Mikroskopische und biologische Untersuchung.
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und demselben Wasser, ohne daß der hygienische Wert des Wassers beeinflußt
würde, je nach der Zeit und Art der Probenahme, der Zeit zwischen Probenahme
und Verarbeitung, der Art.des Nährbodens usw. so sehr, daß eine Beurteilung nach den
erhaltenen Zahlen unzulässig erscheint und auch von der Aufstellung irgendwelcher
Grenzzahlen abgesehen werden muß. Dazu kommt, daß die Hoffnung, mittels dieses
Verfahrens die Erreger der ansteckenden Krankheiten, soweit sie zu den Bakterien
gehören, leicht und sicher aus infiziertem Wasser zu züchten, sich nicht erfüllt hat.
Der Nachweis der für unsere Breiten in erster Linie in Betracht kommenden
Typhusbakterien im Wasser gehört trotz-zahlloser Verfahren noch immer zu den
wissenschaftlichen Leistungen, die für die Laboratorien der Praxis ausgeschlossen sind.
Auch die späteren Vorschläge, neben der Zahl der Bakterien die Zahl der
Arten für die Beurteilung des Wassers heranzuziehen, die auf der Erwägung beruhen,
daß in einem stark und oft verunreinigten Wasser die Zahl der Arten größer
sein wird, haben keinen Anklang gefunden, da einerseits bei dem Kampf der Arten
nicht nur eine Vermehrung, sondern ebensogut eine Verminderung der Arten durch
Verdrängung weniger gut angepaßter eintreten, andererseits ebenso wie die Zahl der
Keime so auch die Zahl der Spezies ohne erkennbare Gründe großen Schwankungen
unterworfen sein kann.
Ebensowenig wie die Zahl der Arten hat die von anderer Seite vorgeschlagene-Berücksichtigung
der die Gelatine peptonisierenden Bakterienarten für die
Beurteilung des Wassers Wert, da auch zu den harmlosen Wasserbakterien solche
Arten gehören.
Die mikroskopische und biologische Untersuchung berücksichtigt nicht
nur die Bakterien, sondern außer toten Stoffen alle Pflanzen und Tiere im Wasser.
Ihre theoretische Grundlage ist die Tatsache, daß die Flora und Fauna des W T assers
das Ergebnis bestimmter physikalischer, chemischer und meteorologischer Verhältnisse
ist und mit diesen in eigenartiger Weise wechselt.
Für die Beurteilung kommen nur die allgemein verbreiteten, an die Verhältnisse
angepaßten Arten in Betracht.
Die für gewisse Verhältnisse im Wasser kennzeichnenden Lebewesen nennt
man „Leitorganismen“. Sind diese nicht in großer Zahl vorhanden, so lassen
sich doch meist kennzeichnende Lebensgemeinschaften (Biocoenosen) nachweisen, aus
denen der erfahrene Beobachter seine Schlüsse ziehen kann.
Die mikroskopische und biologische Wasseruntersuchung verlangt daher in
erster Linie eine genaue Kenntnis der Arten im Gegensatz zu dem älteren, nur die
Keimzahl berücksichtigenden bakteriologischen Verfahren.
Bei sorgfältiger Ausführung gibt sie sichere Auskunft sowohl über stattgefundene
'Verunreinigungen der Trink- und Gebrauchswässer als auch über etwa
bestehende Verunreinigungsmöglichkeiten.
Im folgenden kann nur das Wichtigste über die Methodik der mikroskopischen
und biologischen Untersuchung der Trinkwässer sowie über ihre Flora und Fauna
nvitgeteilt werden. Für eingehendere Studien sei in erster Linie das grundlegende
Werk von Mez, „Mikroskopische Wasseranalyse“, Berlin 1898, Verlag von J. Springer;
ferner die Abbildungswerke von B. Eyferth, „Die einfachsten Lebensformen“, Braunschweig
1900; von Kirchner und Blochmann, „Die mikroskopische Pflanzen- und
Tierwelt des Süßwassers“, Hamburg 1891 und 1895; ferner die Einzeldarstellungen
v on Zacharias, „Die Tier- und Pflanzenwelt des Süßwassers“, Weber-Leipzig 1891;
•I- Kräpelin, „Die Fauna der Hamburger Wasserleitung“, 1886, Naturw. Verein
Hamburg; Hugo de Vries, „Die Pflanzen und Tiere in den dunklen Räumen der
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 53