Object: Die Heimarbeit im Kriege

94 
lein und vor allem Rohstoffen für die Korbmacherei zu versorgen. 
Diese letzieren hatten die Heimarbeiter bisher allen Truckverboten 
zum Trotz zu sehr hohen Preisen von ihren Arbeitgebern oder deren 
Agenten kaufen müssen, und die sich daraus ergebende Abhängigkeit 
wurde von den Korbmachern stark empfunden. Wenn die Selbst 
hilfe an diesem Punkt, der das Arbeitsverhältnis berührte, einsetzte, 
mußte man sich von vornherein auf schwere Kämpfe gefaßt machen, 
und diese blieben nicht aus. Mehrere Arbeitgeber sperrten den 
Arbeitern, die dem Konsumverein angehörten, die Arbeit. In der 
Not des Augenblicks wuchs der Beschluß, den Msatz gemeinsam in 
die Hand zu nehmen. Der Zufall kam diesem Unternehmen zu 
Hilfe. Die Ware, die in Schneh hauptsächlich hergestellt wurde, ein 
und zweidecklige Marktkörbe, sind ein in Arbeiterkreisen gut gang 
barer Artikel, und so konnte sich die Genossenschaft an das Solidari 
tätsgefühl der Arbeiterschaft mit der Bitte wenden, sie durch Ab 
nahme ihrer Erzeugnisse zu unterstützen. Es erging ein Aufüns 
durch die Arbeiterpresse; die Konsumvereine übernahmen den Absatz, 
und nach kurzer Zeit waren genügend Aufträge nicht nur für die 
Gemaßregelten, sondern auch für einen größeren Kreis von Mitglie 
dern vorhanden. Damit hatte der Verein seine schlimmsten Zeiten 
überstanden; der Widerstand der Händler legte sich, und eine ruhige 
Entwicklung konnte Platz greisen. Die Mitgliederzahl stteg nun 
von 141 (davon 67 Korbmacher) im Jahre 1900 auf über 600 im 
Jahre 1917; nicht minder erfreulich war die Entwicklung des Um 
satzes und der Kassenverhältnisse. 
Um das nötige Betriebskapital aufzubringen, hatte die junge 
Genossenschaft zu einem Mittel gegriffen, das sie nur im Vertrauen 
auf ein starkes und zuverlässiges Solidaritätsgefühl ivagen konnten 
die Arbeiter wurden durch persönliche Besuche aufgefordert, alle 
zurzeit versiigbaren Gelder zu zeichnen; damit wurden innerhalb acht 
Tagen 6000 M. zusammengebracht. Allerdings lag die Gefahr nahe, 
daß die Gelder plötzlich zurückgezogen und die Genossenschaft dadurch 
in eine schwierige Lage gebracht wurde. Doch geschah nichts der 
gleichen und dank einer guten Geschäftsgebahvung, die von vornher 
ein bestrebt war, größere Mittel fiir die Erweiterung ldes Betriebes
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.