Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

850

Triukwasser.

Der  Eisengehalt  eines  Wassers  läßt  sich  leicht  durch  Lüftung  und  Filtration
auf  eine  nicht  mehr  in  Betracht  kommende  Menge  verringern.
Mangan  kommt  nur  selten  und  dann  auch  nur  in  sehr  geringen  Mengen  im  Trinkwasser ­
  vor.
Es  wird  demselben  eine  ähnliche  Bedeutung  in  bezug  auf  Wachstumsbeförderung
von  Algen  zugeschrieben,  wie  dem  Eisen.  Im  Einzelfalle  dürfte  das  Vorhandensein  sehr
geringer  Mengen  zu  einer  Beanstandung  keine  Veranlassung  geben.
11.  Die  Beurteilung  eines  Wassers  hinsichtlich  des  Gehaltes  an  Kalk  und  Magnesia
wird  am  einfachsten,  wenn  man  sich  auf  die  berechneten  Härtegrade  stützt.  Bei  gemeinsamen ­
  Wasserversorgungsanlagen  ist  ein  Wasser  von  mittlerer  Härte  einem  solchen  von
hoher  Härte  vorzuziehen.  Gesundheitliche  Bedenken  stehen  der  Verwendung  eines  harten
und  auch  sehr  harten  Wassers  in  der  Hegel  nicht  im  Wege,  wohl  aber  machen  sich  bei
Verwendung  eines  solchen  Übelstände  für  den  Gebrauch  im  Haushalte,  beim  Kochen,
Waschen  usw.  fühlbar.  Es  dürfte  daher  stets  geraten  sein,  auf  das  Eintreten  letzterer
Übelstände  mindestens  aufmerksam  zu  machen,  wenn  sich  die  Gesamthärte,  in  deutschen
Härtegraden  ausgedrückt,  10—15  nähert.
Im  Einzelfalle  dürften  keine  gesundheitlichen  Bedenken  zu  hegen  sein,  auch  Wasser
mit  noch  mehr  als  30  Härtegraden  —  es  sind  sogar  Leitungswässer  mit  über  50  deutschen
Härtegraden  im  Gebrauch  —  zuzulassen,  da  die  Erfahrung  lehrt,  daß  diese  von  den  regelmäßigen ­
  Verbrauchern  gut  vertragen  werden,  wenn  sie  auch  für  die  an  Wasser  anderer
Beschaffenheit  Gewöhnten  nicht  gleich  bekömmlich  sind.
12.  Die  Alkalimetalle  sind  für  die  Beurteilung  von  Wichtigkeit,  wenn  man  ihre
Herkunft  nicht  auf  ein  natürliches  Vorkommen,  sondern  auf  eine  Verunreinigung  zurückauführen
  ist.  So  kann  Natrium  in  seiner  Chlorverbindung  von  menschlichen  und  tierischen
Abfällen  herstammen  und  wird  dann  sinngemäß  mit  dem  Chlor  zu  beurteilen  sein  (vergl.
No.  6).  Ist  die  Gegenwart  von  Kalium  auf  ähnliche  Umstände  zurückzuführen,  so  muß
man  einen  strengeren  Maßstab  anlegeu,  da  bekanntermaßen  dieses  Alkalimetall  vom  Boden
stark  absorbiert  wird  und  demgemäß  sein  Auftreten  im  Wasser  eine  abgeschwächte  Absorptionskraft ­
  des  Bodens  anzeigt.  Für  gewöhnlich  beträgt  der  Kaligehalt  in  reinen
Wässern  nur  wenige  Milligramm,  durch  häusliche  Abgänge  verunreinigte  Wässer  enthalten
dagegen  größere  Mengen  Kali.
13.  Blei  soll  in  einem  für  Genußzwecke  bestimmten  Wasser  nicht  vorhanden  sein.
Bei  der  Verwendung  von  Bleiröhren  für  Hausleitungen  empfiehlt  es  sich,  das  in  den  Köhren
gestandene  Wasser  vor  dem  Gebrauch  durch  Ablaufenlassen  zu  entfernen.
Die  Lösung  von  Blei  erfolgt  vorwiegend  durch  Vermittelung  von  Sauerstoff  und
freier  Kohlensäure;  an  den  Lötstellen  der  Kohre  wird  diese  durch  galvanische  Wirkung
begünstigt.  Auch  alle  an  organischen  Stoffen  reichen  und  gleichzeitig  weichen  Wässer
sind  für  Leitungszwecke  von  vornherein  bedenklich,  weil  sich  in  denselben  leicht  freie
Kohlensäure  neben  Sauerstoff  bilden  kann.  Man  hat  zur  Verhütung  des  Bleiangriffes  vorgeschlagen, ­
  die  Bleirohre  durch  Behandeln  mit  kieselsäurehaltigem  Wasser  mit  einer
Schutzdecke  von  Bleisilikat  oder  durch  Behandeln  mit  Schwefelnatrium  mit  einer  Schutzdecke ­
  von  Schwefelblei  zu  versehen,  aber  ohne  Erfolg;  auch  eine  innere  Verzinnung  der
Bleirohre  oder  die  Anwendung  von  Zinnrohren  mit  Bleimantel  haben  sich  nicht  bewährt.
Am  zweckmäßigsten  würden  Zinn-  oder  Messingrohre  sein,  aber  sie  sind  zu  teuer.  Man
wird  daher  noch  immer  auf  die  Anwendung  von  Bleirohren  für  die  Wasserleitungen  angewiesen ­
  sein  und  vor  allem  auf  die  Beseitigung  der  freien  Kohlensäure  nach  No.  7  Anm.  1
bedacht  sein  müssen.
Geringe  Spuren  von  Zink  und  Kupfer,  wie  solche  bei  der  Verwendung  galvanisierter
Eisenröhren  oder  Kupferröhren  im  Wasser  Vorkommen,  dürften  zu  einer  Beanstandung  keine
Veranlassung  geben.
14.  Die  Menge  des  freien  Sauerstoffes  läßt  insofern  einen  Schluß  auf  die  Reinheit ­
  eines  Wassers  zu,  als  sie  in  dem  Maße  geringer  wird,  in  welchem  oxydationstähige
Stoffe  vorhanden  waren.  Die  Bestimmung  des  freien  Sauerstoffs  ist  ferner  von  Bedeutung
für  die  Möglichkeit  der  Bleilösungsfähigkeit  des  Wassers;  sie  kann  ferner  Aufschluß  geben
über  die  Abnahme  des  Eisengehaltes  des  Grundwassers  in  gewissen  Tiefen  des  Bodens,  bis  zu
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.