Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

890  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nachweisuug.
Aufnahme  eines  Abwassers  für  den  Genuß  des  Menschen  oder  Tieres  unbrauchbar
machen,  auch  für  gewerbliche  Zwecke  nachteilig  sind.
Ein  trübes,  durch  irgendwelche  Schlammstoffe  oder  durch  Farbstoffe  verunreinigtes ­
  Wasser  ist  z.  B.  nicht  zum  Spülen,  Waschen,  Bleichen  oder  als  Kesselspeisewasser ­
  geeignet.  Abnorme  Mengen  von  Chloriden  (Chlornatrium,  Chlorcalcium,
Chlormagnesium)  oder  von  Sulfaten  verursachen  die  Bildung  von  harten  Seifen
hezw.  von  Kesselstein  oder  eine  Beschädigung  der  Kesselwandungen,  befördern  ein
Kosten  (Oxydation)  von  Maschinenteilen  usw.
Gewisse  gewerbliche  Betriebe  (Zucker-  und  Stärkefabriken,  Brennereien  und
Brauereien,  Färbereien  usw.)  erfordern  gerade  ein  sehr  reines  Wasser.  Ein  höherer
Gehalt  an  Chloriden  beeinträchtigt  z.  B.  die  Zuckerausbeute  aus  Zuckerrüben  und
die  Gärung,  wie  ebenso  ein  durch  organische  Schmutzstoffe  verunreinigtes  Wasser
eine  fehlerhafte  Gärung  verursacht  usw.  (vergl.  S.  597,  647,  706).
4.  Schädlichkeit  für  den  Boden.  Wenn  ein  mit  Abwasser  verunreinigtes
Bach-  hezw.  Flußwasser  zur  Berieselung  benutzt  wird,  so  kann  sich  die  Schädlichkeit ­
  nach  3  Richtungen  geltend  machen:
a)  dadurch,  daß  die  etwa  vorhandenen  Schwebe-  oder  Sehlammstoffe,  wie
Eisenoxydschlamm,  aufgeschlämmter  Ton,  ölige  Stoffe,  organische  Fasern,  Aschenund
  Schlackenmassen,  den  Boden  verschlammen  hezw.  verfilzen  und  dadurch
einerseits  denselben  mit  einer  die  normale  Vegetation  unterdrückenden  Schlammschicht
  bedecken,  andererseits  die  Poren  des  Bodens  verstopfen  und  infolge  Verhinderung ­
  von  Luftzutritt  eine  Versauerung  bewirken;
b)  dadurch,  daß  sie  dem  Boden  an  sich  abnorme  und  giftige  Stoffe  wie
Schwefelverbindungen,  Metalloxyde,  arsenige  Säure,  Ehodanammonium  (Gaswasser)
und  Farbstoffe  usw.  zuführen,  welche  entweder  direkt  schädlich  für  die  Pflanzen
wirken  oder,  wie  die  Schwefelverbindungen,  Farbstoffe  usw.,  die  Oxydationsvorgänge
im  Boden  beeinträchtigen  und  nach  Oxydation  dieser  Verbindungen  schädliche
Stoffe  liefern  (vergl.  S.  81);
c)  dadurch,  daß  sie  im  gelösten  Zustande  wie  freie  Mineralsäuren  oder
Chloride  (Chlornatrium,  Chlorcalcium,  Chlormagnesium)  oder  wie  die  Sulfate  (Ferrosulfat,
  Kupfer-  und  Zinksulfat)  hezw.  die  Nitrate  wichtige  Pflanzennährstoffe  des
Bodens,  wie  Kali,  Kalk,  Magnesia,  auswaschen  und  den  Boden  mit  der  Zeit  hieran
berauben.  Für  die  freien  Mineralsäuren  ist  dieses  an  sich  einleuchtend;  aber  auch
kochsalzhaltiges  Wasser  wirkt  ebenso  wie  chlorcalcium-  und  chlormagnesiumhaltiges
Wasser  (schon  von  0,5—1,0  g  für  1  1  an)  stärker  lösend  auf  die  Pflanzennährstoffe
des  Bodens  als  reines,  destilliertes  Wasser,  und  die  Metallsulfate  wirken  schon  in
geringster  Menge  in  der  Weise  nachteilig,  daß  sie  sich  mit  den  kohlensauren,  humussauren ­
  oder  kieselsauren  Salzen  von  Kalk,  Magnesia  und  Kali  umsetzen,  infolgedessen
die  leicht  löslichen  Sulfate  der  letzteren  mit  dem  Sieker-  oder  Abrieselwasser  fortgeführt ­
  werden,  während  die  Metalloxyde  im  Boden  Zurückbleiben  und  sich  dort  anhäufen.
Die  Chloride  und  sonstige  nichtabsorbierbaren  Salze  wirken  ferner  noch  in
der  Weise  schädlich,  daß  sie  eine  festere  Aneinanderlagerung  des  Tones  bewirken
und  dadurch  den  Boden  dicht  schlämmen,  welche  Eigenschaft  sogar  bis  zur
Ertraglosigkeit  des  Bodens  führen  kann  (vergl.  S.  82).
Um  daher  die  Frage  der  Beschädigung  des  Bodens  durch  ein  mit  Abwässern
verunreinigtes  Bachwasser  zu  beantworten,  muß  man  je  nach  den  obwaltenden
Verhältnissen  nicht  nur  den  betreffenden  Bestandteil  hezw.  das  Salz  selbst  im
Boden  vorfinden,  sondern  auch  die  dichte  Lagerung  oder  den  geringeren  Gehalt
an  Kalk,  Magnesia  und  Kali  usw.  gegenüber  dem  in  der  Nähe  befindlichen  Boden
            
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