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Port schon um die Wende des 18. Jahrhunderts groß genug gewesen
ist, um weit ins Binnenland hinein einen Markt und eine Nachfrage
zu erzeugen, daß die handwerksmäßigen Gerber damals amerikanische
Häute verarbeiteten, daß man gelegentlich die Häute als Hauptprodukt
des Tieres -betrachtet hatte, und daß vor allen Dingen die Fleisch
extraktfabrikation nach Liebig's Methode erst dann einsetzte, als der süd
amerikanische Häuteexport schon im vollen Gange war; sie hat diesen
nicht entwickelt und nicht erst ermöglicht, sondern Liebig's Fleischextrakt
gestattete nur eine zweckmäßigere Verwertung der bei der Häute
gewinnung abfallenden Fleischmassen.
Nach Scherzer importierte England noch 1805 keine Lederhäute * *);
wir haben gesehen, daß bereits 100 Jahre früher die Engländer
den amerikanischen Häuteexport in ihrer Hand monopolisiert hatten;
die amerikanischen Häute gingen im 18. Jahrhundert über England
nach Frankreichs), wie sollten da die englischen Gerber diese vorteil
hafte Ware verschmähen! Wir haben gesehen, daß schon um die Wende
des 18. Jahrhunderts das Gerberhandwerk aufgehört hatte, eine lokal
begrenzte Produktionstätigkeit zu sein 3 ), wir haben gesehen, daß mindestens
seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der handwerksmäßige Betrieb der
Gerbereien zurückgegangen war, daß die ersten Dezennien des 19. Jahr
hunderts einen steten starken Rückgang für die handwerksmäßige Gerberei
gebracht hatten, daß damals schon teilweise die stark dezimierten Hand
werke der Weißgerber und Rotgerber wieder vereinigt worden waren,
daß seit der Wende des 18. Jahrhunderts die Schnellgerberei sich aus
gebreitet hatte, wie soll sich mit all diesen Verhältnissen die mehrfach zu
lesende Behauptung vereinigen lassen, daß Liebig'sFleischextrakt
„das eigentlich revolutionierende Element" ist, „welches in das Gerber
handwerk den Keim des Todes trug"?*). Dieser Faktor hat den aller
geringsten Anteil am Niedergang des Gerberhandwerks; der Umschwung
war, wie alle statistischen Zahlreihen zeigen, kein so plötzlicher, und die
Entwicklung ging nicht erst seit dieser Zeit andere Wege, wie alle bis
herigen Darlegungen über die Entwicklung der Produktionsprinzipien,
über die Entwicklung der Betriebsmittel, über die Entwicklung und den
Niedergang des Handwerks, über die Entwicklung der Manufakturen
und Fabriken, über die Entwicklung der Bedarfsdeckung aus der Ferne
zur Genüge zeigen; es ist, wie bei allen anderen Gewerben auch, die
Entwicklung der Manufakturen und Fabriken eine natürliche, bei der
Gerberei nur etwas verlangsamt durch die speziellen, hier herrschenden
Bedingungen; es ist auch die Entwicklung der Bedarfsdeckung aus der
*) Scherzer 1885, S. 335. *) Schauplatz 1766, Bd. Y, S. 429.
s ) Vgl. Borgius 1895, S. 6, unrichtige Behauptung.
*) Borgius 1895, S. 6; Stieba 1897, S. 23; Grandke 1897, S. 1057.