Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Trinkwasser. 
2. Abdampfrückstand. Eine größere Menge Wasser, etwa 250 ccm. wird in 
einer ausgegliihten und gewogenen Platinscbale auf dem Wasserbade zur Trockne 
verdampft, der Rückstand im Dampftrockenschrank (also bei 95—98°) 1 Stunde, 
darauf etwa 2 Stunden lang im Lufttrockenschrank bei 110° getrocknet, im Exsikkator 
erkalten gelassen und gewogen. Das Trocknen muß so lange fortgesetzt werden, 
bis 2 Wägungen übereinstimmende Ergebnisse liefern. 
Anmerkung. Wird beim Trocknen des Rückstandes nur eine Temperatur von 
90—95° eingehalten, so bleibt sämtliches Kristallwasser der mit solchem kristallisierenden 
Mineralsalze im Rückstand und wird mitgewogen; selbst bei 110° wird nicht alles Kristall 
wasser ausgetrieben; wendet man aber noch höhere Temperaturen an, so hat man einen 
größeren Verlust an organischen Stoffen, welche sich schon teils mit den Wasserdämpfen 
verflüchtigen, zu befürchten. Will man die Menge des wirklichen Trockenrückstandes 
annähernd ermitteln, so muß aus den quantitativen Einzelbestimmungen die Art und 
Menge der Salze (wie Calcium- oder Magnesiumsulfat) und damit die Menge des Kristall 
wassers berechnet werden, welche von der Menge des Abdampfrückstandes abzuziehen ist. 
Der Ahdampfrückstand sieht bei reinem Wasser weiß bis hellgrau aus, bei ver 
unreinigtem Wasser dagegen hellbraun bis dunkelbraun, im allgemeinen um 
so dunkler, je unreiner das Wasser ist, d. h. je mehr organische Stoffe es enthält. Die 
Mißfärhung des Abdampfrückstandes tritt bei vorhandenen größeren Mengen gelöster 
organischer Stoffe besonders hervor, wenn man den Ahdampfrückstand langsam über freier 
Flamme erhitzt. 
3. Glühverlust. Die den Ahdampfrückstand enthaltende gewogene Platin- 
schale wird auf einem Platindreieck oder einem spiraligen Platindraht in eine größere 
Platinschale gestellt, Uber welche man zur Rückstrahlung der Wärme in einiger 
Höhe ein breites Platinblech ausspannt. Durch Erhitzen der äußeren Schale bis zur 
mäßigen Rotglut wird der Ahdampfrückstand allmählich ausgegltiht. Der erste 
Gltihrückstand wird mit kohlensäurehaltigem, destilliertem Wasser (oder auch mit 
reinem Ammoniumkarbonat) befeuchtet und nochmals schwach geglüht. Die Differenz 
zwischen den Wägungen des Ahdampfrückstandes und des so erhaltenen Glüh- 
rückstandes bedeutet nach Abzug des Kristallwassers annähernd die Menge der im 
Wasser enthaltenen organischen Stoffe, während der Glührückstand die Menge der 
wasserfreien Mineralstoffe ergibt. 
Sind Nitrate, Chlorcalcium oder ChlormagBesium vorhanden, so entstehen auch hei 
diesem Verfahren geringe Verluste auf Kosten der Mineralstoffe. Nitrate werden durch 
organische Stoffe reduziert, Chlorcalcium und Chlormagnesium setzen sich heim Eindampfen 
des kohlensäurehaltigen Wassers leicht um und verlieren beim Trocknen und Glühen ihr 
Chlor. Beiden Fehlerquellen kann vorgebeugt werden, wenn man dem Wasser eine 
genau bestimmte Menge Natriumkarbonatlösung zusetzt und dann eindampft. Chlorcalcium 
und Chlormagnesium werden dadurch in Karbonate verwandelt, während das Chlor und 
bei den Nitraten die Salpetersäure an das Natrium gebunden werden. 
4. Oxydierbarkeit (organische Stoffe). Die im Ahdampfrückstand enthaltene 
und durch Glühverlust bestimmte Menge der organischen Substanz ist jedoch nicht 
die gesamte im Wasser vorkommende Menge derselben, vielmehr enthält dieses 
meist noch flüchtige organische Stoffe. Diese, sowie weitere leicht zersetzliche 
organische Stoffe und oxydationsfähige Verbindungen beeinträchtigen namentlich 
den Geschmack und Geruch des Wassers, und es ist deshalb für die Beurteilung 
der Güte eines Wassers von großer Wichtigkeit, einen Ausdruck für diese Stoffe 
zu gewinnen. 
Zu ihrer vergleichenden Bestimmung benutzt man die Eigenschaft derselben, 
reduzierend auf stark sauerstoffhaltige, leicht umsetzbare Salze, so namentlich auf 
Kaliumpermanganat zu wirken; Kuhei und Schulze haben darauf Verfahren
	        
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