Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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der Rinde oder Blätter einer Weidenart v ), und das gleiche Material 
wandte man später für Bautzener Leders für Saffian und Corduan 
sowie für dänisches Leders an, weil nämlich bei diesem Gerbstoff das 
Leder ebenfalls eine Helle Farbe behält, so daß sich trotz des Gerbend 
lebhafte Farben auf diesem Leder erzeugen lassen. Wir haben das 
Gleiche bereits von Sumach gehört, auch Galläpfel enthalten wenig 
Farbstoff, und aus diesen Eigenschaften leitet Hermstädt treffend für 
die solcher Gerbstoffe sich bedienende Gerberei den Namen Weißloh 
gerberei her^). Wir werden sehen, daß tatsächlich diese Verhältnisse 
schon in früherer Zeit Veranlassung zu einer eigentümlichen Ver 
wechslung gegeben haben. 
Gelegentlich werden auch Birke oder Tannes erwähnt, und die 
Verwendung der Tannenlohe soll sogar etymologisch mit tannerie *) 
zusammenhängen. 
Alle diese Gerbstoffe sind im Lause der Zeit in den Gebrauch des 
Menschen eingetreten, ohne daß sich für irgendeinen derselben das Datum 
seiner ersten Verwendung angeben ließe. 
Das Gleiche gilt für die Eichenlohe. Sie scheint hauptsächlich der 
Gerbstoff der westlichen Völker gewesen zu sein, wenn auch gelegent 
lich von den Japanern aus der Periode vor 1868 die Verwendung 
von Eichenrinde behauptet wird ^). Schon Gfrörer macht 8 ) die Existenz, 
von Eichenschälwaldungen im Aachen-Malmedyer Bezirk zur Zeit Karls 
des Großen wahrscheinlich, und einige Jahrhunderte später spielt Lohe 
in der Waldindustrie des Mosellandes eine bedeutende Rolle 8 ). Aus 
dem merkantilistischen Frankreich haben wir genaue Beschreibungen") 
über die Schälwaldkultur, weil eben dieser Gerbstoff in der mittelalterlichen 
Gerberei wohl die allergrößte Rolle gespielt hat. So weit unsere 
Kenntnis reicht, haben während des ganzen Altertums bis zum aus 
gehenden Mittelalter die vegetabilischen Gerbstoffe niemals eine besonders 
wichtige Rolle gespielt, es gab Wälder genug, um den Bedarf zu decken, 
und auch die Zahl und Art der vegetabilischen Gerbstoffe hat sich nicht 
wesentlich geändert. 
Die verschiedenen Bestimmungen, welche das Mittelalter in betreff 
der Eichenwaldungen, des Abschälens der geschlagenen Bäume, dann 
über genügende und gleichmäßige Lohzufuhr getroffen hatte, müssen wir 
übergehen. Solche Bestimmungen spielen in allen Handwerksartikeln 
und allen Handwerksakten der Rotgerber eine sehr große Rolle. 
y Pallas 1783, Bd. IV, S. 357. * 2 ) Beckmann 1796, S. 292. 
3 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 174. 4 ) Ebenda. 
°) Halle 1764, Bd. III, S. 41. «) Schauplatz 1766, Bd. V, S. 321. 
2 ) Deutsche Gerberzeitung 1880, Nr. 35. 3 ) Gsrörer 1866, Bd. II, S. 306. 
') Lamprecht 1886, Bd. II, S. 326. 10 ) Schauplatz 1766, Bd. Y, S. 341.
	        
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