231
geübt werden konnte. Daher werden dann auch Gewerbestreitigkeiten
verständlich, wie die von Diepurg 1627, wo ein Sattler sich über einen
Weißgerber beschwert, welcher Riemen geschnitten und Nähriemen feil
gehalten hat*).
Eine andere Gewerbegruppe mit ebenfalls endlosen Streitigkeiten ist, wie
schon erwähnt, die der Beutler, Nestler und Handschuhmacher.
Die Nürnberger Handwerksordnungen des 16. Jahrhunderts enthalten
die Bestimmung: „Item Peutler, Nestler, Henntschuhmacher vnd auch die
Jrer, welche die kunst können, mögen wol gel gerben" (d. i. sämischgerben)
2 ), und nach Fioravanti verfertigt der Schuster neben Stiefeln
und Schuhen auch Wämse, „coletti“ 3 ). 1613 ergeht ein Entscheid des
„großen Weißgerber hanntwergs zur Frankfurt am Mahn" in Sachen
der Weißgerber und Säcklers, und über ein ähnliches Thema, nämlich
den Weißlederhandel der Beutler und Nestler, handeln Langenzenner
Weißgerberakten von 1616—1729 5 ); 1664 beschweren sich die Säckler
und Beutler zu Würzburg aus dem Lande wegen des ihnen durch Weißgerber
zugefügten Schadens"); eine Magdeburger Ordnung von 1686
regelt den Verkauf von „gahr gemachtem Sämischen Leder und gemachten
Ledern Hosen" auf den Magdeburger Messen durch fremde Meisters;
1702 ergibt sich abermals Streitigkeit zwischen Würzburger Beutlern
und Weißgerbern wegen Auslaufens von Leder und Verarbeitung zu
Militärhosen"), und als einem Weißgerbermeister zu Speier 1740 vom
Weißgerberhandwerk verboten wird, lederne Hosen zu machen, eine
Auseinandersetzung, an welcher sich die Säckler und Schneider beteiligen,
erklärt der Weißgerber unter anderem, es sei ihm früher diese Tätigkeit
gestattet gewesen °); 1766 ergeht dann in Speier ein Beschluß, wonach
»die Weißgerber sowohl als die Säckler fürderhin eine gleichmäßige
ohneingeschrenckte Befugnis haben, Hosen von allerlei Fell und Leder,
rugleichen von allerlei Farben zu verfertigen" "). Es- ist selbstverständlich,
daß deshalb zum Handwerkszeug des Nestlers auch der Schabebaum,
das Schabeeisen usw. gehört**).
Von allen diesen Handwerkern gerben heute eigentlich — natürlich
die echten Gerber ausgenommen — nur noch manche Sattlermeister; wenn
^an sich Pix Mühe nicht verdrießen läßt und eine genügende Anzahl
kleiner Sattler in kleinen Plätzen besucht, dann findet man wohl hin
und wieder bei einem Sattler im Hofe einen alten Äscher; denn wenn
0 Würzburg, V, 2028, 1627.
°) Nürnberg 1535, M. S. 452, S. 364 b.
Fioravanti 1564, Bd. I, S. 11. 4 ) Rothenburg 1671—1695, S. 1613.
5 ) Langenzenn, Tom. I, No. 16, fase. 29. 8 ) Würzburg 1664.
7 ) Magdeburg 1686, 32te»s. «) Würzburg 1702.
°) Speyer 1740—54. 10 ) Speyer 1766, “) Weigel 1698, S. 643 f.