145
Stampfwerken, „Pochwerken", wie sie z. B. Sebastian Münster für
den Bergwerksbetrieb schon des 16. Jahrhunderts uns im Bilde aufbewahrt
hat, ist nur ein Schritt: Durch Wegfall des Hammerstiels
erlangt der auf und niedergehende Stempel eine neue Führung, welche
meist in der in Abbildung Nr. 4 skizzierten Form hergestellt wird.
Solche Pochwerke, Stampfen sind es, welche
mir in den Lohmühlen des 18. und 19. Jahrhunderts
zum Zerkleinern der Lohe noch in
Verwendung finden. Es ist selbstverständlich,
daß beides, der Stempel ohne Stielführung
(Abbildung Nr. 4), und der altertümliche
Hammer mit Stielführung (Abbildung
Nr. 3) von der gleichen Welle aus
getrieben werden können. Die Entwicklung
zeigt uns also, daß die uralte Form der
stoßenden Keule durch räumlich und zeitlich
so weit auseinander liegende Formen des ^ 4,
Gewerbes sich verfolgen läßt; geändert hat
sich am Prinzipe nichts, nur in zwei Punkten tritt eine Modifikation ein.
nämlich
1. in der vergleichend und entwicklungsgeschichtlich verfolgbaren
und so verständlich werdenden Art der Einfügung in eine einfache
technische Vorrichtung: ein ursprünglich zweiarmiger Hebel (Hammer
im Stuhl) geht in einen einarmigen über (Stampfmühle), bis schließlich
die Führung durch den Hammerstiel durch eine andere Führung ersetzt
wird (Pochwerk), was zur Folge hat, daß die eine Zeit lange hammerartige
Natur des Werkzeuges nicht mehr erkennbar ist.
2. in der ebenfalls vergleichend und entwicklungsgeschichtlich versolgbaren
verschiedenen Art des Betriebes: der ursprünglich durch
Menschenkraft betätigte Betrieb der „Handstampfe" wird auch beim
„Hammer im Stuhl" noch durch Hand oder Fuß betätigt; bei der Einführung
der Wasserkraft wirkt diese ursprünglich durch die Schwere des
Wassers am zweiarmigen Hebel; es folgt die Einführung der rotierenden
Welle zunächst am rückwärtigen Ende des zweiarmigen Hebels, bis
schließlich die Welle auf die Seite des Stempels selbst verlegt wird
(Stampfmühle); erst die letztere Änderung ermöglicht die völlige Beseitigung
des Hebelcharakters (Pochwerk), welcher also die Durchgangsphase
bei der Einführung der Wasserkraft zum Betrieb an Stelle der
menschlichen Muskelkraft darstellt.
Ist es uns so gelungen, die technische Entwicklung zu verfolgen
und das Vorhandensein ihrer verschiedenen Phasen festzustellen, so erwächst
nunmehr für uns die Aufgabe, die Einfügung dieser Vorrichtung
Ebert, Entwicklung der Weißgerberei. 10