Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Für  Nürnberg  läßt  sich  nach  den  Meisterbüchern  ebenfalls  eine
Tabelle  aufstellen,  wobei  allerdings  nicht  die  Zahl  der  in  einem  Jahr
vorhandenen  Meister  angegeben  wird,  sondern  die  Zahl  der  in  jedem
Jahrzehnt  oder  in  jedem  Jahre  in  die  Meisterbücher  eingeschriebenen
Meister.  Aus  diesen  Zahlen  z.  B.  nach  Art  der  Hamburger  Ermittlungen ­
  der  Bevölkerungszahlen  durch  einfache  Rechnung  die  Zahl
der  in  einem  Jahre  vorhandenen  Meister  zu  ermitteln,  wäre  hier
bedeutungslos,  weil  die  Rechenoperation,  welche  sich  zwischen  die  aus
den  Meisterbüchern  gewonnenen  Zahlen  und  die  aus  diesen  Zahlen
nach  der  Formel  gefundenen  Resultate  lediglich  wie  eine  Funktion  einschiebt, ­
  nur  die  absoluten  Werte,  nicht  aber  die  Zahlenproportionen,
auf  welche  es  hier  allein  ankommt,  ändern  würde.  Für  Nürnberg  ergibt ­
  sich  folgende  Tabelle,  wobei  je  20  Jahre  zur  Erreichung  größerer
Übersichtlichkeit  zusammengefaßt  sind*).
Es  wurden  in  die  Nürnberger  Meisterbücher  eingetragen:

Rotgerber

Weißgerber

vor  1383

84

41

1383—1399

30

6

1400—1419

22

3

1420—1439

56

14

1440—1459

47

13

1460  —  1479

65

30

1480—1499

53

48

1500—1519

44

43

1520—1539

56

30

1540—1559

50

32

1560—1571

26

11

Die  Zahlen  zeigen  uns  vor  allen  Dingen,  daß  die  Zahl  der  Rotgerber
größer  ist  als  die  der  Weißgerber;  dieses  Verhältnis  ist  erklärlich  aus
der  viel  kürzeren  Gerbedauer  der  Weißgerberei,  welche  zur  Folge  hat,
daß  eine  viel  kleinere  Zahl  von  Weißgerbermeistern  die  gleiche  Anzahl
von  Fellen  gerben  kann,  als  eine  größere  Zahl  von  Rotgerbern.
Eine  Ausnahme  macht  das  Jahr  1440  für  Frankfurt;  für  das  Jahr
1530  wurde  für  Frankfurt  die  Bestimmung  eingeführt,  daß  auch  Lehrjungen ­
  unehrlicher  Herkunft  im  Handwerk  aufgenommen  werden  dürfen;
das  bedeutet  ein  tiefes  soziales  Sinken  des  Handwerks,  und  dieses  ist
immer  begleitet  von  einer  geringen  Zahl  von  Hilfsarbeitern;  es  ist
möglich,  daß  sich  die  hohen  Frankfurter  Zahlen  von  1440  und  1530
auf  diese  Weise  erklären  lassen,  was  auch  durch  folgende  Tabellen,
welche  ja  freilich  auf  Vollständigkeit  keinen  Anspruch  machen,  vielleicht
bestätigt  wird:

')  Nürnberg  M.  ©.,  Nr.  233,  234,  236,  236,  239.
            
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