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Trinkwasser.
Wiederum in anderen Fällen kann man den Zusammenhang zwischen dem verunreinigenden
Zufluß und dem Brunnen dadurch nachweisen, daß man ersterem einen stark
färbenden, schmeckenden oder riechenden Stoff zufügt, der durch die Bestandteile des
verunreinigenden Zuflusses selbst in starker Verdünnung nicht verändert wird, und der
sich alsdann, wenn ein solcher Zusammenhang besteht, nach einiger Zeit in dem Brunnenoder
Quellwasser ebenfalls nachweisen lassen muß.
H. Nördlinger 1 ) empfiehlt für den Zweck Saprol, welches sich noch in einer
Verdünnung von 1 : 1000000 durch seinen leuchtgas- und naphthalinartigen Geschmack zu
erkennen gibt und daher nach kürzerer oder längerer Zeit im Brunnenwasser durch den
Geschmack ebenfalls nachgewiesen werden kann.
J. Mayrhofer hat sich mit bestem Erfolge des Kaliumsalzes des Fluorescins, des
Uraninkalis, bedient, welches sich noch in einer Verdünnung von 1: 4 Milliarden Wasser
in der Weise nachweisen läßt, daß man 2—4 1 Wasser mit 1—2 Messerspitzen voll feinster
Tierkohle 1 / 4 Stunde schüttelt, die Kohle nach dem Absitzen auf einem kleinen Filter
sammelt, trocknet und mit 10 ccm Alkohol auszieht, welcher durch einige Tropfen Alkali
alkalisch gemacht ist. Mittels der konvergierenden Lichtstrahlen — eine größere Lupe
genügt schon — läßt sich der Farbstoff durch sein prächtiges Schillern leicht nachweisen.
Andere Färbungsmittel, wie Auramin, Safranin, Kongorot, Neutralfuchsiu, Pariser Violett,
Methylenblau, sind weniger empfindlich. Unter Umständen können auch gefärbte Bakterien,
wie Bacterium violaceum, B. prodigiosum und B. rubrum, gute Dienste leisten.
Ebenso wie die Verunreinigungen selbst sehr zahlreich sind, so gestaltet sich auch
der Nachweis derselben sehr mannigfaltig und verschieden. Es ist daher kaum möglich,
hierüber für jeden Fall gültige Anweisungen zu geben. Der erfahrene Sachverständige
wird aber, wenn er unter Berücksichtigung aller örtlichen Verhältnisse mit Umsicht
und Vorsicht zu Werke geht, schon den richtigen Weg für derartige Nachweise
finden.
Es sei ferner noch hervorgehoben, daß ein Quell-, Fluß- und Brunnen- bezw.
Grundwasser je nach den Niederschlägen nicht unerheblichen Schwankungen in der Zusammensetzung
unterworfen sein kann.
Um daher ein völlig zutreffendes, sicheres Urteil über die Beschaffenheit einer
Wasserversorgungs-Quelle zu erhalten, ist es notwendig, das Wasser öfters und zu verschiedenen
Jahreszeiten zu untersuchen.
Gesichtspunkte für die Untersuchung des Wassers.
Zur vollen Untersuchung eines Wassers gehört:
I. die physikalische Untersuchung (Feststellung der Temperatur, des
Aussehens, des Geschmackes und Geruches, in seltenen Fällen auch des spezifischen
Gewichtes);
2. die chemische Untersuchung (Bestimmung derjenigen chemischen Bestandteile,
welche zur Beurteilung des vorliegenden Falles erforderlich sind);
3. die mikroskopische Untersuchung (mikroskopischer Nachweis der im
Wasser bezw. in den Schwebestoffen vorhandenen tierischen und pflanzlichen
Lebewesen);
4. die bakteriologische Untersuchung (kultureller Nachweis der indem
W T asser vorhandenen Keime von Mikrophyten und ihrer Art).
Für die richtige Beurteilung eines Trinkwassers sind im allgemeinen
alle 4 Untersuchungen gleich wichtig. Jedoch kann man für
besondere Fälle und Fragen Beschränkungen eintreten lassen.
l ) Pharm. Centralhalle 1894, 35, 109.