Butter und Butterschmalz.
559
Ohne vorher das Destillat zu mischen, setzt man den Kolben 10 Minuten lang
so tief in Wasser von 15°, daß sich die 110-Marke etwa 3 cm unter der Oberfläche
des Kühlwassers befindet. Nach Verlauf von 5 Minuten bewegt man den Kolbenhals
im Wasser mehrmals nur so stark, daß die auf der Oberfläche des Destillates
schwimmenden Säuren an die Wandungen des Halses gelangen. Nach 10 Minuten
stellt man den Aggregatzustand der auf dem Destillat schwimmenden Säuren fest.
Bei reinem Butterfett bestehen diese Säuren aus einer festen oder halbweichen,
trüben, formlosen Masse, während sie bei Gegenwart von 10°/ 0
und mehr Kokosfett in dem Butterfett aus klaren Oltropfen bestehen. 1 )
Nunmehr wird das Destillat in dem mit Glasstopfen verschlossenen Kolben
durch vier- bis fünfmaliges Umkehren desselben unter Vermeidung starken
Schutteins gemischt und filtriert. Im Filtrat wird die Reichert-Meißlsche Zahl
bestimmt. Das zu verwendende Filter von 8 cm Durchmesser muß fest und glatt
an den Trichterwandungen anliegen.
Nachdem das Destillat ganz abfiltriert ist, wird das Filter sofort dreimal mit
je 15 ccm Wasser, wodurch es jedesmal bis zum Bande gefüllt wird, gewaschen.
Dieses Waschwasser wird vorher zum dreimaligen Nachspülen des Kühlrohres, des
Meßzylinders und des 110 ccm-Kolbens benutzt. Wenn das letzte Waschwasser,
von dem die zuletzt abfiltrierenden 10 ccm durch 1 Tropfen 1 / 10 Normal-Barytlauge
neutralisiert werden müssen, abgetropft ist, wird dieselbe Behandlung in gleicher
Weise dreimal mit je 15 ccm neutralem, 90°/ 0 -igem Alkohol wiederholt. Die in
dem vereinigten alkoholischen Filtrate gelösten Fettsäuren werden alsdann unter
Zusatz von drei Tropfen Phenolplithaleinlösung mit 1 / 10 Normal-Barytlauge bis zur
deutlich eintretenden Eötung titriert.
Die Zahl der zur Neutralisation verbrauchten ccm 1 j 10 N.-Barytlauge
stellt die der vorher gefundenen Eeichert-Meißlschen Zahl entsprechende
Polenskesche „Neue Butterzahl“ dar.
Nach diesem Verfahren fand Polenske:
Reichert-Meißlsche Zahl „Neue Butter-Zahl“
bei 31 verschiedenen Butterproben 23,3—30,1 1>5— 3,0
ji 4 Kokosfettproben .... 6,8— 7,7 16,8 17,8.
Durch einen Zusatz von Kokosfett wird die Eeichert-Meißlsche Zahl der
Butter herabgesetzt und die „Neue Butter-Zahl“ erhöht. Butterproben mit niedriger
Beichert-Mei 111 scher Zahl haben auch eine niedrigere „Neue Butter-Zahl" und
das Ansteigen der Eeichert-Meißlschen Zahl und der Neuen Butter-Zahl verläuft
1,1 ziemlicher Regelmäßigkeit, so daß bei reinen Butterfetten zu jeder Reichert-Mei
1(1 sehen Zahl eine nur wenig schwankende „Neue Butter-Zahl“ gehört. Diese
Beobachtung ist die erste Grundlage, auf die sich dies Verfahren stützt.
Einer Erhöhung der Eeichert-Meißlschen Zahl um 1,0 entspricht bis zu
der Zahl 27 eine Erhöhung der Polenskeschen Neuen Butter-Zahl um 0,1,
während den Erhöhungen der Eeichert-Meißlschen Zahl auf 28, 29 und 30
solche der „Neuen Butter-Zahl“ um 0,2, 0,3 und 0,5 entsprechen.
Bei den untersuchten 34 Butterproben fand Polenske folgende Beziehungen
zwischen Eeichert-Meißlscher Zahl und „Neuer Butter-Zahl“, denen die von ihm
f br den qualitativen Nachweis von Kokosfett in der Butter vorgesohlagene oberste
Grenze (die um 0,5 höher ist als die gefundenen Werte) beigefügt ist.
l ) Diese Erscheinung beruht darauf, daß die Kaprylsäure, die im Kokosfett in
größerer Menge als in der Butter vorhanden ist, erst hei 12° erstarrt.