Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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dem  Leimlederabnehmer  gegenüber  in  einer  Zwangslage,  welche  dem
Leimfabrikanten  oder  Händler  unter  Umständen  größere  unberechtigte
Abzüge  ermöglicht  *).
Die  Gerber  andererseits  suchen  einmal  diesen  Mißständen  möglichst
zu  begegnen,  dann  aber  auch,  wie  erwähnt,  durch  Bildung  von  Leimlederkartellen ­
  ihre  Monopolstellung  auszunutzen.  So  werden  in  den
Zeitschriften  die  verschiedensten  Vorschläge  gemacht:  Die  Gerber  sollen
ihr  Leimleder  trocknen,  um  dasselbe  dem  Weltmärkte  zugänglich  zu
machen  und  nicht  ausschließlich  auf  den  Absatz  nach  den  Leimfabriken
angewiesen  zu  sein.  Die  Gerber  sollen  Leimlederkartelle  bilden.  Und
die  Leimfabrikanten  andererseits  sollen  sich  zu  Einkaufsgenossenschaften
zusammenschließen,  wobei  die  Genossenschaften  das  Leimleder  immer  an
die  Nächstliegenden  Leimsiedereien  unter  größtmöglicher  Berücksichtigung
besonderer  Wünsche  auf  die  Mitglieder  verteilen  sollen  ch.
Ein  Punkt  verdient  hier  noch  Beachtung,  nämlich  der  Arsengehalt
der  Speisegelatine;  wir  haben  gesehen,  daß  zur  Haarlockerung  nicht
selten  Schwefelarsen  in  Verwendung  kommt,  und  daher  war  es  von
Bedeutung  nachzuweisen,  daß  die  aus  solchen  Hantabfällen  sowie  aus
den  Lederabfällen  der  Handschuhmacher  und  Sattler  hergestellte  Gelatine
zwar  nicht  als  arsenfrei  sich  erweist,  aber  doch  nur  unwägbare  Spuren
von  Arsen  enthält^).
Die  naturwissenschaftliche  Größe  des  menschlichen  Wissens,  wie
auch  seine  ökonomische  Fähigkeit,  mit  den  von  der  tätigen  Natur  künstlich ­
  aufgebauten  Substanzen  hauszuhalten,  offenbart  sich  am  ersten  und
vollkommensten  bei  der  Verwertung  der  Abfallstoffe.  Die  unvermeidliche ­
  Mineralisierung  der  organischen  Materialien  so  zu  lenken,  daß
die  einzelnen  aufeinanderfolgenden  Phasen  des  langsamen  Abbaues
immer  im  Dienste  der  menschlichen  Bedürfnisbefriedigung  einander  abzulösen ­
  gezwungen  werden,  erscheint  als  der  höchste  Ausdruck  seiner
vollkommenen  Kenntnis  vom  Werte  eines  scheinbar  nutzlosen  Abfallstoffes. ­
  Die  Überführung  der  Hautabfälle  in  Leim  stellt  einen  dieser
wünschenswerten  Prozesse  dar.  Gerade  das  letzte  Jahrhundert  hat  vermöge ­
  seiner  tiefer  dringenden  Erkenntnis  auf  diesem  Gebiete  Erstaunliches ­
  geleistet,  und  wir  wollen  im  folgenden  noch  eine  Reihe  solcher
Vorschläge  und  Versuche  betrachten.
Die  Verwendung  von  Hautabschabsel  zu  Futterstoffen  ist  ein
verhältnismäßig  alter  Gedanke.  Schon  Beckmann  erzählt  von  einem
Gerber,  welcher  Schweine  damit  mästete  H,  und  die  Verwendung  von

i)  Schuh  und  Leder  1904,  Nr.  37,  S.  37.  i)  2 )  Schuh  und  Leder  1900,  Nr.  48,  S.  29.
s )  Arb.  a.  d.  Kaiser!.  Gesundheitsamte  1911;  d.  Apoth.-Ztg.  1912.
«)  Beckmann  1796,  S.  283.
            
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