Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Bier  und  seine  Rohstoffe.

beeinträchtigt  wird.  Jedoch  ist  zu  berücksichtigen,  daß  hierdurch  außer  den  Organismen
auch  die  yon  diesen  abstammenden  Enzyme  abgetötet  werden,  die  vielleicht  für  die  Bekömmlichkeit ­
  und  Verdaulichkeit  nicht  ohne  Bedeutung  sind.
II.  Bierkrankheiten.
Da  das  Bier  beim  Lagern,  und  zwar  bei  höheren  Temperaturen  mehr  als  bei  niederen,
schwach  nachgärt,  so  erleidet  es  eine  fortwährende  Veränderung,  wenn  diese  auch  für
gut  ausgelagertes  Bier  mit  mäßigem  unvergorenen  Extraktrest  nur  gering  ist.  Diese
Nachgärung  ist  für  die  Entwickelung  und  Güte  des  Bieres  sogar  notwendig  und  nicht
schädlich,  wenn  sie  durch  Kulturhefe  hervorgerufen  wird.  Ein  ursprünglich  schlecht  vergorenes ­
  Bier  kann  unter  diesen  Umständen  durch  Hefe  sich  trüben,  aber  später  in  der
Ruhe  und  Kälte  wieder  klar  werden.
Neben  diesen  natürlichen  und  notwendigen  Veränderungen  treten  aber  häufig  im
Bier  noch  krankhafte  Veränderungen  auf,  die  hervorgerufen  werden  können:
1.  Durch  Bakterien,  Pilze,  Enzyme  usw.  Die  Kulturhefe  wird  von  den  verschiedensten ­
  Mikroorganismen  begleitet,  die,  wenn  sie  in  größerer  Anzahl  vorhanden  sind,
verschiedene  krankhafte  Erscheinungen  hervorrufen  können,  wie  z.  B.  einen  bitteren,  bittersüßen, ­
  säuerlichen,  obstartigen  oder  auch  fauligen  Geschmack,  verbunden  mit  einem  dem
gesunden  Bier  nicht  eigenen  Geruch,  ferner  starke  Säuerung  durch  das  Uberhandnehmen
von  Säurebakterien;  gleichzeitig  kann  die  Viskosität  des  Bieres  sich  ändern  und  letzteres
fadeuziehend 1 )  werden;  auch  tritt  mitunter  eine  Änderung  der  Farbe  und  Verfärbung  auf.
Die  Art  und  Natur  der  die  Bierkrankheiten  verursachenden  Mikroorganismen  ist
bis  jetzt  noch  nicht  bekannt,  jedoch  ist  sicher,  daß  ihr  Umsichgreifen  durch  Unreinlichkeit
im  Betriebe,  unzweckmäßige  Brauführung,  durch  das  Wasser,  die  Luft,  durch  zu  lange
Lagerung  und  durch  fehlerhafte  Behandlung  beim  Lagern  begünstigt  oder  hervorgerufen ­
  wird.
2.  Durch  Fabrikationsfehler;  hierzu  gehören:
a)  Die  Stärketrübungen,  die  entstehen,  wenn  nicht  alle  Stärke  in  Zucker  und
in  die  sich  mit  Jod  nicht  färbenden  Dextrine  umgewandelt  sind;  diese  Trübungen,  von  Stärke
bezw.  Erythrodextrin  herrührend,  nehmen  mit  der  Vermehrung  dos  Alkohols  durch  die
fortschreitende  Nachgärung  zu.  Die  aus  nicht  genügend  aufgeschlossener  Würze  hergestellten ­
  Biere  geben  gleichzeitig  eine  bessere  Nährlösung  für  gewisse,  die  Hefe  verunreinigende ­
  Mikroorganismen  uud  fördern  deren  Entwickelung  und  schädliche  Wirkung.
b)  Die  Glutin-  und  Eiweiß-Trübung.  Erstere  tritt  beim  Abkühlen  des  Bieres
auf  und  verschwindet  beim  Erwärmen,  ist  also  vorübergehend;  die  durch  Eiweiß  bewirkte
Trübung  ist  bleibend.
Diese  Ausscheidungen  sind  durch  eine  eigenartige  Beschaffenheit  des  Rohstoffes
(zu  stickstofifreiohe  Gerste),  oder  durch  die  Bereitung  und  Lagerung  des  Malzes,  oder  durch
ein  unzweckmäßiges  Maisch-  und  Sudverfahren  —  die  Ursachen  sind  noch  nicht  genügend
aufgeklärt  —  bedingt.  Die  ausgeschiedenen  Biweißkörper  schließen  die  im  Bier  vorhandenen ­
  Hefen  und  Bakterien  mit  ein.
c)  Die  Harztrübung,  die  im  Verlauf  der  Nachgärung  und  Lagerung  auftritt,  in
einer  Ausscheidung  kleiner  Harztröpfchen  besteht  und  sich  als  staubige  Suspension  zeigt;
ferner  die  Gummitrübung,  häufig  verbunden  mit  Eiweißtrübung;  sie  macht  das  Bier
schleierig  und  kann  durch  geeignete  Erwärmung  vermindert,  wenn  auch  nicht  vollständig
aufgehoben  werden.
Die  Harz-  wie  Gummitrübung  treten  nur  bei  hellen  Bieren  auf.
d)  Das  Schalwerden  der  Biere  durch  Verlust  von  Kohlensäure  infolge  schlechter
Kelierführung,  sei  es  infolge  zu  langen  Lagerns  oder  einer  zu  hohen  Temperatur  in  den  Kellerräumen. ­
  Da  die  Kohlensäure  konservierend  wirkt,  so  zeigen  diese  Art  Biere  nur  eine
geringe  Haltbarkeit,  schlagen  um  und  werden  ungenießbar.
3.  Bierkrankheiten  durch  schlechte  Korksuhstanz,  vorwiegend  bei  Flaschenbier.
Fadenziehende  Biere  werden  unter  Umständen  bei  längerer  Lagerung  ohne  wesentliche ­
  Einbuße  an  Geschmack  wieder  normal.
            
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