Mikroskopische und biologische Untersuchung.
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In Oberfläohenwasser ist die Gegenwart von Ammoniak, salpetriger Säure und
Salpetersäure auf ähnliche Vorgänge wie im Grundwasser zurückzuführen, nämlich auf
die Zersetzung stickstoffhaltiger Stoffe durch Mikroorganismen und darauf folgende Oxydation,
und ist sinngemäß zu beurteilen. Wird jedoch das Oberflächenwasser einer Reinigung
durch künstliche Filtration unterzogen, so sind die erwähnten drei ersten Stickstoffverbindungen
von geringem Belang für eine etwaige schädliche Wirkung, da die eigentlich
schädlichen Stoffe, die pathogenen Keime, durch die Filter zurückgehalten werden. Immerhin
aber ist ein solches Wasser kein geeignetes Trinkwasser.
Bei übersandten Proben ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sich salpetrige Säure
durch Eeduktionswirkung gebildet haben kann, wie umgekehrt nachträgliche Oxydationsvorgänge
das Bild verändern können.
5. Die Chlorverbindungen rühren im Wasser zum Teil aus den natürlichen
Bodenschichten her; in diesem Falle sind sie für die Beurteilung nur dann von Belang,
wenn sie in solcher Menge vertreten sind, daß sie den Geschmack des Wassers beeinflussen.
Sie können aber auch aus Abfallstoffen bedenklicher Art herstammen; der menschliche und
tierische Harn, die Abwässer des Haushalts und der Küche sind reich an Chlornatrium.
Besteht letzterer Verdacht, so wird der Chlorgehalt des Wassers in Zusammenhang mit
anderen ermittelten Bestandteilen, welche auf derartige Verunreinigungen deuten, wie
Ammoniak, salpetrige Säure, verhältnismäßig große Mengen von Salpetersäure, zu prüfen
sein; hier werden insbesondere die Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und der
Vergleich des Wassers mit einem bestimmt reinen Wasser gleicher Herkunft die Beweisführung
erleichtern.
6. Die Schwefelsäure tritt zunächst in der Verbindung als Gips auf und gibt
hierdurch Aufschluß über die geologischen Verhältnisse der Bodenschichten; in den Braunkohlen-
und ähnlichen Formationen ist sie oft das Oxydationserzeugnis schwefelhaltiger
Verbindungen. In ersterem Falle beeinflußt sie die bleibende Härte des Wassers und ist
mit dieser zu beurteilen.
7. Die Kohlensäure in festgebuudener Form ist für die hygienische Beurteilung
ohne Belang; von Wichtigkeit ist nur die Ermittelung der freien Kohlensäure, Der
Befund der halbgebundenen Kohlensäure kann als Kontrolle dienen für die Bestimmung
der vorübergehenden Härte, welche letztere dadurch bedingt ist, daß diese Säure aus ihren
Verbindungen mit Kalk und Magnesia als solche bei der Siedehitze entweicht, worauf entsprechende
Mengen dieser Basen als Monokarbonate ausfallen. Die freie Kohlensäure verleiht
dem Wasser einen erfrischenden Geschmack; doch ist ihre Anwesenheit nicht erforderlich,
da diese Eigenschaft auch den Bikarbonaten zukommt; im Gegenteil kann sie dadurch,
daß sie bei gleichzeitiger Anwesenheit von Sauerstoff bleilösend wirkt, nachteilig sein. 1 )
8. Phosphorsäure ist für gewöhnlich in einem Trinkwasser nicht enthalten; ihr
Vorkommen deutet immer auf eine Verunreinigung durch menschliche oder tierische Abgänge
hin und ist daher ein Phosphorsäure enthaltendes Wasser zu beanstanden.
9. Schwefelwasserstoff soll in einem für Genußzwecke bestimmten Wasser nicht
vorhanden sein, höchstens kann man in Einzelfällen bei Tiefbrunnen Spuren unbeanstandet
lassen, wenn dieses Gas im natürlichen Boden durch Reduktion von Sulfaten entstanden ist.
Durch Lüftung ist es dann leicht zu beseitigen.
10. Kieselsäure, Tonerde und Eisen geben Aufschluß über die Art der Bodenschichten,
mit welchen das Wasser in Berührung gestanden hat. Von besonderer Bedeutung
ist nur das Bisen. Wie bereits oben angedeutet wurde, gibt ein geringer Eisengehalt im
Einzelfalle zu einer Beanstandung keine Veranlassung, dagegen hat die Verwendung eines
Wassers, welches sich bei dem Aufbewahren in nicht ganz gefüllter Flasche unter öfterem
Schütteln und Lüften nach 48 Stunden trübt, für Leitungszwecke ihre Bedenken, da in
einem solchen Wasser z. B. Crenothrix polyspora gedeiht und zu Verstopfungen des Rohrnetzes
führen kann (vergl. S. 844).
9 Man sucht die freie Kohlensäure durch Zusatz von Natriumkarbonat oder dadurch
zu beseitigen, daß man das Wasser durch Galoiumkarbonat (Kalksteingrus) filtriert. Andererseits
soll der Luftzutritt in die Leitungsrohre tunlichst verhindert werden.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
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