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zum rohen Ei auf einer mäßigen Höhe gehalten, so ist eben doch,
wie bereits bemerkt, das Eigelb das teuerste Rohmaterial der Feinledergerberei
— auch die modernen feinen Chromglacekombinationen
verwenden es in ausgiebigem Maße —, auf welchem außerdem noch der
Schatten liegt, daß durch den Luxus des feinen Leders eines der wertvollsten
menschlichen Nahrungsmittel in ungeheuren Mengen dem
Markte entzogen und durch die große Nachfrage der an und für sich
schon hohe und stets steigende Preis noch mehr getrieben wird. Eine
einzige Fabrik in Paris mit einer jährlichen Leistungsfähigkeit von
1 Million Fellen in der Gerberei und 800000 Fellen in der Färberei
hat einen jährlichen Eidotterkonsum von 20000 kg gleich l 1 ^ Millionen
©er 1 ), und Abschlüsse auf 10000 kg Eidotters sind heute keine
Seltenheit.
Unter solchen Verhältnissen mußte natürlich das Streben aller hier
irgendwie beteiligten Kreise daraus gerichtet sein, sür das teure und
wertvolle Eigelb einen Ersatz zu finden. Voraussetzung dahin zielender
Versuche war die Erkenntnis, daß die wirksame Substanz des Eigelbs
in den im Nebendotter vorhandenen Öltröpfchen vorliegt, so daß sich
also dadurch die Glacegerberei als zur Gruppe der Alaun-Fettkombinationsgerbungen
gehörig charakterisiert. Schon Knapp glaubte, dieses
Öl durch Niederschläge aus Blut, Urin, dann durch Metallstearinseifen 2 )
ersetzen zu können, man hat weiterhin vorgeschlagen Olivenöle, Mandelöle
in Emulsion mit Weizenmehl und Gummi, Parasfinöl, merkwürdigerweise
sogar Kalbsgehirn 3 ), auch Seifenlösungen Z, dann Spezialartikel,
wie Eitnerin u. a., aber alle diese Substanzen haben nicht vermocht,
das Eidotter aus der wirklichen Qualitätsware zu verdrängen; sie haben
lediglich die Bedeutung, daß sie neben Eidotter hauptsächlich zu farbigen
Feinledern Verwendung finden.
Nächst dem Eigelb das teuerste Material für die Zwecke der Weißgerberei
(Glacegerberei) ist das
8 8. Mehl?)
Glace- und Kidlederfabriken mit einem Mehlverbrauch von
1 Zentner pro Tag sind keine Seltenheit, und wenn der Zentner Mehl
auf 15 Mark berechnet wird, so bedeutet das bei 300 Arbeitstagen eine
Mehrausgabe von 4500 Mark. Für das Mehl als Nahrungsmittel
0 Berliner Berichte 1898, Nr. 41, 2. Beilage.
2 ) Berliner Berichte 1898, (Nr. 41, 3, Beilage; Knapp 1897, S. 164—165;
Knapp 1892, S. V—VII.
s ) Jörissen 1909, S. 92; Berliner Berichte 1898, Nr. 41, 3. Beilage.
4 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 191.
6 ) Vgl. Gerber 1893, S. 257 und 270; Schönmanns Journal 1896, Nr. 10.