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Drittes Buch. Der Liberalismus.
- Übrigens beruft sich auch die englische Schule mit nicht geringerem
Nachdruck auf den Liberalismus: unter besonderer Berücksichtigung
dieses Gesichtspunktes wird sie auch Manchesterismus genannt (ein
Ausdruck, der hauptsächlich von ihren deutschen Kritikern in der Form
„Manchestertum“ gebraucht wird).
Für die klassische Schule ist aber das Laisser-faire weder ein
Dogma, noch ein wissenschaftliches Axiom. Sie sieht hierin nur eine
praktische Kegel, die sie für weise hält, nicht etwa unter allen erdenk
lichen Umständen, sondern bis zum Beweise des Gegenteils. „Diejenigen,
die sie für richtig halten, sagt Stuakt Mill, sind 19mal unter 20 der
Wahrheit näher, als die, die sie leugnen“ 1 ). Dieser praktische Liberalismus
kommt in allen Handlungen des wirtschaftlichen Lebens zur Anwendung'.
Als positives Programm bedeutet er die Freiheit der Arbeit, die freie
Konkurrenz, freien Handel im Innern, wie nach Außen, die Freiheit der
Banken, des Zinsfußes usw. — und als negatives Programm schließt
er den Widerstand gegen jede staatliche Einmischung ein, deren Not
wendigkeit nicht im einzelnen Falle bewiesen ist, und hauptsächlich den
Widerstand gegen alle sogenannten Maßregeln des Schutzes oder der
Bevormundung.
Daher ist für die klassische Schule die freie Konkurrenz das ge
gebene oberste Naturgesetz, das für Alles genügt, das dem Verbraucher
die Wohlfeilheit sichert, das den Fortschritt auf Grund der Rivalität
zwischen den Produzenten anspornt, das die Gerechtigkeit verbürgt
und zur Gleichheit hindrängt, indem es dem Profit entgegenarbeitet
und jeden Wert auf das Niveau der Produktionskosten zurückzuführen
sucht. Das Dictionaire d’Economie Politique von 1852, das als
der Kodex der klassischen Volkswirtschaft betrachtet werden kann,
erklärt, „daß die Konkurrenz für die industrielle Welt das ist, was die
Sonne für die physische Welt vorstellt“! Und Stuart M<li. selbst, der
Verfasser des Buches über die Freiheit, der ebenfalls die wirtschaft
liche Freiheit nicht von der politischen Freiheit trennt, ist, wenn auch
weniger lyrisch, so doch ebenso fest in seiner Behauptung: „Alles, ) vaS
die Konkurrenz beschränkt, ist vom Übel; alles, was sie fördert, dient
Jahrhunderte alten Überlieferung behauptet, aber sie ist etwas veraltet, obgleich S1
sich noch in neuzeitlichen Werken findet. ...
d) Wenn man endlich von einer klassischen Schule spricht, so will man dam ^
sagen, daß sie getreulich die von den ersten Meistern der volkswirtschaftlichen Wisse»'
schaft übernommenen Prinzipien lehrt, indem sie sich bemüht, sie klarer auszuführcp,
sie zu entwickeln und sogar sie zu verbessern, ohne sie aber in ihren wesentlichen
standteilen zu verändern. Seit ihren Anfängen ist sie individualistisch und bmu >
aber keineswegs optimistisch: übrigens vermeidet sie diese finalistischen ® c( an g j u j 1
gange und überhaupt jede Beschäftigung mit dem zu erreichenden Zweck, um
auf die reine Wissenschaft zu beschränken.
9 Principles, Bd. II, S. 346 d. franz. Übers. — Siehe auch die letzteni ^
schienenen Bücher von Molinari, und Yves Guyot: La morale de la concurre