Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Stampfwerken,  „Pochwerken",  wie  sie  z.  B.  Sebastian  Münster  für
den  Bergwerksbetrieb  schon  des  16.  Jahrhunderts  uns  im  Bilde  aufbewahrt ­
  hat,  ist  nur  ein  Schritt:  Durch  Wegfall  des  Hammerstiels
erlangt  der  auf  und  niedergehende  Stempel  eine  neue  Führung,  welche
meist  in  der  in  Abbildung  Nr.  4  skizzierten  Form  hergestellt  wird.
Solche  Pochwerke,  Stampfen  sind  es,  welche
mir  in  den  Lohmühlen  des  18.  und  19.  Jahrhunderts ­
  zum  Zerkleinern  der  Lohe  noch  in
Verwendung  finden.  Es  ist  selbstverständlich, ­
  daß  beides,  der  Stempel  ohne  Stielführung
  (Abbildung  Nr.  4),  und  der  altertümliche ­
  Hammer  mit  Stielführung  (Abbildung ­
  Nr.  3)  von  der  gleichen  Welle  aus
getrieben  werden  können.  Die  Entwicklung
zeigt  uns  also,  daß  die  uralte  Form  der
stoßenden  Keule  durch  räumlich  und  zeitlich
so  weit  auseinander  liegende  Formen  des  ^  4,
Gewerbes  sich  verfolgen  läßt;  geändert  hat
sich  am  Prinzipe  nichts,  nur  in  zwei  Punkten  tritt  eine  Modifikation  ein.
nämlich
1.  in  der  vergleichend  und  entwicklungsgeschichtlich  verfolgbaren
und  so  verständlich  werdenden  Art  der  Einfügung  in  eine  einfache
technische  Vorrichtung:  ein  ursprünglich  zweiarmiger  Hebel  (Hammer
im  Stuhl)  geht  in  einen  einarmigen  über  (Stampfmühle),  bis  schließlich
die  Führung  durch  den  Hammerstiel  durch  eine  andere  Führung  ersetzt
wird  (Pochwerk),  was  zur  Folge  hat,  daß  die  eine  Zeit  lange  hammerartige ­
  Natur  des  Werkzeuges  nicht  mehr  erkennbar  ist.
2.  in  der  ebenfalls  vergleichend  und  entwicklungsgeschichtlich  versolgbaren
  verschiedenen  Art  des  Betriebes:  der  ursprünglich  durch
Menschenkraft  betätigte  Betrieb  der  „Handstampfe"  wird  auch  beim
„Hammer  im  Stuhl"  noch  durch  Hand  oder  Fuß  betätigt;  bei  der  Einführung ­
  der  Wasserkraft  wirkt  diese  ursprünglich  durch  die  Schwere  des
Wassers  am  zweiarmigen  Hebel;  es  folgt  die  Einführung  der  rotierenden ­
  Welle  zunächst  am  rückwärtigen  Ende  des  zweiarmigen  Hebels,  bis
schließlich  die  Welle  auf  die  Seite  des  Stempels  selbst  verlegt  wird
(Stampfmühle);  erst  die  letztere  Änderung  ermöglicht  die  völlige  Beseitigung ­
  des  Hebelcharakters  (Pochwerk),  welcher  also  die  Durchgangsphase ­
  bei  der  Einführung  der  Wasserkraft  zum  Betrieb  an  Stelle  der
menschlichen  Muskelkraft  darstellt.
Ist  es  uns  so  gelungen,  die  technische  Entwicklung  zu  verfolgen
und  das  Vorhandensein  ihrer  verschiedenen  Phasen  festzustellen,  so  erwächst ­
  nunmehr  für  uns  die  Aufgabe,  die  Einfügung  dieser  Vorrichtung
Ebert,  Entwicklung  der  Weißgerberei.  10
            
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