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lassen sich natürlich die gleichen Betrachtungen anstellen, wie oben für das
Eigelb, aber diese haben bisher nicht einmal zu brauchbaren Versuchen
geführt, an Stelle des Mehles eine nicht in die Reihe der Nahrungsmittel
gehörige Substanz einzuführen. Die Versuche, eine Ersparnis zu
bewirken, bewegen sich nur in zwei Richtungen. Man sucht nämlich
erstens zu sparen an der Qualität, und das durch Vermischung mit
Bohnenmehl. Denn dadurch sinkt nicht nur der Preis des verarbeiteten
Mehles, sondern unter Umständen kann die auf Mischfrucht liegende
städtische Abgabe gegenüber der Abgabe auf reinem Weizenmehl soviel
geringer sein, daß sich für größere Fabriken aus diesem Unterschiede
eine Jahresmehrausgabe von mehreren 100 Mark berechnet. Versuche
zur Verwendung von Mischfrucht in der Gerberei haben jedoch zu dem
Resultat geführt, daß nur die allerfeinste und teuerste Sorte Weizenmehl
vor allen Dingen für Glaceleder, dann aber auch für Kidleder
befriedigende Resultate liefert.
Daher sucht man zweitens zu sparen an Quantität. Allein die
weiße Farbe des Leders, sein milder, voller Griff werden nur durch
genügende Mengen von Weizenmehl erzeugt, vor allen Dingen aber ist
eine genügende Menge Weizenmehl — mindestens 6 Pfund Mehl auf
1 Pfund Alaun — erforderlich, um den nach der Gerbung aus dem
Leder ausschlagenden Alaun aufzunehmen und unschädlich zu machen.
Weniger ökonomische als sanitäre Gesichtspunkte sind maßgebend
bei Versuchen, welche gerichtet sind auf Ersatz von dem ausschließlich in
der Feinledergerberei als Beize verwandten
8 9. Hundekot.
Auf die Theorie der Beizen werden wir an anderer Stelle kurz
zu sprechen kommen. Eine Klasse der Beizen faßt man zusammen
unter dem Namen Mistbeizen, und von diesen wieder ist die wichtigste
neben Urin und Vogelmist der Hundekot. Die Anwendung der Mistbeizen
ist sehr alt und stammt aus dem Orient. Aus der Zeit Christi
sind schon Hundekotsammler Z beglaubigt, und die Hunde von Konstantinopel,
wie überhaupt in manchen orientalischen Gegenden sind fast
bis zum heutigen Tage berüchtigt.
Die Verwendung derartiger Stoffe in einem Gewerbe, noch dazu
in einem gärenden, faulenden Zustande, macht solche Verrichtungen
natürlich zu ekelhaften, widerlichen, und es ist selbstverständlich, daß
man schon immer, besonders aber heute vom hygienischen Standpunkt
aus, solchen Verhältnissen zu Leibe geht. Schon 1735, als eine Pest
auf der Insel Cypern wütete, machte man die Hunde für deren Ver-0
Delitzsch 1868, S. 39.