Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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geübt  werden  konnte.  Daher  werden  dann  auch  Gewerbestreitigkeiten
verständlich,  wie  die  von  Diepurg  1627,  wo  ein  Sattler  sich  über  einen
Weißgerber  beschwert,  welcher  Riemen  geschnitten  und  Nähriemen  feil
gehalten  hat*).
Eine  andere  Gewerbegruppe  mit  ebenfalls  endlosen  Streitigkeiten  ist,  wie
schon  erwähnt,  die  der  Beutler,  Nestler  und  Handschuhmacher.
Die  Nürnberger  Handwerksordnungen  des  16.  Jahrhunderts  enthalten
die  Bestimmung:  „Item  Peutler,  Nestler,  Henntschuhmacher  vnd  auch  die
Jrer,  welche  die  kunst  können,  mögen  wol  gel  gerben"  (d.  i.  sämischgerben)
 2 ),  und  nach  Fioravanti  verfertigt  der  Schuster  neben  Stiefeln
und  Schuhen  auch  Wämse,  „coletti“  3 ).  1613  ergeht  ein  Entscheid  des
„großen  Weißgerber  hanntwergs  zur  Frankfurt  am  Mahn"  in  Sachen
der  Weißgerber  und  Säcklers,  und  über  ein  ähnliches  Thema,  nämlich
den  Weißlederhandel  der  Beutler  und  Nestler,  handeln  Langenzenner
Weißgerberakten  von  1616—1729 5 );  1664  beschweren  sich  die  Säckler
und  Beutler  zu  Würzburg  aus  dem  Lande  wegen  des  ihnen  durch  Weißgerber ­
  zugefügten  Schadens");  eine  Magdeburger  Ordnung  von  1686
regelt  den  Verkauf  von  „gahr  gemachtem  Sämischen  Leder  und  gemachten
Ledern  Hosen"  auf  den  Magdeburger  Messen  durch  fremde  Meisters;
1702  ergibt  sich  abermals  Streitigkeit  zwischen  Würzburger  Beutlern
und  Weißgerbern  wegen  Auslaufens  von  Leder  und  Verarbeitung  zu
Militärhosen"),  und  als  einem  Weißgerbermeister  zu  Speier  1740  vom
Weißgerberhandwerk  verboten  wird,  lederne  Hosen  zu  machen,  eine
Auseinandersetzung,  an  welcher  sich  die  Säckler  und  Schneider  beteiligen,
erklärt  der  Weißgerber  unter  anderem,  es  sei  ihm  früher  diese  Tätigkeit
gestattet  gewesen  °);  1766  ergeht  dann  in  Speier  ein  Beschluß,  wonach
»die  Weißgerber  sowohl  als  die  Säckler  fürderhin  eine  gleichmäßige
ohneingeschrenckte  Befugnis  haben,  Hosen  von  allerlei  Fell  und  Leder,
rugleichen  von  allerlei  Farben  zu  verfertigen"  ").  Es-  ist  selbstverständlich,
daß  deshalb  zum  Handwerkszeug  des  Nestlers  auch  der  Schabebaum,
das  Schabeeisen  usw.  gehört**).
Von  allen  diesen  Handwerkern  gerben  heute  eigentlich  —  natürlich
die  echten  Gerber  ausgenommen  —  nur  noch  manche  Sattlermeister;  wenn
^an  sich  Pix  Mühe  nicht  verdrießen  läßt  und  eine  genügende  Anzahl
kleiner  Sattler  in  kleinen  Plätzen  besucht,  dann  findet  man  wohl  hin
und  wieder  bei  einem  Sattler  im  Hofe  einen  alten  Äscher;  denn  wenn
0  Würzburg,  V,  2028,  1627.
°)  Nürnberg  1535,  M.  S.  452,  S.  364  b.
Fioravanti  1564,  Bd.  I,  S.  11.  4 )  Rothenburg  1671—1695,  S.  1613.
5 )  Langenzenn,  Tom.  I,  No.  16,  fase.  29.  8 )  Würzburg  1664.
7 )  Magdeburg  1686,  32te»s.  «)  Würzburg  1702.
°)  Speyer  1740—54.  10 )  Speyer  1766,  “)  Weigel  1698,  S.  643  f.
            
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