Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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sucht  werden;  jedenfalls  aber  können  wir  uns  sehr  wohl  denken,  daß
die  „fußstampfe"  sich  ixn  Prinzip  mit  der  Abbildung  Nr.  2  deckt,  und
auch  die  in  eine  „walkmühl  den  lodern"  umgewandelte  „reismühlen"
ist  ohne  Zweifel  eine  solche  Stampfe  gewesen,  da  Tuch  nicht  gemahlen,
sondern  mit  Walkstempeln  gewalkt  wird;  es  bestand  wahrscheinlich  die
ganze  Umänderung  darin,  daß  das  untere  Ende  des  Walkstempels  für
Tuch  eingerichtet  wurde.
Aus  der  Abbildung  Nr.  2  ist  klar  ersichtlich,  daß  auch  alle  Wasserhämmer, ­
  deren  es  allerdings  heute  nur  noch  wenige  gibt,  diesem  Typ
entsprechen,  und  in  Burgbernheim,  in  der  jetzt  freilich  verödeten  Werkstatt ­
  des  Weißgerbers,  habe  ich  noch  die  Teile  einer  alten  Handwalke
gesehen,  deren  gleicharmiger  (also  etwa  analog  Abbildung  Nr.  2)  Hebel
eine  Länge  von  3  Metern  besaß;  der  eichene  Walkstempel  und  der
eichene  Walktrog  waren  speziell  für  die  Walkzwecke  des  Gerbers  eingerichtet, ­
  d.  h.  der  Walkstempel  besaß  an  seinem  unteren  Ende  eine
Zahnung  etwa  wie  es  Abbildxxng  3  zeigt.  Nach  der  Erzählung  des
Weißgerbers  wurde  die  Walke  mit  der  Hand  betrieben  in  der  Weise,
daß  das  hintere  Ende  des  gleicharmigen  Hebels  von  zwei  Personen  auf
und  ab  bewegt  wurde.  Er  hatte  die  Walke  von  seinem  Vater  übernommen. ­

Die  bisher  besprochenen  Formen  der  Walke  wurden  durch
Menschenkrast  mit  der  Hand  oder  mit  dem  Fuße  bewegt;  Tarajanz
erzählt  für  Bulgarien  die  Form  des  Betriebes  in  der  folgenden  Weise:
„Der  Meister  (Besitzer  des  Tings)  stellt  sich  auf  den  horizontalen  Balken
dicht  bei  dem  Anhaltspunkte.  Einen  Fuß  hat  er  immer  auf  dem  Anhaltspunkte, ­
  den  andern  aber  bald  auf  einer,  bald  auf  der  anderen
Seite,  je  nachdem  der  Hebel  sich  heben  oder  senken  muß.  Der  Meister
zeigt  dabei  eine  große  Gewandheit,  indem  er  mit  einer  bewundernswerten
Schnelligkeit  im  Takt  sich  um  den  Stützpunkt  dreht"  *).
Eine  weitere  Form  der  Entwicklung  ist  der  Betrieb  durch  Wasserkraft. ­
  In  Arxnenien  wird  bei  der  Wasserstampfmühle  „durch  die  Schwere
des  Wassers  der  Hintere  Teil  des  Balkens  herabgedrückt *  2 },"  während
Jwantschoff  die  Walkmühlen  der  mohamedanischen  Bulgaren  der  Landschaft ­
  Gepino  in  der  Nähe  des  Rhodope  xxnd  bei  Trojan  in  der  Nähe
des  Balkaugebirges  folgendermaßen  beschreibt  „Über  einem  vom  Bach
abgeleiteten  Mühlgraben  steht  unter  freiem  Himmel  ohne  Haus  und
Dach  ein  hoher  zweiarmiger  Hebel,  an  den  sich  auf  der  flußwärts  gelegenen ­
  Seite  eine  im  Wasser  gelegene  Welle  anschließt.  Die  Schaufeln
der  Welle  heben  den  oberen  Hebelarm,  wodurch  der  untere  Arm  stoßweise ­
  herabgeht" 3 ).
*)  Tarajanz  1897,  S.  40.
2 )  Gogitschayschwili  1891,  S.  77.  3 )  Jwantschoff  1896,  S.  55.
            
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