Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Bei  der  Destillation  der  alkoholischen  Flüssigkeiten  ist  zu  beachten,  oh  sich
flüchtige  Säuren  entwickeln;  in  diesem  Falle  setzt  man,  wenn  das  spezifische
Gewicht  des  Destillats  bestimmt  werden  soll,  vor  dem  Destillieren  etwas  Alkali  zu;
tritt  hierbei  Ammoniak  auf,  so  muß  man  das  Destillat  unter  Zusatz  von  Weinsäure ­
  nochmals  destillieren.  Bei  etwaigem  Schäumen  von  Flüssigkeiten  setzt  man
zweckmäßig  etwas  Tannin,  bei  etwaigem  Stoßen  erbsengroße  Stücke  von  Bimstein
oder  eine  Platinspirale  zu.
Von  den  unter  derartigen  Zusätzen  erhaltenen  Destillationsrückständen  kann
dann  selbstverständlich  das  spezifische  Gewicht  nicht  ermittelt,  sondern  muß  eine
zweite  Probe  von  bestimmtem  Gewicht  genommen  werden,  welche  in  Schalen  auf
dem  Wasserhade  von  Alkohol  befreit  und  nach  dem  Erkalten  mit  Wasser  auf  das
ursprüngliche  Gewicht  aufgefüllt  wird.
c)  Die  sonstigen  Bestimmungsverfahren  des  Alkohols  in  den  Spirituosen, ­
  so-  die  vaporimetrische  von  Geißler,  die  dilatometrische  von
Silhermann,  das  Ehullioskop,  das  Liquometer  von  Museuhus  und  den
Tropfenzähler  von  Duclaux  kann  ich  hier  übergehen,  weil  sie  sehr  erhebliche
Abweichungen  von  dem  Destillationsverfahren  besitzen  oder  doch  nicht  dieselben
sicheren  Ergebnisse  als  letzteres  liefern.
3.  Bestimmung  des  Fuselöles  bezw.  der  höheren  Alkohole.  Zur  Bestimmung
des  Fuselöles  hezw.  der  höheren  Alkohole  in  den  Spirituosen  wird  durchweg  das
Verfahren:
a)  von  Eöse  angewendet,  welches  durch  Stutzer  und  Reitmair  sowie
durch  Eugen  Seil 1 )  abgeändert  worden  ist.
Chloroform  besitzt  die  Eigenschaft,  die  höheren  Glieder  der  Alkohole  der
Methanreihe  leicht  aus  einer  wässerigen  Lösung  aufzunehmen,  während  Äthylalkohol
hei  einer  gewissen  Verdünnung  nur  in  geringer  Menge  gelöst  wird.
Schüttelt  man  einmal  einen  verdünnten  Spiritus  und  das  andere  Mal  verdünnten ­
  Spiritus  von  demselben  spezifischen  Gewicht,  dem  etwas  Amylalkohol  zugesetzt ­
  ist,  mit  gleichen  Mengen  Chloroform  bei  derselben  Temperatur,  so  zeigt
sich  im  2.  Falle  eine  erheblich  größere  Volum  Vermehrung  des  Chloroforms,  als  mit
reinem  verdünnten  Alkohol.
Röse  benutzte  diese  Eigenschaft  des  Chloroforms  dem  Äthylalkohol  und
Amylalkohol  gegenüber,  das  Sättigungsvermögen  des  Chloroforms  für  50  °/ 0 -igen
Spiritus  festzustellen  und  durch  steigende  Zugabe  von  kleinen  Mengen  Amylalkohol
die  Volumzunahme  des  Chloroforms  zu  ermitteln.
Stutzer  und  Reitmair  änderten  das  Verfahren  dahin  ab,  daß  sie  anstatt
des  50  °/ 0 -igen  Alkohols  einen  30  °/ 0 -igen  für  die  Untersuchung  empfahlen,  und
Herzfeld  gab  dem  Schüttelapparat  eine  andere  Form,  die  ein  genaues  Ahlesen
der  Chloroformschicht  gestattet.
Zahlreiche  Untersuchungen  von  genannten  Autoren  und  vom  Kaiserlichen
Gesundheitsamte  wurden  mit  reinem  30  °/ 0 -igen  Alkohol  und  Mischungen  von  Äthylalkohol ­
  und  Amylalkohol  in  den  verschiedenartigsten  Verhältnissen  durchgeführt,
aus  denen  Tabellen  zusamraengestellt  sind,  die  ein  direktes  Ahlesen  des  Amylalkohols ­
  hezw.  des  Fuselöles  aus  der  Volum-Zunahme  der  Chloroformschicht  gestatten.
Zum  Ausschütteln  wird  nach  den  Mitteilungen  von  Eugen  Seil *  2 )  im  Kaiserlichen ­
  Gesundheitsamte  der  nachstehende  Apparat  benutzt:

Vergl.  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1892,  31,  Anhang  2.
2 )  Arbeiten  aus  dem  Kaiser!.  Gesundheitsamte  1888,  4,  109.
            
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