Phytosterin-Probe und Phytosterinacetat-Probe. 53g
überläßt die klare Lösung anfangs — bis zum Erkalten auf Zimmertemperatur —
unter Bedeckung mit einem Ulirglase der Kristallisation.
Nachdem die Hälfte bis zwei Drittel der Flüssigkeit verdunstet und der
größte Teil des Esters auskristallisiert ist, filtriert man die Kristalle durch ein
kleines Filter ab und bringt den in der Schale noch befindlichen Eest mit Hilfe
eines kleinen Spatels und durch zweimaliges Aufgießen von 2—3 ccm 95 °/ 0 -igem
Alkohol gleichfalls auf das Filter. Den Inhalt des Filters (8) bringt man wieder
in das Kristallisationsschälchen zurück, löst denselben je nach seiner Menge in
2—-10 ccm absolutem Alkohol und läßt wiederum kristallisieren (9). Nachdem der
größte Teil des Esters auskristallisiert ist, filtriert man abermals ab (10) und
kristallisiert -weiter in derselben Weise so lange um, wie die Menge des Esters ausreicht
(11). Von der dritten Kristallisation an bestimmt man den Schmelzpunkt (12)
des Esters und wiederholt diese Bestimmung bei jeder folgenden Kristallisation (13).
Ist bei den in dieser Weise ausgeführten Schmelzpunktbestimmungen
bei der letzten Kristallisation der Ester bei 116° (Korrigierter
Schmelzpunkt) noch nicht vollständig geschmolzen, so ist ein Zusatz
von Pflanzenfett anzunehmen, schmilzt der Ester aber erst bei 117°
(Korrigierter Schmelzpunkt) oder noch höher, so kann ein Gehalt an
Pflanzenfett mit Bestimmtheit als erwiesen angesehen werden (14).
Erläuterungen zu vorstehendem Verfahren:
1- Man kommt etwas schneller zum Ziele, wenn man aus der nach der zweiten Verseifung
erhaltenen ätherischen Lösung den Äther bis auf einen kleinen Rest abdestilliert,
diesen sofort in das Kristallisationsschälchen überführt, hierin den Eest des Äthers
abdunstet, den Rückstand im Wasserdampf-Trockenschranke trocknet und dann in
Alkohol löst.
2. Wir haben zu den Versuchen stets dünnwandige Glasschälchen mit flachem Boden
(von Fr. Hugershoff in Leipzig bezogen) verwendet und zwar zu den ersten
Kristallisationen in der Regel Schälchen von 6 cm, zu den späteren dagegen solche
von 4 cm oberem Durchmesser.
3- Es empfiehlt sich stets die „Phytosterin-Probe“, d. h. die Bestimmung der Kristallform
der Alkohole vor der Veresterung, mit der Phytosterinacetat-Probe zu
verbinden, um auch gleichzeitig ein Urteil darüber zu gewinnen, ob größere oder geringere
Mengen von Pflanzenfett vorhanden sind. Selbstredend ist es nicht notwendig,
die Gesamtmenge des Roh Cholesterins zur Phytosterin-Probe in Alkohol zu lösen
und kristallisieren zu lassen; man kann auch sofort einen Teil der ätherischen Lösung
oder einen Teil des festen Rohcholesterins bezw. -phytosterins abtrennen. Immerhin
dürfte sich aber das oben vorgeschlagene Verfahren als am besten erweisen, da einerseits
die Kristalle größer und daher für die mikroskopische Beobachtung geeigneter
ausfallen werden und andererseits auch auf diese Weise der Substanzverlust am geringsten
sein wird,
4- Wir verwendeten stets „Acidum aceticum purissimum anhydricum“ von E. Merck in
Darmstadt. Die angegebene Menge von 2—3 com genügt, wenn es sich um Tierfette
oder Gemische dieser mit wenigen Prozenten Pflanzenfett handelt, für die bei diesen
vorkommenden geringen Cholesterinmengen. Enthält das Fett größere Mengen von
Pflanzenfetten oder ist es ein reines Pflanzenfett, und ist die Menge des Rohcholesterins
bezw. -phytosterins infolgedessen größer, so empfiehlt es sich entsprechend mehr
Essigsäureanhydrid zu verwenden.
o. Es empfiehlt sich das Schälchen beim Erhitzen mit dem Essigsäureanhydrid bedeckt
zu halten, einerseits, weil man dadurch eine Belästigung durch die unangenehm auf
die Augen wirkenden Dämpfe des Essigsäureanhydrides vermeidet, andererseits aber
hauptsächlich deswegen, weil auf diese Weise durch das an den Wänden der Schale
und an dem Uhrglase sich wieder verdichtende Essigsäureanhydrid etwaige Teile des
Rohcholesterins, welche sich vorher beim Verdunsten der Lösung an den Wänden