Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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gerber,  gleichgültig,  ob  er  weiß  oder  sämisch  gerbt,  auf  nur  wenige  Tage,
und  letzteres  mag  ein  Grund  sein  dafür,  daß  die  Weißgerberei  und  die
Sämischgerberei  stets  so  enge  verbunden  gewesen  sindZ;  denn  aus  der
kurzen  Umtriebszeit  ergibt  sich  wiederum  eine  grundsätzliche  Verschiedenheit ­
  zum  Rotgerber;  nicht  nur  die,  des  viel  geringeren  Betriebskapitals,
des  schnelleren  Kapitalumschlags,  des  Mangels  einer  größeren  eigenen
Werkstatt,  sondern  der  noch  tiefgreifendere  Unterschied,  daß  die  Weißgerberei ­
  viel  mehr  noch  zur  Lohngerberei  sich  eignet,  als  die  viel  langsamer ­
  arbeitende  Rotgerberei  2 );  so  sehen  wir  also,  daß  der  Weißgerber
häufig  nicht  einmal  das  Hautmaterial,  welches  gerade  den  Hauptreichtum
der  Rotgerber  ausmachte,  zum  eigenen  Betriebskapital  rechnen  mußte.
Fassen  wir  das  alles,  was  über  das  Hautmaterial,  die  Produktionsprinzipien, ­
  die  Dauer  des  Gerbeprozesses,  die  Betriebsmittel  wie  Werkstatt, ­
  Mühle,  die  Betriebssysteme  ch  gesagt  worden  ist,  zusammen,  so  sehen
wir,  daß  der  so  oft  und  auch  in  der  Statistik  so  einheitlich  angewandte
Begriff  des  „Gerbers"  sich  schon  im  14.—15.  Jahrhundert  in  zwei
Handwerkerkategorieen  zerlegt,  welche  nur  das  gemeinsam  haben,  daß
die  beiden  Gewerbe  Häute  und  Felle  für  den  menschlichen  Bedarf  herrichten; ­
  alle  übrigen  Punkte  sind  wahrscheinlich  sehr  verschieden,  und
vor  allen  Dingen  ist  ihre  ökonomische  Lage  so,  daß  die  Rotgerber  zu
den  wohlhabenden  einflußreichen,  die  Weißgerber  aber  zu  den  ärmeren
gedrückten  Gewerben  gehören.  Diese  Unterschiede  zwischen  den  beiden
Handwerkerkategorieen  können  wir  bis  auf  den  heutigen  Tag  verfolgen,
indem  hin  und  wieder  eine  Stichprobe  uns  die  Fortdauer  des  alten
Verhältnisses  bestätigt.
Eine  vergleichende  Betrachtung  über  die  Zahl  der  Weißgerber  im
14.—15.  Jahrhundert  ergibt  sehr  verschiedene  Resultate.  In  Köln
sollen  im  Jahre  1478  400—500  lederverarbeitende  Handwerksmeister
vorhanden  gewesen  sein  H.  In  Frankfurt  betrug  die  Gesamtsumme  der
Lederarbeiter  1387  66  °),  und  im  Jahre  1440  war  es  die  gleiche  Zahl  H.
Was  nun  die  Zahlen  speziell  der  Weißgerber  anlangt,  so  wollen
wir  diese  Zahlen  mit  den  der  Rotgerber  so  weit  als  möglich  vergleichen.
Die  Pariser  Steuerrolle  von  1292  führt  23  Weißgerber  auf  Z;  die
Zahlen  für  die  Frankfurter  Meister  finb 8 ):

Lohgerber

Weißgerber

1387

27

17

1440

43

15

1530

?

44  zünftige  Meister 8 )

')  Vgl.  S.  123  ff.,  240  ff.  zzgl.  S.  215  ff.
a )  Vgl.  hiezu  alle  einschlägigen  Paragraphen,  insbes.  2,  3,  4,5,14,16,17,  22,  24.
4 )  Köln  1907,  Bd.  I,  S.  24.  °)  Bücher  1886,  S.  139.
°)  Bücher  1886,  S.  214—217.  7 )  Schuh  und  Leder  1897,  Nr.  29,  S.  33.
8 )  Bücher  1886,  S.  103.  »)  Vgl.  auch  Bücher  1886,  S.  119.
            
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