Mikroskopische und biologische Untersuchung.
851
54*
welchen der Sauerstoff eindringt und das lösliche Oxydulhydrat zu unlöslichem Oxydhydrat
oxydiert, in welcher Form das Eisen durch die filtrierende Wirkung des Bodens mechanisch
zurückgehalten wird.
B. In mikroskopischer Hinsicht.'
Da ein gutes Trink- und häusliches Gebrauchswasser hell und klar sein soll, so sind
schon aus dem Grunde alle mikroskopisch im Bodensatz erkennbaren Stoffe, besonders
organischer Art, bedenklich, und zwar um so mehr, je reicher die Schwebe- und Sinkstoffe
an den erwähnten pflanzlichen oder tierischen Lebewesen sind.
Im allgemeinen kann angenommen werden:
1. Daß ein Wasser, welches neben Crenothrix und anderen Pilzfäden, sowie neben
Infusorien viel Diatomeen enthält, Zuflüsse von mehr pflanzlichen Zersetzungsherden erhalten
hat; ein solches Wasser ist zwar unrein, aber deswegen noch nicht gesundheitsschädlich
oder -gefährlich.
2. Finden sich aber neben den chemischen Anzeichen der Fäulnis auch die verschiedensten
Pilzfäden, Zoogloeen von Bakterien, Infusorien und Radiolarien aller Art
oder gar körperliche Verunreinigungen, welche durch ihre Herkunft bedenklich sind, wie
Abfallstoffe aus der Küche, dem Haushalt, Reste von Kot u. dergl., so kann ein solches
Wasser in besonderen Fällen direkt gesundheitsschädlich werden und ist dann die Beanstandung
hiermit zu begründen.
Im übrigen sei bezüglich der Beurteilung nach dem mikroskopischen Befunde auf
die Angaben in dem Abschnitt II No. 5 S. 840 verwiesen.
C. In bakteriologischer Hinsicht.
Die gewöhnlich im Wasser vorkommenden Bakterien sind an und für sich nicht gesundheitsschädlich;
ihre Zahl ist aber ein Maßstab für die größere oder geringere Reinheit
eines Wassers, denn jede Verunreinigung, abgesehen von solchen aus manchen industriellen
Betrieben, deren Nachweis leicht chemisch gelingt, bedingt eine Vermehrung der Keime.
Eine große Anzahl von Bakterien deutet also fast immer auf die Möglichkeit
einer Infektion hin. Solche Infektionsmöglichkeit ist aber bei allen Oberflächenwässern,
Bächen, Flüssen, Seen gegeben, namentlich erstens bei solchen stark bewohnter Gegenden
— solche Wässer sollen, wenn sie sonst chemisch rein sind, nur nach genügender Filtration
genossen werden — oder zweitens bei Brunnen, welche gegen das Eindringen von Staub
von oben her nicht genügend geschützt sind, oder drittens durch Zuflüsse stark bakterienhaltiger
Wässer. Oberflächenwässer und Brunnenwässer, welche chemisch gut und nicht
durch faulige Zuflüsse verunreinigt sind, können daher zum Genüsse zulässig gemacht
werden, erstere durch Filtration, letztere durch genügenden Abschluß von oben. Wässer
aber, welche Zuflüsse von Fäulnisherden erhalten, sind vom Genüsse auszuschließen oder
■es müssen, wenn es Wässer aus Brunnen sind, diese gründlich gereinigt und so umgebaut
werden, daß derartige Zuflüsse überhaupt nicht mehr stattfinden können.
Als Anhaltspunkte für die Beurteilung eines Gebrauchswassers auf Grund des bakteriologischen
Befundes können folgende dienen:
1. Ein reines gutes Wasser soll nur wenige Bakterien oder Keime von Mikrophyten
■enthalten.
In einem reinen Grundwasser aus nicht verunreinigten Bodenschichten übersteigt
bei tadelloser Anlage die Anzahl der Keime von Mikrophyten selten 50 für 1 ccm. Ist die
Anlage aber keine völlig vollkommene, so kann die Zahl der Keime bedeutend — auf 100
bis 200 Keime in 1 ccm — anwachsen. Ähnliche Verhältnisse können bei neuen und umgebauten
Anlagen Vorkommen, besonders, wenn erhebliche Erdbewegungen stattgefunden
haben. In anderen Fällen kommen aber, so besonders im Wasser aus dem Schiefergebirge,
mehrere hundert und mehr Mikrophytenkeime in 1 ccm vor, ohne daß diese schädlich sind.
In diesen letzteren Fällen ist jedoch darauf hinzuweisen, daß solche Wässer nicht gleichmäßig
gut filtriert sind, und damit die Möglichkeit einer Infektion nicht unbedingt
ausgeschlossen ist.
2. Schwankt die Anzahl der Bakterien, d. h. ist sie zu gewissen Zeiten höher als
zu anderen Zeiten, so ist das ein Zeichen für zeitweise besondere Verunreinigungen eines