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Durch mauches Jahrhundert hindurch haben sich die Lederer oder
Rotgerber zu den wohlhabenden Handwerkern und zu den einflußreichen
Bürgern in der Stadt gezählt.
Ein Besuch der Jrherstraße selbst in ihrer heutigen Gestalt
orientiert sofort, daß die Gründer dieser schmalen Häuschen materiell
und daher auch sozial und politisch einer anderen Schicht angehört
haben müssen. Ein verhältnismäßig enges Gäßchen, freilich für mittelalterliche
Verhältnisse kaum unter der Norm, die Lage weniger im
Zentrum der Stadt als die Lederergasse, aber doch dicht bei St. Sebald,
vor allen Dingen aber die kleine Anlage der Häuser, welche auf eine
nur sehr bescheidene Höhe hindeutet, all das stimmt damit überein, daß
die Weißgerber oder Jrher in Nürnberg zunächst keine Stimme im
Rate hatten Z, daß im Jahre 1387 in Frankfurt die Loher den 7., die
Weißgerber aber den 17. Rang auf der Handwerkerbank einnahmen 2 ),
daß sie in einem Kataloge aus dem Ende des 15. Jahrhunderts überhaupt
keinen Rang mehr auf der Handwerkerbank besitzen ch; damit
vielleicht auch hängt es zusammen, daß die kürzeste Probezeit unter allen
Handwerkern 1499 die der Frankfurter Weißgerber mit nur 14 Tagen
gewesen ist 4 ), und daß merkwürdigerweise ebenfalls wieder die Frankfurter
Weißgerber 1530 das Recht hatten, den Jungen, welche das
Handwerk lernen wollten, zu lehren, wenngleich sie nicht ehrlicher Geburt
waren; es bestand in letzterem Falle lediglich keine zwingende Verpflichtung,
sie hernach in ihrer Zunft aufzunehmen °). Das Fehlen der
Stampfmühle bei den Weißgerbern in den früheren Zeiten oder die
pachtweise Benutzung einer solchen H, endlich auch die im Vergleich zur
Rotgerberei ganz verschiedene Form des Betriebes weist uns darauf hin,
daß zwischen Rotgerbern und Weißgerbern grundsätzlich ökonomisch und
damit sozial eine tiefe Kluft besteht, daß die Weißgerber auf einer
tieferen Rangstufe sich befinden. Der Betrieb des Rotgerbers mit seinen
vorwiegend großen Häuten und mit der langen Gerbedauer erforderte
großes Betriebskapital, welches in den Kufen, in der Lohe, in den
Häuten, vielleicht auch in einem zur Ausstellung der Kufen benötigten
Platze für lange Zeit festgelegt war; die Rotgerberhäuser besitzen daher
im eigenen Hause eine Werkstatt, geräumige Dachböden zum Trocknen
und am Hause einen größeren Hof; alles das fehlt beim Weißgerber').
Er verarbeitet hauptsächlich kleine Felle, Schafe, Ziegen, Böcke, und die
Umtriebszeit ist eine im Vergleich zum Rotgerber außerordentlich geringe;
die Dauer des Gerbeprozesses, welche beim Rotgerber immerhin
ein Jahr, oft noch viel länger betragen hatte, beläuft sich beim Weißtz
Nürnberg 17. 2. -) Bücher 1886, S. 87. 3 ) Ebenda.
4 ) Stahl 1874, S. 173. tz Stahl 1874, S. 97.
o) Vgl. S. 142 f., 148 f. tz Vgl. § 16 u. bes. S. 140.