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Milch und Molkerei-Erzeugnisse.
Unterschiede der Farbentöne bei Gegenwart von 1—5 mg Borsäure. Zur Ver
gleichung der Farbentöne empfiehlt es sich, die Reagenzröhrchen schräg gegen eine
weiße Unterlage zu halten, was bei den hierfür besonders hergestellten Röhrchen
(Fig. 258) besonders erleichtert wird, in deren unterstem Teile sich die aus dem
Gemisch etwa abgeschiedenen Salze (Chlornatrium usw.) ansammeln und so die
Vergleichung der Farbentöne erleichtern. A. Hebebrand fand nach diesem Ver
fahren auch in käuflichem Salinensalz 0,6—3,0 mg Borsäure in 100 g.
A. Partheil und J. Rose 1 ) bestimmen die Borsäure durch Ausziehen der
horsäurehaltigen salzsauren Lösung mittels Äthers in dem von ihnen hergestellten
Perforator. Die Lösung muß frei von Schwefelsäure, Salpetersäure, Phosphorsäure und
Eisen sein. Bezüglich der Ausführung dieses Verfahrens sei auf die Quelle verwiesen.
e) Fluorwasserstoffsäure. Der Nachweis kann in sinngemäßer Abänderung
der Vorschrift der „Anweisung für die chemische Untersuchung von Fleisch und
Fetten“ (Anlage d zum Gesetz vom 3. Juni 1900) erfolgen; man verfährt wie folgt;
100—200 ccm Milch werden in einer Platinschale mit einer hinreichenden Menge
Kalkmilch alkalisch gemacht. Alsdann trocknet man ein, verascht und gibt den
Rückstand nach dem Zerreiben in einen Platintiegel, befeuchtet das Pulver mit etwa
drei Tropfen Wasser und fügt 1 ccm konzentrierte Schwefelsäure hinzu. Sofort
nach dem Zusatze der Schwefelsäure wird der behufs Erhitzens auf eine Asbestplatte
gestellte Platintiegel mit einem großen Uhrglase bedeckt, das auf der Unterseite in
bekannter Weise mit Wachs überzogen und beschrieben ist. Um das Schmelzen des
Wachses zu verhüten, wird in das Uhrglas ein Stückchen Eis gelegt. Der Nachweis
von Fluorwasserstoff ist als erbracht anzusehen, sobald das Glas sich an den be
schriebenen Stellen angeätzt zeigt.
f) Formaldehyd. Für den Nachweis von Formaldehyd sind eine große Anzahl
von Verfahren vorgeschlagen, die z. T. noch wenig auf ihre Zuverlässigkeit geprüft
sind, z. T. auch allgemeine Reaktionen auf Aldehyde (Ketone usw.) sind und daher
nicht als kennzeichnende Reaktion auf Formaldehyd angesehen werden können.
Immerhin kann man sich dieser einfachen Reaktionen bedienen, um nachzuweisen,
ob überhaupt Aldehyde vorhanden sind; erst beim positiven Ausfall dieser Reaktionen
wird man sich des unter B a aufgeführten umständlicheren Verfahrens bedienen,
welehes kennzeichnend für den Formaldehyd ist.
K. Farnsteiner 2 ) empfiehlt, zunächst in der Milch selbst die Hehnersche
Reaktion mit Schwefelsäure (By) anzustellen und bei positivem Ausfall derselben
von 100 ccm Milch in einem geräumigen (500—1000 ccm-) Kolben — da die Milch
stark schäumt — mit vorgelegtem Kühler etwa 20—30 ccm abzudestillieren.
Etwa die Hälfte des Destillates verwendet man zur Anstellung der allgemeinen
Aldehydreaktionen (A) und der einen oder anderen der unter B ß— ö aufgeführten
Reaktionen. Wenn diese positiv ausfallen, verwendet man die zweite Hälfte des
Destillates zur Anstellung der Hexamethylentetramin-Reaktion (B a), die als die
zuverlässigste Formaldehyd-Reaktion angesehen wird.
A. Allgemeine Aldehyd-Reaktionen, a) Nach R. T. Thomson 3 ) ver
setzt man die zu prüfende Lösung mit 5 Tropfen ammoniakalischer Silber
nitratlösung (1 g Silhernitrat wird in 30 ccm Wasser gelöst und mit verdünntem
Ammoniak versetzt, bis der anfänglich entstehende Niederschlag sich wieder gelöst
hat und dann mit Wasser auf 50 ccm verdünnt) und läßt einige Stunden im Dunkeln
] ) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 1172; 1902, 5, 1049.
2 ) Forschungsberichte über Lebensmittel 1896, 3, 363.
3 ) Chem. News 1895, 71, 247.