Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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kaufungen  in  Hessen  angelegt x ),  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  werden
schon  eine  ganze  Anzahl  deutscher  Alaungruben  genannt,  so  in  Hessen,
bei  Torgau,  Reichenbach  im  Vogtlande,  im  Brandenburgischen  bei  Freienwalde, ­
  in  der  Lausitz  bei  Muskau,  an  den  Olmützschen  Grenzen  u.  a. 2 ),
und  nach  Schlözers  Staatsanzeiger  3  *  *  6 )  erscheinen  im  Handel  von  Stettin  für
die  Jahre  1783  1784  1785
Alaunexporte  von  315  542  575  Tonnen:
Deutschland  hatte  begonnen,  Alaun  zu  exportieren.  Ob  das  Eingreifen ­
  des  Staates  eine  wesentliche  Mitwirkung  an  dieser  Steigerung
der  Alaunproduktion  geübt  hatte,  welche  jetzt  nicht  nur  den  inländischen
Bedarf  befriedigte,  sondern  auch  noch  nach  auswärts  lieferte,  entzieht
sich  unserer  Kenntnis;  denn  selbst,  wenn  Jung  1794  *)  de  lege  ferenda
auf  die  Durchsuchung  des  Bodens  nach  Alaunvorkommen,  auf  die  zweckmäßige ­
  Einrichtung  der  Alaunsiedereien  und  auf  möglichste  Reinheit
des  Produktes  hinweist,  haben  wir  das  wohl  mehr  als  Ausfluß  seines
kameralistisch-theoretischen  Systems  als  eine  wirkliche  Strömung  der
gesetzgeberischen  Ideen  zu  betrachten.  Der  Alaunhandel  Europas  nahm
um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts  immer  mehr  einen  internationalen
Charakter  an,  um  so  mehr,  als  durch  die  kriegerischen  Vorgänge  und
die  wirtschaftlichen  Ideen  jener  Zeit  die  engen  merkantilistischen  Schranken
fielen,  und  der  neue  freiere  Geist  des  19.  Jahrhunderts  wie  ein  frischer
Wind  aus  der  nahen  Zukunft  wehte.  So  tritt  z.  B.  auf  dem  Nürnberger ­
  Markt  um  diese  Zeit  Lütticher  Alaun  °)  in  großen  Mengen  auf,
letzterer  wahrscheinlich  nicht  belgischer  Provenienz,  sondern  Lütticher
Handelsartikel  und  vielleicht  englischer  Herkunft.  Freilich  haben  wir
diesen  Lütticher  Alaun  in  Nürnberg  auch  aufzufassen  als  einen  speziellen
Ausdruck  des  allgemeinen  Überflutens  der  deutschen  Lande  mit  ausländischen ­
  Erzeugnissen.  Vorübergehend  schloß  die  Kontinentalsperre
noch  die  Konkurrenz  fremden  Alauns  aus  °),  aber  dann  begann  englischer ­
  und  schwedischer  Alaun  7 )  den  deutschen  Markt  zu  beherrschen,
die  deutsche  Alaunfabrikation  ging  zurück,  sie  lohnte  unter  dem  Druck
der  internationalen  Konkurrenz  nicht  mehr  so  wie  in  früheren  Jahren,
zahlreiche  Alaunwerke  gingen  ein,  und  Dieterici  macht  1838  in  seiner
Statistischen  Übersicht  über  die  wichtigsten  Gegenstände  Preußens  und
des  deutschen  Zollvereins  außer  Preußen  eigentlich  nur  noch  Schlesien  8 )
und  die  Provinz  Sachsens  sowie  Thüringen")  als  Alaunfabrikanten
namhaft.  Dieser  Zustand  mag  es  erklärlich  machen,  warum  der  Zolly
  Busch  1795;  Beckmann  1784,  Bd.  II,  S.  140.
2 )  Krünitz  1782,  Bd.  I,  S.  475—476.  3 )  Schlözer  1785,  Bd.  VIII,  S.  442.
Jung  1794,  S.  24.  »)  Roth  1800,  Bd.  II,  S.  155,  284.
6 )  Gültch  1830,  Bd.  IV,  S.  544.  h  Ebenda.  8 )  Dieterici  1838,  S.  17.
»)  Dieterici  1838,  S.  20.  10 )  Dieterici  1838,  S.  70.
            
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