Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Essig.

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Mengen  der  genannten  Bestandteile,  wenn  in  der  gärenden  Maische  die  Steine  der  Erhöhte
zugegen  sind.  Weiter  hat  K.  Win  di  sch  (I.  c.)  festgestellt,  daß  die  Blausäure  in  diesen
Branntweinen  langsam  verschwindet;  es  könnte  also  der  Pall  verkommen,  daß  ein  nur
wenig  Blausäure  enthaltender  Branntwein  schließlich  ganz  blausäurefrei  wird.  Die  Blausäure ­
  in  den  Branntweinen  verdankt  nur  dem  Umstande  ihre  relative  Beständigkeit,  daß
sie  nicht  frei,  sondern  an  Benzaldehyd  gebunden  ist.  Der  Nachweis  und  die  Bestimmung
der  Blausäure  und  des  Benzaldehyds  verlieren  dadurch  jede  Bedeutung,  daß  in  dem  Bittermandelwasser ­
  und  dem  Kirschlorbeerwasser  sowie  in  den  entsprechenden  Ölen  jederzeit  erhältliche ­
  Präparate  zur  Hand  sind,  die  Blausäure  und  Benzaldehyd  enthalten  und  den
Branntweinen  zugesetzt  werden  können.  Die  Gegenwart  von  Blausäure  und  Benzaldehyd
in  einem  Branntwein  ist  daher  keineswegs  ein  Beweis  dafür,  daß  derselbe  aus  Steinobst
hergestellt  ist.

C.  Essig.
Unter  Essig  versteht  man  ein  durch  die  sog.  Essiggärung  aus  alkoholischen
Flüssigkeiten  oder  durch  Verdünnung  von  Essigsprit  mit  Wasser  gewonnenes  Genußund
  Frischhaltungsmittel. x )
Man  unterscheidet  je  nach  dem  verwendeten  Rohstoff  folgende  Essigsorten:
Branntweinessig  (Spritessig,  Essigsprit),  Wein-,  Obst-,  Obstwein-,
Bier-,  Malz-,  Stärkezucker-  und  Honigessig.
Man  begegnet  im  Handel  jetzt  auch  vielfach  der  Essigessenz  (aus  den  Erzeugnissen ­
  der,  trocknen  Destillation  des  Holzes  hergestellt),  sowie  dem  daraus  durch
Verdünnung  gewonnenen  Essig,  der  den  ersteren  Sorten  gegenüber  als  „Kunstessig“
aufzufassen  ist.
Der  Kräuteressig  wird  durch  Ausziehen  von  Kräutern  mit  den  Essigsorten
gewonnen.
Als  Verfälschungen  des  Essigs  kommen  vor:
Wasserzusatz,  Mineralsäuren  (von  organischen  Säuren  auch  Oxalsäure,
Weinsäure),  scharf  schmeckende  Stoffe  pflanzlicher  Natur,  ferner  Vermischen  gesuchter ­
  und  teuerer  Sorten,  wie  Weinessig  mit  Essigsprit  oder  Vertrieb  des  letzteren
als  Weinessig  usw.
Als  zufällige  Beimengungen  sind  zu  nennen:  Giftige  Metalle  (Kupfer,
Klei,  Zink).
Als  krankhafte  Erscheinungen  treten  Pilzbildungen,  das  Kahmigwerden  und
sehr  häufig  in  den  durch  Gärung  gewonnenen  Essigsorten  die  sog.  Essigälchen
(Anguillula  oxophila)  auf.
Für  die  Untersuchung  des  Essigs  ist  etwa  1 / 2  1  erforderlich,  welches
zweckmäßig  in  einer  mit  Korkstöpsel  verschlossenen  Flasche  versandt  und  aufhewahrt
  wird.
Die  Bestandteile  des  Essigs  sollen  in  Gewichtsprozenten  ausgedrückt
  werden,  d.  h.  es  ist  anzugeben,  wie  viel  Gramm  der  einzelnen
Bestandteile  in  100  g  Essig  enthalten  sind.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts.  Wie  üblich  durch  das  Pyknometer
oder  die  Westphalsche  Wage  (vergl.  S.  449).  Die  Bestimmung  des  spezifischen
Gewichts  ist  für  die  Beurteilung  des  Essigs  von  keinem  Belang.
2.  Bestimmung  des  Extrakts  und  der  Mineralstoffe.  Durch  Eindampfen  von
100  ccm  Essig,  Trocknen  bezw.  Glühen  des  Rückstandes  wie  bei  Spiritus  und  Wein.
9  Vergl.  Vereinbarungen  der  vom  Kaiserl.  Gesundheitsamte  einberufenen  Kommission
deutscher  Nahrungsmittelchemiker,  Heft  II.  Berlin  1899,  79.
            
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