Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

156 
Erstes Buch. Die Begründer. 
Fragen der volkswirtschaftlichen Wissenschaft zu lösen. Was meint 
er damit? Er macht hierdurch eine scharfe Unterscheidung zwischen 
zwei im Allgemeinen zusammengewirrten Ideen — auf der einen Seite 
dem Reichtum, der aus dem Überfluß und der Befriedigung entspringt, 
und dem Wert, der aus dem Hindernis und der Anstrengung erwächst, 
und erklärt, daß die Bodenrente der zweiten Kategorie und nicht der ersten 
zuzurechnen sei. Nichtsdestoweniger können wir uns mit dieser Er 
klärung nicht zufrieden geben. Denn es ist nicht recht zu verstehen, 
daß eine rein negative Tatsache, wie das Fehlen fruchtbaren Landes, 
ein Einkommen verschaffen könnte. Es würde besser sein, zu sagen, 
daß, wenn die Seltenheit des benutzbaren Bodens die Bedingung des 
Auftretens dfepitente ist, sie doch noch nicht ihre Ursache ist. Die Ur 
sache ist die Preiserhöhung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die 
selbst wieder bedingt ist durch die größere Arbeit und Mühe 1 ), die die 
Bewirtschaftung weniger fruchtbaren Landes mit sich bringt. Was daher 
endgültig die Rente eines Stückes Getreidebodens hervorbringt und der 
Höhe nach bestimmt, das ist die notwendige Arbeit, die zur Erzeugung 
des Getreides auf demjenigen Boden schlechtester Qualität erforderlich 
ist, der noch im Anbau ist (dem „Grenzboden“) 2 ). 
Nehmen wir an, wie Ricardo so gern schreibt, daß auf Boden erster 
Klasse die Erzeugung eines Hektoliters Getreide 10 Arbeitsstunden kostet, 
und daß der Preis des Hektoliters Getreide 10 Fr. sei. Um eine Bevölke 
rung, die gemäß den Gesetzen Malthus’ wächst, zu ernähren, muß man 
nun Ländereien zweiter Klasse zu bewirtschaften anfangen, wo das Hekto 
liter Getreide 15 Arbeitsstunden erfordert. Sogleich wird der Wert des 
Getreides im gleichen Verhältnis steigen und sich auf 15 Fr. erhöhen, 
wodurch die Besitzer des Landes erster Klasse einen Mehrwert, einen 
Bonus, von 5 Fr. erhalten. Hiermit tritt die Bodenrente erstmalig in 
Erscheinung. Mit der Zeit werden Felder dritter Klasse in Bewirtschaftung 
genommen, auf denen ein Hektoliter Getreide eine Arbeitszeit von 
20 Stunden benötigt. Sofort steigt der Getreidepreis auf 20 Fr. Die 
Besitzer der ersten Klasse finden nun ihren Bonus, ihre Bodenrente, um 
eine Stufe erhöht, nämlich von 5 Fr. auf 10 Fr. für den Hektoliter, und die 
Besitzer des Bodens zweiter Klasse erhalten ihrerseits einen Bonus von 
5 Fr. für den Hektoliter. So entsteht unterhalb der ersten Klasse eine 
neue Klasse von bescheideneren Rentenbeziehern. Mit dem Tas:e, an dem 
man gezwungen sein wird, Boden vierter Kategorie in Bearbeitung zu 
0 Heute würden wir einfach sagen: „bedingt durch die Steigerung der Nach 
frage“, was aber ganz gegen die Lehre Ricardo’s geht, für den nicht die Nachfrage, 
sondern die Arbeit den Wert schafft. 
2 ) „Der Wert des Getreides wird von der zu seiner Erzeugung auf den Feldern 
schlechtester Qualität aufgewendeten Arbeit bestimmt.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.