz, Cladosporium herbarum Link,
gefunden. Adametz hält ferner zwei von Wichmaun im Quellwasser gefundene braunschwarze
Schimmelpilze, sowie einen von ihm ebenfalls aus Quellwasser isolierten schwarzen
Rippenschimrael, sowie die von Marpmann aus Milch gezüchtete schwarze Hefe, Saccharomyces
niger, eine Torula-Art, und ferner noch das Dematium pullulans für gelegentliche
Ursachen der Schwarzfärbung der Käse. Nach C. Besana-) kann auch durch Bildung von
^chwefeleisen im Käse infolge Verwendung von eisenhaltigem Wasser, von eisenhaltigen
Defäßen und infolge von Zersetzung des Kaseins ein Schwarzwerden des Käses bedingt
werden.
6. Bei überreifen Hart- und Weichkäsen, besonders bei wasserreichen, überreifen,
lageren Baoksteinkäsen zeigt sich häufig eine starke Mißfärbung der Käsemasse
mit Abtönung ins Gelbliche oder Grauliche. Es darf wohl angenommen werden, daß auch
hier nur das Überhandnehmen einer bestimmten Pilz- oder Bakterienart die Schuld trägt.
7. Das Bitterwerden der Käse ist eine Erscheinung, welche bei normalem
■^eifungsVorgang zu gewisser Zeit regelmäßig eintritt, aber auch bei reifem Käse sic i
z ®igt und als ein Fehler angesehen wird. Daß es sich hierbei um ein durch die Tätigkeit
gewisser peptonisierenden Bakterien gebildetes peptonartiges Erzeugnis handelt, ist
wohl zweifellos. Aus bitterem Käse direkt gezüchtet ist bis jetzt nur ein Pilz, dem diese
■Eigenschaft bestimmt zugeschrieben werden muß, das ist der von E. von Freudenreich
rem gezüchtete Micrococcus casei amari.
8. Weitere Reifungsfehler sind das Weißschmierigsein der Käse, wenn
Käsekeller zu kalt und feucht ist; das Schimmeligwerden, wenn infolge trockner Luft
lm Keller die Rinde der Käse spaltet und Schimmelpilze Gelegenheit haben, sich in den
Palten festzusetzen usw. , . . . T , „.. •
Das sogenannte Laufendwerden der Weichkäse besteht in einer Verflüssigung
t er reifen und überreifen Teile durch Einwirkung der Warme. . . „
, Krankheitserreger sind bis jetzt im Käse nicht nachgewieseu, weil sie in demselben
kaum geeignete Lebensbedingungen finden. Namentlich für Typhus- und Cholerabakterien
lst nachgewiesen, daß sie sich nur ganz kurze Zeit im Käse lebensfähig erhalten können. Die
nach Genuß von Knetkäse in Norwegen nicht selten auftretenden Darmerkrankungen
*) Botan. Ztg. 1891, 49 ff., No. 43 u. 7.
•) Chem.-Ztg. 1897, 21, 265.