Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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28  von  40  stammen  aus  Franken  —  das  Bild  ist  nicht  wesentlich  verschieden ­
  von  dem,  welches  Bücher  für  das  Jahr  1387  bei  den  Frankfurter ­
  Gesellen  berechnet  hat;  wir  sehen,  es  sind  eng  umschriebene
Wirtschaftskreise  mit  geringer  Bewegung  ihrer  Glieder  nach  auswärts.
Das  Gebot  der  Wanderschaft,  welches  ja  an  und  für  sich  vor  der  Mitte
des  15.  Jahrhunderts  nicht  zu  erweisen  ist  *),  hat  in  all  den  besprochenen
Fällen  sicherlich  noch  nicht  die  Wirkung  geübt,  welche  man  im  allgemeinen ­
  der  Wanderschaft  zuzuschreiben  geneigt  ist,  nämlich  die  Erlernung
der  Kunst  und  der  Methoden  fremder  Meister.
Nach  und  nach  mögen  sich  dann  die  Kreise  geweitet  haben,  um  die
Wende  des  17.  Jahrhunderts  wandert  ein  Teil  der  Weißgerber  in
Ungarn,  Böhmen,  Österreich  und  Schweden,  ein  anderer  in  Dänemark,
Brandenburg,  Sachsen,  Lüneburg,  Pommern,  Preußen  und  in  der
Schweiz^).  Eine  Statistik  freilich  aus  dieser  Zeit  ist  nicht  vorhanden,
und  es  ist  fraglich,  ob  das  Ausland  so  ausgenützt  wurde,  wie  es  nach
dieser  Aufzählung  scheint.  Weigel  erzählt  1698  von  den  Gerbern:  „In
Augsburg,  Niedersachsen  und  den  See-Städten  wird  das  Geschenk  gehalten, ­
  wie  es  bei  den  anderen  Handwerkern  üblich  und  in  Gebrauch
ist.  Sonst  aber  reisen  die  deutschen  Gesellen  gemeiniglich  auf  Bremen,
Hamburg,  Lübeck,  Rostock,  Danzig,  Elbingen,  Königsberg  und  angrenzende
Örter,  allwo  sie  allenthalben  passierlich.  Gemeiniglich  besuchen  sie  auch
Schweden,  Dänemark  und  Holland,  allwo  man  allenthalben  die  deutschen
Gesellen  gar  gerne  befördert.  Wann  sie  aber  wieder  zurückekommen
und  haben  in  besagten  Orten  gearbeitet,  so  werden  sie  nach  Erkanntnuß
der  Geschwornen  abgestraffet" 8 ).  Man  sieht,  die  Verhältnisse  müssen  sich
in  120—150  Jahren  gründlich  geändert  haben,  wenn  diese  Angabe  als
wirklich  zuverlässig  betrachtet  werden  soll.  Merkwürdig  ist,  daß  die  Wanderschaft ­
  nach  den  romanischen  Ländern,  also  nach  Italien,  Frankreich  und
Spanien,  sehr  lange  gesperrt  gewesen  ist 4 );  in  einer  Augsburger  Ordnung ­
  lesen  wir  um  das  Jahr  1800  noch:  „Nachdem  ein  Gesell  .  .  .
sich  lang  an  unpassierlichen  Nationen,  als  Italien,  Hispanien,  Franck-^eich,
  Jngetein  ...  in  arbeit  aufgehalten,  soll  selbiger  .  .  .  abgestrafft
werden"  6 ),  und  bei  dem  Lehrling  muß  vor  seiner  Aufnahme  ins  Handwerk
nachgewiesen  werden,  daß  er  „kein  Jtaljaner,  Spanier,  Francos,  Ingefeiner,
  auch  kein  im  Hirten-Stand  erzeugter  Schaffer  Sohn  sey"  ch.
Die  allgemeine  Wanderschafts-Tabelle  durch  ganz  Deutschland  und  die
benachbarten  Staaten  führt  ebenfalls  um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts
fu  für  „Weißgerber:  Biedenkopf  in  Hessen,  Nürnberg,  Dinkelsbühl,
-"ördlingen,  Idstein  im  Nassauischen,  Prag,  Görlitz,  Salzburg,  Augsburg,
0  Stahl  1874,  S.  44.  *)  Frisius  1708.
S )  Weigel  1698,  S.  620  f.  *)  Mummenhoff  1901,  S.  63.
5 )  Augspurg  ca.  1800.  »)  Ebenda.
            
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