Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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diese inneren Konstruktionen ihren äußeren Ausdruck in dem räumlichen 
Beisammenwohnen gleichartiger Handwerker in bestimmten Straßen, 
welche deren Namen führen. 
Bormans sagt für die Lütticher Gerber: „Jedenfalls finden wir 
die Gerber in Lüttich 1288 bereits in Quartieren vereinigt" *); ähnlich 
sind die Urteile über andere Städte: „im Mittelalter bewohnte der größte 
Teil der Pariser Weißgerber den Teil des rechten Seineufers, der 
gegenwärtig den Platz von der Brücke Notre Dame und vom Pont au 
Change bildet. Es war ein Terrain, das sich im steilen Abhange bis zum 
Fluße ausdehnte. Guillebert von Metz, welcher im Anfange des 
15. Jahrhunderts schrieb, bezeichnete ihn als Mesguirie, d. h. Weiß- 
gerberei" 2 ). „Die Lübecker Weißgerber sollen wenigstens 1467 in einem 
bestimmten Stadtteil wohnen 2 )." Ähnlich äußert sich KeutgenH, und 
schließlich sei noch angeführt, was Bücher über Frankfurt sagt: „Ganze 
Siraßen hindurch erschallt fast aus jedem Haus das Dröhnen des 
Benderhammers, das eintönige Schnarren des Webstuhls, das Fauchen 
von den Essen der Feuerarbeiter. Dicht gereiht stehen an alt bekannter 
Stelle die Brottische der Bäcker, die Fleischbänke der Metzger, die Gewand 
gaden und die Fischkasten" B ). Es ist immer das gleiche Bild der mittel 
alterlichen Stadt, eine fast schematische Ordnung aller Verhältnisse, und 
hin und wieder wird diese Vorstellung noch unterstützt durch öffentliche 
Regelungen wie die: „bei den Bendern ist zu beachten, daß ihnen seit 
1402 untersagt war, anderswo, als in ihrer eigenen Straße in der 
Alten Stadt zu wohnen" 6 ). Und von hier aus wird dann verallgemeinert 
auf alle Gewerbe. Wenn man aber nicht nur die Dekrete des Senats, 
die Zunftordnungen und Handwerksartikul, die Bestimmungen der Ver 
sammlungen von Meister und Gesellen beobachtet, sondern wenn man 
auch die endlosen Übertretungen dieser Vorschriften kennt, welche sehr oft 
und sehr lange ungerügt blieben, bis schließlich einmal eine Klage zustande 
kommt, wenn auf „der Meister vielfaches Supplizieren hin" alte Miß 
stände immer und immer wieder geregelt werden sollen, da sie sich in 
Gegensatz zu den bestehenden Vorschriften befinden, wenn man in Büchers 
Untersuchungen über das Frankfurter Gewerbe den verhältnismäßig 
hohen Prozentsatz nnzünftiger Handwerker, welcher dennoch in der 
Stadt ansässig ist und dort sein Gewerbe treibt, wenn man dort die 
Zahl der Handwerker mit Gewerben im Haupt- und im Nebenberuf be 
obachtet, welche diese beiden Berufe in der vollen Öffentlichkeit der 
mittelalterlichen Stadt ausüben, wenn man die nie endenden Gewerbs- 
0 Bormans 1863, S. 55, 56. 2 ) Schuh und Leder 1897, Nr. 29, S. 33. 
3 ) Köln 1907, Bd. I, S. 34. 
4 ) Keutgen 1903, S. 137, 139, 141, 143, 144, 147. 
6 ) Bücher 1886, S. 300 ff. «) Ebenda.
	        
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