Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Wein.

771

heißem  Wasser  aus,  bis  das  auf  15°  abgekühlte  Filtrat  30  com  beträgt.  Zeigt  dasselbe
bei  der  Polarisation  eine  Rechtsdrehung  von  mehr  als  0,5°,  so  enthält  der  Wein  die  unvergorenen
  Bestandteile  des  unreinen  Stärkezuckers.  Beträgt  die  Drehung  gerade  -)-  0,6°
oder  nur  wenig  über  oder  unter  dieser  Zahl,  so  wird  die  Tierkohle  aufs  neue  mit  heißem
Wasser  ausgewaschen,  bis  das  auf  15°  abgekühlte  Filtrat  30  com  beträgt.  Die  bei  der
Polarisation  dieses  Filtrates  gefundene  Rechtsdrehung  wird  der  zuerst  gefundenen  hinzugezählt. ­
  Wenn  das  Ergebnis  der  zweiten  Polarisation  mehr  als  den  fünften  Teil  der  ersten
beträgt,  muß  die  Kohle  noch  ein  drittes  Mal  mit  30  ccm  heißem  Wasser  ausgewaschen
und  das  Filtrat  polarisiert  werden.
13.  Nachweis  fremder  Farbstoffe  in  Rotweinen.  „Rotweine  sind  stets  auf
Teerfarbstoffe  und  auf  ihr  Verhalten  gegen  Bleiessig  zu  prüfen.  Ferner  ist  in  dem  Weine
ein  mit  Alaun  und  Natriumacetat  gebeizter  Wollfaden  zu  kochen  und  das  Verhalten  des
auf  der  Wollfaser  niedergeschlagenen  Farbstoffes  gegen  Reagenzien  zu  prüfen.  Die  bei
dem  Nachweise  fremder  Farbstoffe  im  einzelnen  befolgten  Verfahren  sind  stets  anzugeben,“
Da  nach  dem  neuen  Weingesetz  die  Verwendung  von  Teerfarbstoffen  und  Kermesbeeren
verboten,  die  Verwendung  von  tiefgefärbten  südländischen  Rotweinen  zum  Verschneiden
erlaubt  ist,  so  werden  Teer-,  wie  auch  Pflanzenfarbstoffe  jetzt  nur  mehr  selten  zum  Auffärben ­
  des  Rotweines  verwendet.
Anmerkung  des  Verfassers:
a)  Nachweis  von  Teerfarbstoffen  in  Rotweinen.  A.  Hasterlik 1 )  hat  die  verschiedenen ­
  Verfahren  zum  Nachweise  der  Teerfarbstoffe  einer  eingehenden  Prüfung  unterzogen, ­
  dessen  Untersuchungen  wir  im  nachfolgenden  nach  K.  Windisch  (1.  c.  S.  165)
größtenteils  folgen.
Zum  Nachweise  von  Teerfarbstoffen  im  Rotwein  dienen  folgende  Verfahren:
1.  Das  Verhalten  des  Weines  gegen  Bleiessig.  Dasselbe  kann  nur  zur
vorläufigen  Unterrichtung  dienen.
Versetzt  man  20  ccm  Wein  mit  10  ccm  Bleiessig,  erwärmt  die  Mischung  schwach,
schüttelt  abermals  gut  um  und  filtriert,  so  liegt,  wenn  das  Filtrat  rot  gefärbt  ist,  der
Verdacht  des  Vorhandenseins  eines  Teerfarbstoffes  vor.  Hierbei  ist  jedoch  zu  berücksichtigen, ­
  daß  auch  manche  farbstoffreichen  Rotweine  ein  schwach  rotgefärbtes  Filtrat  der
Bleiessigfällung  liefern.  Der  Niederschlag  mit  Bleiessig  ist  bei  reinem  Rotwein
schiefergrau,  blaugrau,  blaugrün  oder  grün,  bei  Vorhandensein  z.  B.  von  Kermesfarbstoff
rotviolett.
2.  Die  Wollprobe  nach  N.  Arato. 2 )  Diese  Probe  ist  von  allen  Proben  wohl  am
besten  zur  Prüfung  des  Rotweins  auf  Teerfarbstoffe  geeignet.  Man  verfährt  folgendermaßen;
60—100  ccm  des  verdächtigen  Weines  läßt  man  10  Minuten  mit  5—10  com  einer
10°/ 0 -igen  Kaliumbisulfatlösung  und  3—4  Fäden  weißer  Wolle  in  einer  Porzellanschale
oder  einem  Becherglase  kochen.  Die  Wolle  wird  nach  dieser  Behandlung  herausgenommen,
mit  Wasser  gewaschen  und  mit  wässerigem  Ammoniak  behandelt.  Enthält  der  Wein  Teerfarbstoff, ­
  so  nimmt  die  Wolle  nach  dem  Kochen  mit  dem  Bisulfat  eine  stärkere  rote
Farbe  an,  als  bei  reinen  Weinen,  und  nach  dem  Behandeln  mit  Ammoniak  verwandelt  sich
dieselbe  nicht  in  ein  schmutziges,  grünliches  Weiß,  sondern  bleibt  entweder  beständig  rot
oder  nimmt  eine  gelbliche  Färbung  an,  welche  nach  abermaliger  Behandlung  mit  Wasser
und  nach  Auswaschen  mit  Ammoniak  wieder  die  ursprünglich  rote  Farbe  hervortreten  läßt.
Will  man  jetzt  die  Natur  des  fremden  Farbstoffes  ermitteln,  so  wäscht  man  zunächst
die  Wolle  mit  verdünnter  Weinsäure,  um  die  Weinfarbstoffe  zu  entfernen,  und  preßt  dieselben ­
  zwischen  Fließpapier  ab.  Hierauf  bringt  man  die  Wolle  in  ein  Reagensglas  und
tröpfelt  Schwefelsäure  darauf,  wobei  kennzeichnende  Erscheinungen  für  die  verschiedenen
Diazokörper  auftreten.  Ist  man  genötigt,  den  Farbstoff  von  der  Wolle  zu  trennen,  so  gießt
man  so  viel  Schwefelsäure  hinzu,  daß  die  Wolle  damit  bedeckt  ist,  quetscht  mit  einem

3 )  Mitteilungen  aus  d.  pharm.  Institut  u.  Laboratorium  f.  angew.  Chemie  der  Universität ­
  Erlangen  1889,  Heft  2,  S.  51.
2 )  Arato,  Metodo  parala  iuvestigacion  de  algunos  derivados  del  acquitran.  Buenos
Aires.  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1889,  28,  639.

49*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.