Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Meisterstücken  H  und  mit  der  Lederschau  -).  Selbstverständlich  sind
natürlich  auch  Vorschriften,  welche  Arbeit,  Verkauf  oder  Auslegen  von
Waren  zur  Schau  am  Sonntag  vor  der  Predigt  verbieten  8 ).
In  allen  den  hier  erwähnten  und  in  weiteren  noch  hierher  gehörigen ­
  Punkten  fügen  sich  die  Weißgerber  vollkommen  in  die  mittelalterliche ­
  Zunftverfassung  ein,  so  daß  diese  Gebiete  Gegenstand  der
allgemeinen  Wirtschaftsgeschichte  sind,  und  daher  nicht  Objekt  einer
speziellen  Untersuchung  zu  sein  brauchen.
Ganz  kurze  Berücksichtigung  mögen  dagegen  die  Handwerksabzeichen ­
  finden,  da  sie  speziellere  Bedeutung  besitzen  und  für  das
vorliegende  Handwerk  sehr  zerstreut  sind.
Die  Siegel  der  Weißgerberhandwerke,  welche  man  häufig  noch
unter  alten  Aktenstücken  und  Urkunden  in  verhältnismäßig  gutem  Zustande ­
  findet,  sowie  die  Handwerkswappen 4 )  führen  sehr  häufig  den
S  tollpfahl  in  mehr  oder  weniger  stilisierter  Form;  er  ist  besonders
deutlich  als  solcher  erkennbar  im  Wappen  der  Weißgerber  zu  Ulm.  Vor
allen  Dingen  der  Stollpfahl  ist  ein  Abzeichen,  welches  ich  bei  Rotgerbern ­
  niemals  beobachtet  habe.  Häufig  für  die  Weißgerber  ist  auch
der  Schlichtmond,  ebenfalls  besonders  schön  zu  erkennen  im  Wappen
der  Weißgerber  zu  Ulm.  Gekreuzte  Schabeeisen  sind  den  Wappen
der  Weiß-  und  Rotgerber  gemeinsam;  auch  Riemen  sind  in  den
Wappen  nicht  selten.  Die  häufigsten  Wappentiere  sind,  was  nach  der
ganzen  bisherigen  Entwicklung  leicht  zu  begreifen  ist,  der  Bock  und
der  Hirsch;  daneben  kommen  dann  natürlich  in  Menge  allgemeine
Formen  vor,  wie  der  Engel,  der  Löwe,  die  Krone,  drei  Sterne  usw.
Hingewiesen  sei  auch  noch  auf  das  Wappen  der  Danziger  Chordewanmacher,
  weil  dieses  das  früher  über  Corduan  Gesagte  illustrieren  kann:
auf  dem  Boden  zwischen  Bock  und  Hirsch  steht  ein  Baum,  von  dessen
Krone  ein  Roßkummet  herabhängt;  der  Stamm  des  Baumes  ist  unten
von  zwei  schräg  gekreuzten  Schabeisen  überlegt.
Drei  Aushängeschilder,  allerdings  von  Rotgerbereien,  finden  sich
im  Rothenburger  Ortsmuseum.
Was  die  Tracht  anlangt,  welche  wir  ebenfalls  in  diesem  Zusammenhange ­
  kurz  besprechen  wollen,  so  sei  eine  Augsburger  Bestimmung  um
1800  angeführt:  „Es  soll  an  Sonn-  und  Feurtagen  kein  Meister

1)  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  133;  Artikel  I;  dazu  vgl.  auch  Nürnberg  17.
bei  Weißgerber.
2 )  Nürnberg  17.  Rotgerber;  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  430;  Bd.  VI,
S.  129,  133.
3 )  Nürnberg  1635;  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  132,  Artikel  II  u.  VII;
Mummenhoff  1901,  S.  121.
4 )  Abbildungen  bei  Seyler  1898,  S.  79  ff.;  Nürnberg  17.;  Bormans  1863.
            
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