Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Ferne  eine  völlig  natürliche,  wo  nicht  erst  in  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts ­
  ein  einziges  Moment  gewaltsam  die  alten  Verhältnisse  erschüttert, ­
  so  daß  womöglich  ein  einziges  Jahr  als  Zeitpunkt  einer  völlig
neuen  Entwicklung,  eine  einzige  Erfindung  als  die  Ursache  tiefst  greifender
ökonomischer  Konsequenzen  verantwortlich  gemacht  werden  könnte.  Das
völlige  Fehlen  der  historischen  Betrachtungsweise  in  den  gewerbepolitischen
Entwicklungen  kann  eine  so  einseitige  Schlußfolgerung  wie  diese  entschuldigen ­
  und  es  verständlich  machen,  daß  so  häufig  von  der  Wende
des  18.  oder  von  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  ab  ganz  neue,  unvermittelt ­
  entstehende  Entwicklungsreihen  konstruiert  werden,  welche  alle
historische  Kontinuität  mit  der  Vergangenheit  verloren  haben.
Um  zu  zeigen,  daß  auch  der  Absatz  der  Gerberei  in  die  Ferne
schon  viel  früher  sich  entwickelt  hatte,  als  der  allgemeinen  Annahme
entspricht,  um  auch  am  Hauptprodukte  der  Gerberei  zu  sehen,  daß  diese
um  1800  längst  aufgehört  hatte,  eine  rein  lokale  Produktionstätigkeit
zu  sein,  soll  noch  eine  kurze  Betrachtung  des  durch  das  Leder  erzeugten
Marktes  folgen.

14.  Kapitel.
Keder.
§  43.  Die  Organisation  des  Ledergeschäftes.
Ein  wesentlicher  Unterschied  zwischen  der  Organisation  der  Häutezirkulation ­
  und  zwischen  den  Formen  des  Ledergeschäftes  ist  deshalb
nicht  vorhanden,  weil  die  Produzenten  und  die  Konsumenten  beider
Waren  deswegen  sehr  ähnlich  sind,  weil  die  rohe  Haut  sowohl  wie
auch  das  Leder  auf  Grund  ihrer  Eigenschaft  als  Roh-  bzw.  Halbfabrikat ­
  im  allgemeinen  —  mit  Ausnahme  eines  Teiles  von  Sämischleder ­
  —  nicht  direkt  dem  letzten  Konsumenten  zugeführt  werden.
Daher  ist  —  und  das  gilt  unter  allen  Ledersorten  vor  allen
Dingen  für  Feinleder,  Weißleder,  Sämischleder  zu  Lederhandschuhen
und  Glaceleder  —  die  üblichste  Form  die  Verbringung  des  Leders  aus
den  Stätten  seiner  Produktion  in  die  Leder  verbrauchenden  Betriebe  ohne
Vermittlung  des  Handels.  Wir  haben  gesehen,  wie  Riemer
und  Sattler,  ebenso  die  Säckler,  Beutler  und  Schuster  in  Erinnerung
an  frühere  Zustände  sehr  lange  Zeit,  zum  Teil  sogar  heute  noch,  ihren
eigenen  Verbrauch  produzieren;  wir  haben  gesehen,  wie  die  Glaceindustrie
gleich  in  der  Form  solcher  kombinierter  Betriebe  eingewandert  ist,  wie
sich  stellenweise  dann  freilich  die  Gewerbe  gespalten  haben,  wie  aber
            
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