Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Wasser.  Gerste.

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Wichtig  für  die  Beurteilung  eines  Brauereiwassers  ist  die  Frage,  wie  sich  die
Mikroorganismen  desselben  zu  Würze  und  Bier  verhalten.  Hansen  gibt  behufs
Prüfung  dieser  Frage  in  20  bezw.  25  Stück  Freudenreich-Kölbchen  je  20  ccm  Würze  oder
Bier,  versetzt  dieselben  nach  dem  Sterilisieren  mit  je  einem  Tropfen  ( 1 / 25  ccm)  des  betreffenden ­
  Wassers  und  lädt  die  Fläschchen  8  Tage  bei  25°  im  Thermostaten  und  8  Tage
bei  gewöhnlicher  Zimmertemperatur  stehen.  Die  Zahl  der  Fläschchen,  in  welchen  die
Nährlösung  angegriffen  erscheint,  wird  mit  5  bezw.  4  multipliziert,  um  das  Ergebnis  in
Prozenten  auszudrücken.
Pr.  Sohwackhöfer  hat  auf  diese  Weise  60  Brauereiwässer  biologisch  sowie  chemisch
untersucht  und  dieselben  je  nach  ihrer  Verwendbarkeit  in  5  Gruppen  eingeteilt,  aus  denen
hier  folgende  Untersuchungen 1 )  mitgeteilt  werden  mögen.
(Siehe  Tabelle  S.  708.)
II.  Gerste.
Zur  Bierbrauerei  ist,  wie  schon  S.  304  erwähnt  ist,  nur  die  bespelzte  Gerste
geeignet  und  wird  dazu  fast  ausschließlich  die  Sommergerste  der  2-zeiligen  Varietät
Hordeum  distichum  und  H.  erectum  verwendet,  unter  welchen  besonders  die  Chevaliergerste ­
  und  deren  Abkömmlinge  (die  Hanna-  und  ungarische  Gerste,  ferner  die  Landgersten; ­
  Franken-,  Saale-,  Eeis-  und  bayerische  Gerste)  als  Braugerste  besonders
geschätzt  werden.  Von  einer  guten  Braugerste  wird  verlangt,  daß  sie  eine  tunlichst
hohe  Extraktausbeute  liefert,  sich  leicht  verarbeiten  läßt  und  bei  sachgemäßer  Behandlung ­
  ein  haltbares  Bier  liefert.  Die  Beurteilung  der  Braugerste  findet  einerseits
Euch  äußeren  Merkmalen,  andererseits  nach  besonderen  Eigenschaften  und  der
chemischen  Zusammensetzung  statt.  Nach  diesen  Eichtungen  kommen  in  Betracht: 2 )
1.  Die  Farbe.  Die  Farbe  der  Braugerste  soll  tunlichst  gleichmäßig  hellweiß
oder  hellgelb  sein.  Eine  gelblich-braune  oder  graue  Farbe  deutet  auf  hohen  Proteingehalt, ­
  eine  braune  und  schwarze  Farbe  der  Spitzen  auf  Pilzwucherungen  bei  stark
beregneten  Gersten  und  infolgedessen  auf  eine  geringe  Keimfähigkeit  hin.
2.  Der  Geruch  soll  frisch,  strohartig,  keinenfalls  dumpf  und  schimmelig  sein.
3.  Die  Korngröße  soll  tunlichst  gleichmäßig  sein;  eine  mittlere  Korngröße,
hei  der  1000  Korn  38—44  g  wiegen,  gilt  als  die  beste;  großkörnige  Gersten  haben
45—60  g 5  kleinkörnige  —  auch  noch  verwendbare  —  Gersten  36—38  g  Tausend-Körner-Gewicht.
  Gersten  mit  noch  niedrigerem  Tausend-Kbrner-Gewicht  gelten  als
unbrauchbar  für  Brauereizwecke,  weil  sie  —  mit  Ausnahme  der  Wintergerste  —
Proteinreich  und  stärkearm  sind.  Großkörnige  Gerste  läßt  sich  nicht  so  leicht  ein-Weichen
  als  mittelkörnige  Gerste.
4.  Das  Hektoliter-Gewicht  schwankt  in  folgenden  Grenzen:
leichte  mittlere  schwere  Gerste
62—63  kg  64—67  kg  68—72  kg.
Ein  hohes  Hektoliter-Gewicht  deutet  durchweg  auf  stärkereiche  und  proteinarme
  Gerste  hin  und  wird  daher  gewünscht.  Indes  kann  auch  eine  eiweißreiche,
^ber  spelzenarme  Gerste  ein  hohes,  eine  stärkereiohe,  aber  bauchige  Gerste,  deren
Körner  sich  nicht  so  dicht  Zusammenlegen  als  flache  Gerste,  ein  niedriges  Hektoliter-Gewicht
  haben.  Uber  die  Bestimmung  des  letzteren  vergl.  S.  443.
Als  ein  dem  Hektoliter-Gewicht  entsprechender  Ausdruck  gilt  auch  der  für
(16  Sp
errigkeit  der  Gerste;  darunter  versteht  man  die  Anzahl  Liter,  welche
1  kg  Gerste  einnehmen.  Man  bestimmt  die  Sperrigkeit  mit  dem  Getreideprüfer
*)  Vergl,  C.  J.  Lintner,  Grundriß  d.  Bierbrauerei.  Berlin  1898,  24  und  25.
2 )  Vergl.  ebenda.  Berlin  1905.
            
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