Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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auf  ihrem  guten,  auf  der  Weide  aufgewachsenen  Material  scheint  zuerst
England,  welches  überhaupt  eine  Zeitlang  an  der  Spitze  der  Lederindustrieen
  der  Erde  schritt,  den  Wert  des  Pferdeleders  erkannt  zu  haben,
und  von  hier  wurde  die  Gerbung  der  Pferdehäute  in  größerem  Umfange, ­
  z.  B.  nach  Österreich  feit  1798  durch  die  Engländer  Kollmann
und  Gelli  eingeführt  *)•
Von  dieser  Zeit  an  datiert,  wie  eben  überhaupt  ein  großer  Aufschwung ­
  der  ganzen  Lederindustrie,  so  auch  eine  steigende  Wertschätzung
des  Pferdeleders.  Die  im  17.,  18.  Jahrhundert  eingreifende  Staatshilfe ­
  hatte  sich  für  die  Verwendung  von  Pferdeleder  interessiert 2 ),  und
den  Abdeckern  wurden  im  Zusammenhang  damit  Privilegien  zum  Abholen ­
  der  gefallenen  Regimentspferde  zugesprochen 8 ),  um  durch  sie,  gewissermaßen ­
  als  Mittelleute,  die  Bedarfsdeckung  in  bezug  auf  gefallene
Häute  zu  organisieren;  seit  dieser  Zeit  entwickelt  sich  eine  bedeutende
Roßlederindustrie  in  Deutschland,  welche  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts ­
  zu  einer  Spezialität  Deutschlands  in  bezug  auf  Schuhleder
geworden  ist 4 );  in  der  „Schusterstadt"  Loitz  z.  B.  wurde  Rind-  und
Fahlleder  durch  Roßleder  ersetzt  9,  und  auch  die  zum  Fabrikbetrieb
übergehende  Schuhindustrie  bedeutete  eine  stets  steigende  Nachfrage  nach
dem  billigeren  Roßleder  a ).
Unter  dem  Einflüsse  der  russischen  Fohlenglacelederindustrie,  auf
welche  oben  schon  hingewiesen  wurde,  bahnt  sich  nun  außerdem  noch
eine  Verarbeitung  des  Fohlen-  und  dann  des  Roßleders  zu  feineren
Verwendungsarten  an;  in  Österreich  werden,  wenn  auch  nicht  in  bedeutendem ­
  Maße,  Füllenhäute'),  desgleichen  werden  in  Deutschland
Fohlenfelle 8 )  zu  Glaceleder  verarbeitet,  in  den  Fachzeitschriften  erscheinen
ausführliche  Beschreibungen  und  Anweisungen  zur  Überführung  von
Fohlenfellen  in  Glaceleder  9,  und  die  modernen  Chromkombinationen
suchen  ebenfalls  das  Roßleder  für  solche  Zwecke  verwendbar  zu  machen  4 °);
daneben  werden  Roßhäute  rein  weißgar  gemacht  X1 ),  und  endlich  werden
Roßhäute  zu  verhältnismäßig  hohen  Preisen  als  Imitationen  von  Feinlederarten, ­
  insbesondere  von  Ziegenleder 12 ),  als  Farbencheoraux,  farbige
und  Chagrinleder,  und  zwar  in  Chromgerbung  und  als  imitiertes  Bockleder, ­
  meist  nach  irgendeiner  modernen  Fett-Chrom-Alaungerbung,  auf
den  Markt  gebracht.

9  Keeß  1820,  S.  27.  9  Langenzenn,  Tvm.  I,  S.  16.
9  Allgemeine  Produktenzeitung  1912,  Nr.  89,  S.  1231.
9  Aebert  1895,  S.  38.  9  Schönmann  1900,  Nr.  40.
9  Weiskirchner  1896,  S.  485.  7 )  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  475.
9  Vgl.  z.  B.  Gerbercourier  1903,  Nr.  31—32.
9  M.  A.  Gerbemethoden  1903,  S.  282.
10 )  Ledermarkt  1904,  Nr.  3,  S.  7.
1 9  M.  A.  Gerbemethoden  1903,  S.  284.  *9  Wiener  1904,  S.  61.

'9  Wiener  1904,  S.  61.
            
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