Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Johann  Friedrich  in  Rothenburg  wegen  der  Brandenburgischen  Weißgerber, ­
  diese  am  Bartholomeimarkt  feilhaben  zu  lassen  *).  Wurde  so
einerseits  dafür  gesorgt,  daß  die  normalerweise  geschlossenen  Wirtschaften
wenigstens  zeitweise  dem  fremden  Angebot  geöffnet  werden  mußten,
so  bestanden  andererseits  genaue  Bestimmungen  über  die  den  fremden
Meistern  zur  Verfügung  stehende  Zeit  auf  den  auswärtigen  Messen
und  Märkten  oder  es  war  in  anderer  Weise  ihr  Verkauf  möglichst
beschränkt.  Nach  der  Nürnberger  Jrher-Ordnung  von  1629  durften
fremde  Meister  nur  decher-weise  (d.  h.  zehnstückweise 2 )  oder  Hundertweise ­
  verkaufen 8 ),  nach  einer  Bestimmung  von  1654  durften  die  fremden
Weißgerber  zu  Landau  nicht  länger  als  einen  Tag,  zu  Newstadt,  Germersheim, ­
  Bruchsall,  Durlach  usw.  nur  einen  halben  Tag  feilhaben  *  4  *  6  * ),
in  Speier  dursten  die  fremden  Weißgerber  in  der  Nontags-messe  nur
ein  paar  Tage  lang  ihre  Waren  feilhalten 8 ),  in  Magdeburg  durfte
nach  der  Ordnung  von  1686  kein  ausländischer  Weißgerbermeister  in
dem  Herzogtum  Magdeburg  auf  öffentlichen  Jahrmärkten  in  Flecken
oder  Städten  feilhalten;  ausgenommen  war  nur  die  Heermesse  zu
Magdeburg  für  sämisches  Leder  und  lederne  Hosen 8 );  diese  Bestimmung
gab  1708  zu  einer  Beschwerde  Anlaß,  weil  die  fremden  Weißgerber
unter  dem  Vorwände,  sie  geben  ihre  Akzise  von  ihren  Waren,  „nach
der  Außleutung  dennoch  feilgehabt  und  verkausfet"  hatten^);  letzterer
Punkt  zeigt,  wie  auch  die  Eröffnung  dieser  Messe  nur  eine  bedingte
war,  insofern  die  einheimischen  Meister  immer  noch  durch  die  Akzise
wie  durch  einen  Schutzzoll  geschützt  waren.
Einzelne  Messen,  so  die  zu  Frankfurt  am  Main,  Frankfurt  an
der  Oder,  Braunschweig,  Naumburg,  haben  sich  für  die  Weißgerber
zu  Punkten  von  besonderer  Bedeutung  entwickelt,  und  diese  Entwicklung
scheint  mehr  auf  Grund  ihrer  Lage  als  auf  Grund  einer  etwa  dort
vorhandenen  bedeutenden  Weißgerberei  vor  sich  gegangen  zu  sein.  Einen
besonderen  Aufschwung  erhielten  diese  Messen  noch  in  den  letzten  Dezennien ­
  des  18.  Jahrhunderts 8 ),  als  sie  einen  Markt  für  die  große
Menge  der  nach  Deutschland  einflutenden  fremden  Manufakte  darstellten. ­
  Die  Braunschweiger  Messe  z.  B.  wurde  1797  von  72  Hamburger ­
  Kaufleuten  bezogen,  darunter  waren  10  Händler  mit  Lederwaren ­
  9 );  die  Leipziger  Messe  wurde  1802  von  37  Hamburger  Kaufleuten
bezogen,  darunter  2  mit  Lederwaren,  einer  ausschließlich  mit  Sämischleder"); ­
  und  die  Messe  zu  Frankfurt  am  Main  wird  1800  besucht
')  Rothenburg  1671—1695,  S.  262.
-)  Vgl.  Jacobson  1782,  Bd.  I,  S.  401;  Beckmann  1805,  Bd.  V,  S.  45.
s )  Nürnberg  1629.  *)  Speyer  1654—1685;  1654.
6 )  Speyer  1655.  °)  Magdeburg  1686,  32  lens.
’)  Magdeburg  1708.  8 )  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  671  ff.
°)  Hamburg  1805,  S.  273-278.  «)  Hamburg  1805,  S-  280—281.
            
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