Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Butter  und  Butterschmalz.

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Ohne  vorher  das  Destillat  zu  mischen,  setzt  man  den  Kolben  10  Minuten  lang
so  tief  in  Wasser  von  15°,  daß  sich  die  110-Marke  etwa  3  cm  unter  der  Oberfläche
des  Kühlwassers  befindet.  Nach  Verlauf  von  5  Minuten  bewegt  man  den  Kolbenhals ­
  im  Wasser  mehrmals  nur  so  stark,  daß  die  auf  der  Oberfläche  des  Destillates
schwimmenden  Säuren  an  die  Wandungen  des  Halses  gelangen.  Nach  10  Minuten
stellt  man  den  Aggregatzustand  der  auf  dem  Destillat  schwimmenden  Säuren  fest.
Bei  reinem  Butterfett  bestehen  diese  Säuren  aus  einer  festen  oder  halbweichen, ­
  trüben,  formlosen  Masse,  während  sie  bei  Gegenwart  von  10°/ 0
und  mehr  Kokosfett  in  dem  Butterfett  aus  klaren  Oltropfen  bestehen. 1 )
Nunmehr  wird  das  Destillat  in  dem  mit  Glasstopfen  verschlossenen  Kolben
durch  vier-  bis  fünfmaliges  Umkehren  desselben  unter  Vermeidung  starken
Schutteins  gemischt  und  filtriert.  Im  Filtrat  wird  die  Reichert-Meißlsche  Zahl
bestimmt.  Das  zu  verwendende  Filter  von  8  cm  Durchmesser  muß  fest  und  glatt
an  den  Trichterwandungen  anliegen.
Nachdem  das  Destillat  ganz  abfiltriert  ist,  wird  das  Filter  sofort  dreimal  mit
je  15  ccm  Wasser,  wodurch  es  jedesmal  bis  zum  Bande  gefüllt  wird,  gewaschen.
Dieses  Waschwasser  wird  vorher  zum  dreimaligen  Nachspülen  des  Kühlrohres,  des
Meßzylinders  und  des  110  ccm-Kolbens  benutzt.  Wenn  das  letzte  Waschwasser,
von  dem  die  zuletzt  abfiltrierenden  10  ccm  durch  1  Tropfen  1 / 10  Normal-Barytlauge
neutralisiert  werden  müssen,  abgetropft  ist,  wird  dieselbe  Behandlung  in  gleicher
Weise  dreimal  mit  je  15  ccm  neutralem,  90°/ 0 -igem  Alkohol  wiederholt.  Die  in
dem  vereinigten  alkoholischen  Filtrate  gelösten  Fettsäuren  werden  alsdann  unter
Zusatz  von  drei  Tropfen  Phenolplithaleinlösung  mit  1 / 10  Normal-Barytlauge  bis  zur
deutlich  eintretenden  Eötung  titriert.
Die  Zahl  der  zur  Neutralisation  verbrauchten  ccm  1 j 10  N.-Barytlauge
  stellt  die  der  vorher  gefundenen  Eeichert-Meißlschen  Zahl  entsprechende ­
  Polenskesche  „Neue  Butterzahl“  dar.
Nach  diesem  Verfahren  fand  Polenske:
Reichert-Meißlsche  Zahl  „Neue  Butter-Zahl“
bei  31  verschiedenen  Butterproben  23,3—30,1  1>5—  3,0
ji  4  Kokosfettproben  ....  6,8—  7,7  16,8  17,8.
Durch  einen  Zusatz  von  Kokosfett  wird  die  Eeichert-Meißlsche  Zahl  der
Butter  herabgesetzt  und  die  „Neue  Butter-Zahl“  erhöht.  Butterproben  mit  niedriger
Beichert-Mei  111  scher  Zahl  haben  auch  eine  niedrigere  „Neue  Butter-Zahl"  und
das  Ansteigen  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl  und  der  Neuen  Butter-Zahl  verläuft
1,1  ziemlicher  Regelmäßigkeit,  so  daß  bei  reinen  Butterfetten  zu  jeder  Reichert-Mei
  1(1  sehen  Zahl  eine  nur  wenig  schwankende  „Neue  Butter-Zahl“  gehört.  Diese
Beobachtung  ist  die  erste  Grundlage,  auf  die  sich  dies  Verfahren  stützt.
Einer  Erhöhung  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl  um  1,0  entspricht  bis  zu
der  Zahl  27  eine  Erhöhung  der  Polenskeschen  Neuen  Butter-Zahl  um  0,1,
während  den  Erhöhungen  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl  auf  28,  29  und  30
solche  der  „Neuen  Butter-Zahl“  um  0,2,  0,3  und  0,5  entsprechen.
Bei  den  untersuchten  34  Butterproben  fand  Polenske  folgende  Beziehungen
zwischen  Eeichert-Meißlscher  Zahl  und  „Neuer  Butter-Zahl“,  denen  die  von  ihm
f br  den  qualitativen  Nachweis  von  Kokosfett  in  der  Butter  vorgesohlagene  oberste
Grenze  (die  um  0,5  höher  ist  als  die  gefundenen  Werte)  beigefügt  ist.
l )  Diese  Erscheinung  beruht  darauf,  daß  die  Kaprylsäure,  die  im  Kokosfett  in
größerer  Menge  als  in  der  Butter  vorhanden  ist,  erst  hei  12°  erstarrt.
            
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