Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

B.  Anleitung  zur  Untersuchung  von  Tieröl,  Terpentinöl,  Äther  und  Schellack.
1.  Tieröl.
a)  Farbe.  Die  Farbe  des  Tieröls  soll  schwarzbraun  sein.
b)  Siedetemperatur.  Werden  100  ccm  in  der  für  den  Holzgeist  angegebenen
Weise  destilliert,  so  sollen  unter  90°  nicht  mehr  als  5  ccm,  bis  180°  aber  wenigstens
50  ccm  übergehen.
c)  Pyrrolreaktion.  2,5  ccm  einer  1  °/ 0 -igen  alkoholischen  Lösung  des  Tieröls
werden  mit  Alkohol  auf  100  ccm  verdünnt.  Bringt  man  in  10  ccm  dieser  Lösung,  die
0,025  °/ 0  Tieröl  enthält,  einen  mit  konzentrierter  Salzsäure  befeuchteten  Fichtenholzspan,
so  soll  derselbe  nach  wenigen  Minuten  deutliche  Rotfärbung  zeigen.
d)  Verhalten  gegen  Quecksilberchlorid.  6  ccm  der  1  °/ 0 -igen  alkoholischen
Lösung  des  Tieröls  sollen  beim  Versetzen  mit  5  ccm  einer  2°/ 0 -igen  alkoholischen  Lösung  von
Quecksilberchlorid  alsbald  eine  voluminöse  flockige  Fällung  geben.  5  ccm  der  0,025  °/ 0 -igen
alkoholischen  Lösung  von  Tieröl  mit  6  ccm  der  Queoksilberchloridlösung  versetzt,  sollen
alsbald  noch  eine  deutliche  Trübung  zeigen.
2.  Terpentinöl.
a)  Spezifisches  Gewicht.  Das  spezifische  Gewicht  des  Terpentinöls  soll  zwischen
0,855  und  0,866  bei  15  0  liegen.
h)  Siedetemperatur.  Werden  100  ccm  in  der  für  den  Holzgeist  angegebenen
Weise  destilliert,  so  sollen  unter  150°  nicht  mehr  als  5  ccm,  bis  160°'aber  mindestens
90  ccm  übergehen.
c)  Mischbarkeit  mit  Wasser.  20  ccm  Terpentinöl  werden  mit  20  ccm  Wasser
kräftig  geschüttelt.  Wenn  nach  einigem  Stehen  beide  Schichten  sich  getrennt  haben  und
klar  geworden  sind,  so  soll  die  obere  wenigstens  19  ccm  betragen.
3.  Äther.
a)  Spezifisches  Gewicht.  Das  spezifische  Gewicht  des  Äthers  soll  nicht  mehr
als  0,730  betragen.
b)  Mischbarkeit  mit  Wasser.  20  ccm  Äther  werden  mit  20  ccm  Wasser  kräftig
geschüttelt.  Nach  dem  Absetzen  soll  die  Ätherschicht  wenigstens  18  ccm  betragen.
4.  Schellacklösung.
10  g  der  Lösung  sollen  heim  Verdunsten  auf  dem  Wasserbade  und  nach  darauffolgendem ­
  Erhitzen  des  eingedampften  Rückstandes  im  Trockensohranke  während  1 / 2  Stunde
auf  eine  Temperatur  von  100—105°  mindestens  3,3  g  Schellack  hinterlassen.
(>.  Nachweis  vou  Denaturierungsmitteln  im  Spiritus  und  Branntwein.  Zum
Nachweise  des  allgemeinen  Denaturierungsmittels  kann  man  den  Nachweis  des
Methylalkohols  oder  den  des  Pyridins  wählen.
a)  Nachweis  von  Methylalkohol.  Zum  Nachweise  des  Holzgeistes  im
denaturierten  Spiritus  rektifiziert  man  das  Destillat  über  calcinierter  Soda  auf  dem
Wasserbade,  läßt  eine  bestimmte  Menge  dieses  Destillats  mit  dem  gleichen  Gewicht
Chlorcalcium  24  Stunden  stehen,  destilliert  hierauf  und  entzieht  dem  Rückstände
durch  Behandeln  mit  Wasser  den  Holzgeist.
Zur  annähernden  quantitativen  Bestimmung  stellt  man  zunächst  rohes  Methyljodid ­
  dar,  indem  man  1  Teil  roten  Phosphor  mit  5  Teilen  des  zu  untersuchenden
Weingeistes  Ubergießt  und  allmählich  10  Teile  Jod  ein  trägt.  Das  Methyljodid
wird  mit  Anilin  erhitzt,  das  gebildete  Methylanilin  in  Freiheit  gesetzt  und  durch
ein  Gemenge  von  Kupfernitrat,  Kochsalz  und  Sand  in  Anilinviolett  übergeführt.
Letzteres  wird  in  Alkohol  gelöst  und  der  Gehalt  an  Holzgeist  kolorimetrisch  abgeschätzt. ­
  Bei  ursprünglich  reinem  Äthylalkohol  erscheint  die  alkoholische  Lösung
(von  Äthylanilin)  rötlich,  bei  Gegenwart  von  1  °/ 0  Methylalkohol  dagegen  violett  usw.
Das  Verfahren  von  0.  de  Poncy, 1 )  der  die  verschiedene  Löslichkeit  der
Oxalate  —  Methyloxalat  ist  leicht,  Äthyloxalat  ist  schwer  löslich  in  Wasser  —  zur

1 )  Polytechn.  Journ.,  254,  500.
            
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