Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Konsistente  Schmierfette.

955

1.  Bestimmung  der  freien  Säure.  5—10  g  Fett  werden  in  etwa  50  ccm
eines  neutralisierten  Gemisches  von  90  Volumprozent  Benzin  (spezifisches  Gewicht  0,70)
und  10  Volumprozent  absolutem  Alkohol  kurze  Zeit  am  Rückflußkühler  erhitzt.
Nicht  künstlich  beschwerte  Fette  lösen  sich  ganz  oder  fast  vollkommen  auf.  Ungelöstes ­
  wird  warm  abfiltriert  und  ausgewaschen.  Man  setzt  darauf  zur  Lösung
30  ccm  neutralisierten  50  %-igen  (nicht  stärkeren!)  Alkohol  hinzu  und  titriert  unter
häufigem  Durchschütteln  und  mehrfachem  Erwärmen  mit  1 / 10  N.-Natronlauge  bei
Gegenwart  von  Phenolphthalein,  bis  die  untere  alkoholische  Schicht  rosa  gefärbt
bleibt.  Die  beiden  Schichten  trennen  sich  in  der  Wärme  sehr  leicht.  Die  Berechnung ­
  des  Säuregehaltes  erfolgt  in  der  Kegel  auf  Schwefelsäure  (vergl.  oben  S.  948).
Die  Prüfung  auf  freie  Mineralsäuren  erfolgt  in  der  oben  (S.  948)  angegebenen ­
  Weise.
2.  Bestimmung  des  Gehaltes  an  Seife.  Die  gesamte  nach  1  erhaltene  Flüssigkeit ­
  wird  zur  Zersetzung  der  Seife  heiß  mit  überschüssiger  verdünnter  Salzsäure
durchgeschüttelt.  Die  salzsaure  Schicht  wird  abgegossen  und  nach  dem  Auswaschen
der  Mineralsäure  wird  die  Benzinlosung  unter  Zusatz  von  20  ccm  absolutem  Alkohol
und  Phenolphthalein  titriert.  Die  so  ermittelte  Säurezahl,  abzüglich  der  nach  1  gefundenen ­
  Menge  vorhandener  freier  Säure,  stellt  die  in  Form  von  Seife  vorhandene
Säure  dar,  die  meist  als  Kalkseife  vorhanden  ist.
3.  Bestimmung  des  nnverseifteu  und  unverseifbaren  Fettes.  Aus  der  nach  2
von  Seifen  befreiten  Benzinlösung  wird  das  Benzin  abdestilliert.  Der  Rückstand
besteht  aus  Neutralfett  und  unverseifbaren  Stoffen  (Mineralöl,  Harzöl  usw.),.  Diese
beiden  Bestandteile  können  nach  dem  oben  S.  953  angegebenen  Verfahren  von
Honig  und  Spitz  getrennt  ermittelt  und  durch  eine  weitere  Untersuchung  nach
S.  963  (unten)  kann  ihre  Natur  festgestellt  werden.
4.  Bestimmung  des  Wassers.  Diese  erfolgt  nach  Marcusson  am  besten  in
der  Weise,  daß  eine  größere  Probe  des  Fettes  (etwa  60—100  g)  unter  Vorlegung
eines  graduierten,  unten  eng  ausgezogenen  Rohres  im  Ölbade  mit  Toluol  unter  Zugabe ­
  von  Bimssteinstückchen  destilliert  wird,  bis  kein  W T asser  mehr  übergeht.  Die
Menge  des  Wassers  kann  direkt  an  der  Graduierung  der  Röhre  abgelesen  werden.
5.  Prüfung  auf  freien  Kalk.  Geringe  Mengen  von  freiem  Kalk  finden  sich,
von  der  Fabrikation  herrührend,  in  vielen  konsistenten  Fetten.  Qualitativ  prüft
man  auf  seine  Gegenwart  durch  Kochen  des  Fettes  mit  Phenolphthalein  enthaltendem,
neutralem  80  °/ 0 -igem  Alkohol.  Auftretende  Rotfärbung  rührt  in  der  Regel  von
freiem  Ätzkalk  her.  Die  quantitative  Bestimmung  erfolgt  in  folgender  Weise:
10  g  Fett  werden  mit  50  ccm  Benzol  und  6  ccm  Alkohol  1 / 4  Stunde  am  Rückflußkühler
  erwärmt;  das  Ungelöste  wird  abfiltriert  und  mit  heißem  Benzol-Alkohol
völlig  ausgewaschen.  In  dem  fett-  und  seifenfreien  Rückstände  wird  der  Ätzkalk
in  bekannter  Weise  bestimmt.
In  diesem  Rückstände  finden  sich  auch  die  etwa  vorhandenen  organischen
Besohwerungsmittel  (Stärke,  Ruß  usw.).
0.  Bestimmung  der  Miueralstolfe  und  anorganischen  Füllmittel.  Die  Wagenfette ­
  enthalten  vielfach  fremde  Mineralstoffe  wie  Ton,  Calciumkarbonat,  Ätzkalk,
Gips,  Schwerspat  usw.  (bis  zu  30  °/ 0  und  mehr)  beigemengt.  Ihre  Menge  und  Art
wird  durch  Veraschung  nach  S.  950  und  Untersuchung  der  Asche  S.  200  ermittelt.
            
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