Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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spezielle  Untersuchung  auch  über  die  Gerbhöfe  nicht  vor,  und  daher
dürfen  wir  vorerst  noch  annehmen,  daß  die  gemeinsame  Arbeit  am
Wasser  allgemeine  Regel  gewesen  sei.
Ein  anderer  Teil  der  Arbeiten,  vielleicht  an  manchen  Orten  und
in  späterer  Zeit  alle  Arbeiten,  wurden  nicht  gemeinsam,  sondern  in  den
eigenen  Werkstätten  vorgenommen;  denn  welchen  Sinn  hätte  es,  wenn
in  den  Ordnungen  verboten  wird,  daß  ein  Meister  einen  anderen
Meister  in  seiner  Werkstatt  beschäftigt,  daß  ein  Fleischer,  ein  Rotgerber,
ein  Weißgerber,  ein  Kürschner,  ein  Säckler  nicht  die  gleiche  Werkstatt
benutzen  dürfen,  daß  nicht  in  einem  Hause  die  Werkstätten  dieser  verschiedenen ­
  Meister  liegen  dürfen  oder,  falls  dem  so  ist,  daß  die  Werkstätten ­
  möglichst  getrennt  gehalten  werden  müssen.  Daraus  müssen  wir
schließen,  daß  wenigstens  ein  Teil  der  Arbeiten  im  Hause  des  Meisters
vorgenommen  wurde,  was  ja  für  andere  Handwerker,  welche  nicht
gerade  das  offene  Wasser  benötigen,  nicht  bezweifelt  wird.
Bevor  wir  aber  auf  diesen  Punkt  näher  eingehen,  wollen  wir
wenigstens  auf  ein  Jahrhundert  zurück  die  Lage  der  Gerbereien  untersuchen; ­
  denn  damals  lag  nach  dem  oben  angeführten  Urteil  Jacobsons
die  Gerberei  unterhalb  der  Stadt  am  Wasser.
Nach  einer  Augsburger  Weißgerberordnung  aus  der  Wende  des
18.  Jahrhunderts  soll  der  Umschaugeselle  umschauen  „von  der  am
Fordern  Lech,  oberst  wohnenden  Maisters  Behausung  bis  zu  des
understen,  vom  understen  in  deß  am  andern  Lech  oberst  wohnenden
auch  bis  zum  understen";  die  gleiche  Bestimmung  ist  vorhanden  für
die  Meister  am  dritten  und  am  vierten  Lech  H.  Wir  sehen  schon  daraus
das  ganz  zerstreute  Wohnen  der  Meister  durch  die  Stadt,  sie  wohnen
oben  am  Flusse,  wie  auch  unten;  allerdings  wohnen  sie  hier  immerhin
noch  am  Wasser,  aber  sie  arbeiten  nicht  mehr  gemeinsam  in  einer  allgemeinen ­
  Wafferwerkstatt.  Die  Lage  der  Würzburger  Gerbereien  im

e  1806  ist  die  folgendes

Weißgerber

Rotgerber

Graben

—

3

Mühlgasse

1

2

Teufelstor

—

1

Bachgasse

—

1

Gärbersgasse

3

5

Sackgasse

—

1

Bocksgasse

—

1

Karthaus

—

1

Neugasse

1

—

Bankgasse

2

—

Semmelsgasse

1

T*-*)

  Augspurg,  ca.  1800.

2 )  Würzburg,  Ad.,

1806.
            
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