204
1654—1672 geführten Streit zwangen sie den Gerbern noch das
Schwarzzurichten der Leder ab. Die Leipziger Schuhmacherinnung hielt
als Erinnerung an jene alten Zustände noch im 17. Jahrhundert auf
ihrem Jnnungshause einen eigenen Corduanmachergesellen, welcher den
Meistern Leder zubereitete Z.
Emen neuen, wenn auch geringen Aufschwung, erhielt die Corduan-
macherei durch die Hugenotten, unter welchen auch einige Corduaner,
d. h. also Feinledergerber mit Sumach und Galläpfeln, sich befanden 2 ).
So kommt es, daß z. B. im 17. Jahrhundert in Nürnberg „ein Corduan-
macher, ein Franzose" war, welcher sich natürlich nicht zu den eingesessenen
Nürnberger Kuderwarern hielt 8 ), da er eine ganz andere Ware produ
zierte. Trotzdem scheint die Corduanmacherei in Deutschland nicht mehr
auf die Höhe gekommen zu sein. Justi berichtet 1780, daß eine in Halle
angelegte Corduanfabrik genugsam gezeigt habe, daß wir den Corduan
nicht so gut und schön machen können, als dies in der Türkei geschieht 4 * * * ),
und 1796 war man wieder so weit gekommen, daß man die zubereiteten
Bockfelle aus der Türkei über Venedig kommen ließ, um sie nur noch
zu narben, zu glätten und zu färben °).
Es besitzt also, wie wir gesehen haben, der Corduan für uns einer
seits die historische Bedeutung, daß unter seinem Namen vielleicht die
Weißgerberei aus Spanien nach dem übrigen Europa eingeführt wurde,
andererseits ist er aber auch ein Beispiel dafür, daß eine Methode,
welche ihren heimatlichen Boden verlassen hat, um in einem artfremden
Kulturkreis einzudringen, notwendigerweise degeneriert.
Um also ein Produktionsprinzip gegen den zersetzenden Einfluß
eines fremden wirtschaftlichen Zustandes zu schützen, um seine Entartung
zu verhindern, muß die Kultur, welche ein Produktionsprinzip erzeugt
hat, mit diesem wandern, sie muß sich ausdehnen und kann es dann
bis an ihre Randzonen vorschieben. Die Ausbreitung solcher wandern
der Kulturen kann vor sich gehen entweder in mehr friedlicher Form
oder im Anschluß au kriegerische Vorgänge.
Das gewöhnliche Agens zur friedlichen Ausbreitung einer Kultur
bildet der Handel, und dieser mag hauptsächlich das Mittel gewesen
sein, durch welches zuerst die Phönicier den Griechen die Kenntnis der
vegetabilischen Gerbung vermittelten") und durch welches vielleicht auch
die Römer diese Gerbemethode kennen lernten ^).
0 Geißenberger 1895, S. 172.
‘j Beheim 1874, S. 63. 3 ) Roth 1800, Bd. III, S. 149; Nürnberg 17.
4 ) Justi 1780, Bd. II, S. 584. ») Beckmann 1796, S. 289.
«) Vgl. Hehn 1911, S. 62; Berliner Berichte 1898, Nr. 8, 4. Beilage;
Speck 1900, Bd. II, S. 269; Marquardt 1882, S. 378.
Heinzerling 1882, S. 2; vgl. auch Speck 1900, Bd. III, S. 423.