Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Betracht  kam.  Wir  finden  weiter  „desgleichen  fassen  die  irher  den
rinch  (ringförmige  Vertiefung,  Grube)  und  rinsen,  die  von  irer  gaffen
und  gegen  iren  steg  in  die  Pegnitz  zeit;  darzu  hab  ich  in  zu  reitten
alte  pruckholtzer  geben,  damit  sie  die  rinnen  außgefuttert  haben"  *).
Diese  Stelle  stammt  aus  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts,
also  aus  der  beginnenden  Besiedlung  der  Jrherstraße;  etwa  aus  der
gleichen  Zeit  finden  wir  noch  in  dem  Zusammenhange,  in  welchem  in
Zukunft  die  Gänge  und  Überschüsse  an  den  Häusern  verboten  werden,
„aber  gegen  der  Pegnitz  die  geng  und  den  irhern  an  der  Jrhergassen
ihre  geng  vor  iren  Heusern  hat  man  pisher  nit  gewert" 2  * ).
Es  mag  hier  noch  erwähnt  werden,  worauf  freilich  schon  hingewiesen ­
  wurde,  daß  sich  neben  den  anderen  Handwerkern  auch  ein
Bäckerhaus  schon  früh  in  der  Jrherstraße  befand,  vor  allen  Dingen
aber  muß  auf  das  schon  im  14.  Jahrhundert  vorhandene  Jrherbad
hingewiesen  werden;  Badstube  und  Weißgerber,  eine  eigene  Kombination ­
  sanitärer  Verhältnisse!  Jrherbad  und  Jrherstraße  haben  beide
ihren  Namen  von  den  Irhern;  wir  können  vermuten,  daß  diese  Namengebung ­
  ihre  Ursache  hatte  in  den  hier  vielleicht  zerstreut  wohnenden
Irhern,  vielleicht  auch,  und  das  ist  das  Wahrscheinlichere,  von  den  hier
in  der  Nähe  an  der  Pegnitz  arbeitenden  Irhern.  Soweit  sich  verfolgen
läßt,  befand  sich  das  Jrherbad  in  Privatbesitz.
Nun  noch  einiges  über  die  Häuser  der  Irher  selbst.  Der
Gänge  vor  ihren  Häusern  wurde  bereits  gedacht.  Gemeinsame  Benutzung
des  „privet"  in  einem  Streit  von  1398 2 )  und  die  dort  angegebene  Holzkonstruktion ­
  der  Häuser  orientieren  schon  über  den  Charakter.  In  Endres
Tuchers  Baumeisterbuch  (1464—1475)  heißt  es:  „und  mer  vergunt  ein
erber  rath  dem  Crafft  Höfer,  irher,  ein  schrem  (Bodenstreifen?)  ein  zu
sahen  auch  vorn  an  der  ein  seilten,  das  sein  haus  herfür  gesetzt  wart
dem  andern  Haus  gleich;  das  was  pei  zweien  schnen,  das  das  alt  Haus
hin  hinder  stunt  an  dem  ein  ort" 4  5  * ).  Die  Häuser  haben  häufig  ein
Höslein,  nur  selten  ist  ein  Hinterhaus  vorhanden  °),  gelegentlich  erfahren
wir  auch,  daß  zwei  Gemächer  unter  einem  Dach  *)  oder  vier  Gemächer
unter  zwei  Dächern  in  den  größeren  Häusern  7 )  vorhanden  sind;  kurz,
es  sind  außerordentlich  schmale,  etwa  zwei  Fensterstöcke  breite  Häuser
mit  ziemlich  primitiver  Einrichtung,  welche  der  materiellen  Lage  des
Handwerks  entspricht;  für  eine  richtige  Gerberwerkstatt  würden  sie  kaum

*)  Ebenda,  S.  190.  2 )  Ebenda,  S.  260.
s )  Lochner  Norica,  Bd.  I,  S.  14;  Libri  litt.,  VII,  Bl.  200.
*)  Bibl.  des  litt.  Vereins  in  Stuttgart,  LXIV,  S.  263.
5 )  Nürnberg,  Stadtarchiv,  Libri  litt.,  XIII,  Bl.  110  u.  188  b  und  XXXVI,
Bl.  183.  «)  Ebenda,  XXXIX,  Bl.  167.
')  Ebenda,  XXVII,  Bl.  231  und  XXIX,  Bl.  74.
            
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