Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Die  Ausbreitung  des  römischen  Weltreiches  ging  im  Wege  kriegerischer ­
  Eroberungen  vor  sich,  und  damit  Hand  in  Hand  ging  wahrscheinlich
die  Wanderung  der  vegetabilischen  Gerbung  in  die  eroberten  Länder:
Deutschland,  Frankreich,  Spanien,  England.  Daß  die  Lederbereitung  durch
die  Römer  ausgebreitet  wurde,  das  beweist  z.  B.  der  Lederfund  von
Mainz,  bestehend  aus  Sohl-  und  Oberleders;  aber  dieser  Lederfund,
orientiert  uns  nicht  über  die  Art  der  Gerbung  und  den  Charakter  der
zum  Gerben  verwandten  Gerbstoffe;  denn  in  der  Länge  der  Zeit  ist
der  ursprüngliche  Gerbstoff  ausgelaugt  und  das  Leder  in  eine  humusgare ­
  Form  übergeführt  worden  2 ).
Von  vielleicht  noch  größerer  Bedeutung  als  die  Ausbreitung  des
römischen  Weltreiches  war  für  die  Geschichte  der  Gerberei  das  Vordringen
der  Araber;  denn  während  das  Abendland  bis  dahin  sich  wahrscheinlich
in  der  gewöhnlichen  Loh-  und  Sämischgerberei  erschöpfte,  brachten  sie
die  berühmte  orientalische  Feinledergerberei  nach  Europa.  Zwar  mag
auch  für  die  Ausbreitung  der  arabischen  Kultur  friedlicher  Handelsverkehr
auf  weite  Strecken  hin  gesorgt  haben,  so  z.  B.  nach  Schweden,  welches
in  lebhaftem  Austauschverkehr  mit  Konstantinopel  stand,  so  daß  man  in
Schweden  bis  jetzt  mehr  als  20000  arabische  Münzen  gefunden  hat^),
aber  der  Hauptsache  nach  war  die  Ausbreitung  der  arabischen  Kultur
eine  kriegerische,  und  dieser  Umstand  hat  ohne  Zweifel  viel  dazu  beigetragen,
daß  die  Kultur  des  Abendlandes  auch  heute  noch  so  viele  orientalische
Elemente  in  sich  schließt.  Von  größerer  Bedeutung  als  die  unentschiedenen ­
  Kämpfe  der  arabischen  Hauptfront  vor  Byzanz  war  für  die
Bewegung  der  arabischen  Kultur  das  Vordringen  des  westlichen  Flügels
längs  des  afrikanischen  Nordrandes  und  die  siegreiche  Occupation  von
Spanien.  Der  ganze  Weg  ihres  einstigen  Vordringens  läßt  auch  heute
uoch  den  arabischen  Einfluß  erkennen.  Chadames  in  Nordafrika  ist
nach  den  Reiseergebnissen  Duveyrier's  seit  dem  12.  Jahrhundert  durch
seine  Leder  berühmt  geworden  und  späterhin  sogar  namengebeud  für
die  spanischen  Guadamecils,  die  berühmten  Ledertapeten  von  Cordova,
Barcelona  und  Sevilla  H.  Der  Maroquin,  eine  Art  Saffian,  verdankt
seinen  Namen  den  arabischen  Lederfabriken  von  Marocco,  und  auf
den  Einfluß  der  Araber  auf  die  Lederarbeiten  sogar  des  Sudans  wurde
bereits  hingewiesen 6 ).  Vor  allen  Dingen  aber  war  es  Spanien,  wo
die  Araber  zur  Erhöhung  der  Steuerkraft  des  Landes  eine  Menge
orientalischer  Jndustrieen  einrichteten  °),  darunter  auch  die  bekannten
und  schon  besprochenen  Gerbereien  und  Lederfabriken  von  Cordova.  Als
dann  später  die  Morisken  vertrieben  wurden,  hatten  sie  ihre  Kulturmission
1 )  Deutsche  Gerbcrzeitung  1888,  Nr.  17.  2 )  Knapp  1897,  S.  157.
3 )  Montelius  1806,  S.  272;  vgl.  auch  Hell  1909,  S.  87.
^Davillier  1878,  S.  5-6.  °)  Schurtz  1900,  S.  55.  °)Diercks  1878,  S.24ff.
            
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