Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Trinkwasser.

schieiert  als  klärt.  Prall 1 )  empfiehlt  Gemische  von  Gelatine  und  Agar,  besonders
ein  solches  von  5°/ 0  Gelatine  und  0,75°/ 0  Agar  mit  Fleischextrakt  und  Pepton  Witte.
Nach  unseren  Erfahrungen  leisten  die  einfacher  zusammengesetzten  Gelatinenährböden
gute  Dienste.  In  wichtigen  Fällen  wird  man  mehrere  Nährböden  nebeneinander
verwenden.  Hauptsache  ist,  daß  man  die  Nährböden  selbst  herstellt  und  nicht
fertig  kauft.
Herstellung  der  Zählplatten.  Drei  Gelatineröhrchen  werden  in  Wasser
von  etwa  35°  verflüssigt.  Der  sie  verschließende  Wattestopfen  wird  durch  Drehen
gelockert  und  abgebrannt,  um  etwaige  Luftkeime  zu  vernichten.  Darauf  wird  aus
den  Wasserproben  mittels  einer  in  einem  Stahlblechkasten  durch  längeres  Erhitzen
auf  250°  sterilisierten,  in  1 / 10  ccm  eingeteilten  1  cem-Pipette  eine  kleine  Probe
entnommen  und  nach  Entfernung  des  Wattestopfens  in  das  möglichst  wagerecht
gehaltene  Röhrchen  einlaufen  gelassen.  Die  Menge  des  Wassers  richtet  sich  nach
seinem  Bakteriengehalt.  Bei  sofortiger  Verarbeitung  eines  sehr  reinen  Wassers  wird
man  bis  zu  1  ccm  gehen  dürfen.  Um  auf  jeden  Fall  brauchbare  Platten  zu  erzielen,
impft  man  drei  Röhrchen  mit  1,  0,5  und  0,25  ccm.  Bei  voraussichtlich  verunreinigtem
Wasser  stellt  man  erst  Verdünnungen  mit  sterilisiertem  Leitungswasser  her.
Die  Gelatine  wird  nun  durch  vorsichtiges  Heben  und  Senken  des  Röhrchens
(nicht  durch  Schütteln)  mit  dem  Wasser  völlig  vermischt,  dann  wird  der  Rand
des  Röhrchens  bei  aufgesetztem  Wattepfropfen  abgebrannt  und  dann  die  Gelatine
auf  eine  Glasscheibe  oder  in  eine  sog.  Petri-Schale  ausgegossen.  Im  ersteren  Falle
ist  dazu  ein  besonderer  Plattengießapparat  (Fig.  304,  S.  835)  nötig,  dessen  obere
Schale  mit  Wasser  und  Eisstücken 2 )  gefüllt  wird,  damit  die  darauf  gelegte  Platte
von  mattem  Glase  kalt  gehalten  wird.  Auf  diese  Platte  bringt  man  zuerst  eine
kleine  Wasser  wage,  um  mittels  dieser  den  Apparat  vollständig  wagerecht  zu  stellen.
Sodann  legt  man  auf  die  große  Glasplatte  eine  Platte  für  die  Kultur,  deren  man
mehrere  vorher  in  einem  Kasten  von  Stahlblech  durch  Erhitzen  auf  160—160°
sterilisiert  und  im  Kasten  erkalten  gelassen  hat.
Die  Größe  dieser  Kulturplatten  beträgt  am  besten  85/136  oder  105/130  mm.
Die  Kulturplatte  wird  sofort  mit  dem  zum  Apparate  gehörigen  Glassturze  bedeckt.
Ist  dies  geschehen,  so  nimmt  man  den  teilweise  abgebrannten  Wattepfropf  von  dem
mit  dem  zu  untersuchenden  Wasser  beschickten  Gelatineröhrchen  weg  und  gießt
die  Gelatine  auf  die  Kulturplatte  aus,  verteilt  sie  gleichmäßig  mit  dem  Rande  des
Röhrchens  und  läßt  sie  erstarren.
Mehrere  solcher  Kulturen  werden  in  einer  sog.  feuchten  Kammer  —  zwei  übereinander ­
  greifende  flache  Glasschalen  —  aufbewahrt,  damit  die  Gelatine  nicht  trocken
wird,  zu  welchem  Zwecke  man  auf  den  Boden  der  Glasschale  eine  mit  Quecksilberchlorid-Lösung ­
  (1  :  1000)  angefeuchtete  Scheibe  Filtrierpapier  legt.  Die  Plattenkulturen ­
  selbst  stellt  man,  wenn  mehrere  Kulturen  angesetzt  werden  sollen,  auf
Glasbänken  übereinander.
Verwendet  man  Agar,  so  müssen  die  Röhrchen  zur  Verflüssigung  im  kochenden
Wasserbade  längere  Zeit  erhitzt  werden.  Vor  der  Impfung  mit  dem  zu  untersuchenden ­
  Wasser  muß  man  sie  auf  40°  ahkühlen  lassen  und  dann  schnell  arbeiten,
da  der  Agar  bei  dieser  Temperatur  bald  erstarrt.  Agar  kann  nicht  auf  Platten,
sondern  nur  in  Petri-Schalen  ausgegossen  werden,  da  er  umgekehrt  aufbewahrt  werden ­
  muß,  um  das  aus  ihm  immer  noch  wieder  austretende  Wasser  ahlaufen  zu  lassen.
J )  Arbeiten  aus  ’d.  Kais.  Gesundheitsamte  1902,  18,  436.
2 )  Statt  der  obigen  Vorrichtung  hat  man  jetzt  auch  einen  einfachen  Plattengießapparat ­
  von  Kupferblech,  der  durch  fließendes  Wasser  abgekühlt  wird.
            
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