Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

309

10.  Kapitel.
Betriebsmittel  und  Produkte  der  Meißgerkerei').
8  30.  Die  Betriebsmittel.
Mit  wenigen  Ausnahmen  haben  wir  bisher  die  Weißgerberei
immer  nur  als  solche  betrachtet,  wir  haben  ihr  wirtschaftliches  und
technologisches  Bedingtsein  bisher  nicht  in  den  Vordergrund  unseres
Interesses  gestellt.  Die  Wichtigkeit  einer  solchen  Betrachtungsweise  erhellt ­
  aus  der  Tatsache,  daß  gerade  solche  Faktoren  häufig  bei  den
wichtigen  Umgestaltungen  eines  Gewerbes  am  Werke  sind.
Eine  Einfügung  der  Gerberei  in  den  Kreis  der  gesamten  Produktion ­
  und  Konsumtion  ergibt  sich  zunächst  auf  Grund  ihres  Bedarfes.
Hauptrohmaterial  der  Gerberei  sind  die  Felle  und  Häute,
und  damit  wurzelt  die  Gerberei  in  ihrem  Hauptbedarfe  in  der  sog.
Urproduktion,  gleichgültig,  ob  die  Felle  und  Häute  eines  der  Hauptnebenprodukte ­
  des  geschlachteten  Tieres  darstellen,  oder  ob  die  Tötung  vorwiegend ­
  in  Hinsicht  auf  das  zu  erwartende  Hautmaterial  vorgenommen
wird.  In  den  Betrachtungen  des  ersten  Teiles  habe  ich  darauf  hingewiesen, ­
  daß  die  Haut  in  erster  Linie  von  wilden  erlegten  Tieren
stammt,  und  daß  sich  von  da  ein  sukzessiver  Übergang  zu  den  Hautmaterialien ­
  von  domestizierten  geschlachteten  Tieren  beobachten  läßt.
Ein  zweites,  ebenfalls  bereits  berührtes  und  mit  dem  ersten  zusammenhängendes ­
  Moment  ist  das  ursprüngliche  Zusammenfallen  von  Hautprovenienz ­
  und  Hautverarbeitung;  bei  steigender  Intensivierung  des
wirtschaftlichen  Lebens  werden  diese  Hauptrohmaterialquellen  ungenügend,
und  dann  rücken  die  großen  Häute-  und  Fellprovenienzen  an  die  Peripherien ­
  der  intensiven  Wirtschaftsgebiete  im  Sinne  des  von  Thünenschen
  Gesetzes.
Mit  dieser  räumlichen  Trennung  der  Hauterzeugung  und  der  Hautverarbeitung ­
  geht  ein  zweites  Problem  Hand  in  Hand,  nämlich  das
Problem  der  für  technische  und  hygienische  Bedürfnisse  hinreichenden  und
billigen  Konservierung.  Primitive  Gerbemethoden,  wie  auch  Produkte ­
  einer  hoch  entwickelten  chemischen  Industrie  werden  gleichmäßig
zur  Lösung  dieser  Aufgaben  herangezogen.
st  Vgl.  zu  den  einzelnen  Teilen  von  30  und  31  die  jeweils  einschlägigen
früheren  Ausführungen.
            
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