586
Speisefette und -öle.
phenolartigen Körper hält, dem er den Namen Sesamol gibt, die Ursache der
Rotfärbung mit Furfurol ist.
Das Sesamöl ist gekennzeichnet durch die beiden folgenden Farbenreaktionen,
von denen die erstere die empfindlichere 1 ) ist.
a) Reaktion mit Furfurol und Salzsäure nach Baudouin in der Ver
besserung von V. Yillavechia und G. Fabris: * 2 3 ) Man verfährt nach letzteren
nach einem der beiden folgenden Verfahren, 8 ) zu denen man eine farblose Lösung
von 2 g Furfurol in 100 ccm Alkohol verwendet:
«) In einem Prohierglase oder besser in einem kleinen Meßzylinder oder
zylindrischen Scheidetrichter gibt man zu 0,1 ccm Furfurollösung 10 ccm Öl, dann
10 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,19, schüttelt das Ganze 1 / 2 Minute
lang und überläßt die Mischung sich selbst. Bei Gegenwart von Sesamöl ist die
am Boden sich abscheidende Salzsäure deutlich karmoisinrot; im anderen Falle
bleibt sie, farblos oder nimmt höchstens eine schmutziggelbe Farbe an.
ß) Oder man verwendet nur 1 ccm konzentrierter Salzsäure und setzt nach
dem Schütteln 10 ccm Chloroform hinzu, alsdann ist bei Gegenwart von Sesamöl
die sich an der Oberfläche abscheidende Salzsäure karmoisinrot gefärbt.
b) Reaktion mit Zinnchlorür (Bettendorfs Reagens) nach Soltsien 4 ):
Zu 2—3 Volumteilen des zu untersuchenden Öles (oder geschmolzenen Fettes) wird
1 Volumen mit Salzsäure versetzter Zinnchlorürlösung (Bettendorfs Reagens)
gesetzt und das öl so lange kräftig damit geschüttelt, bis eine Emulsion entstanden
ist; darauf setzt man das Reagensglas in ein heißes Wasserbad. Die sich dann
schnell absetzende Zinnchlorürlösung hat bei Gegenwart von Sesamöl eine hell-
himbeerrote bis dunkelweinrote Färbung. Bei einem sehr geringen Gehalte an
Sesamöl kann nach wiederholtem Schütteln die anfängliche Färbung wieder ver
blassen.
Zur Herstellung von Bettendorfs Reagens werden 5 Teile kristall. Zinnchlorür
mit 1 Teil Salzsäure zu einem Brei ungerührt und letzterer vollständig mit trocknem
Chlorwasserstoff gesättigt. Die so erhaltene Lösung wird nach dem Absetzen durch Asbest
filtriert. Man bewahrt sie am besten iu kleinen, mit Glasstopfen verschlossenen, möglichst
gefüllten Flaschen auf.
Die Jodzahl des Sesamöles ist bis jetzt zwischen 103—116,8 gefunden; sie
liegt in der Regel zwischen 105—115.
i. Baumwollsamenöl (Kottonöl).
Baumwollsamenöl ist das öl der Samen verschiedener Arten der Baumwollstaude
(Gossypium).
Da das öl verhältnismäßig leicht „Stearin“ abscheidet und fest wird, so
entfernt man vielfach einen Teil des Stearins durch „Demargarinisieren“ und erhält
so das Baumwollstearin (Kottonstearin) sowie das sog. „Winteröl“ im Gegensatz zu
dem nicht demargarinisierten sog. „Sommeröl“. Das Baumwollsamenöl ist das
billigste der zur menschlichen Ernährung dienenden öle und dient daher vielfach
zur Verfälschung der sonstigen Öle und Fette. In großen Mengen wird es zur
Herstellung von Margarine und Kunstspeisefett verwendet und in neuerer Zeit
*) Vergl. oben S. 585 über die Furfurolreaktion bei Erdnußölen.
2 ) Zeitschr. f. angew. Chem. 1893, 505.
3 ) Vergl. auch die Vorschrift in der Verordnung des Bundesrats vom 27. August
1897 und der amtlichen „Anweisung“ vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr
mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 (oben S. 556 u. 571).
4 ) Zeitschr. f. öffentl. Chemie 1897, 3, 63.