Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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So  also  sehen  wir,  wie  das  Roßleder,  nachdem  es  so  ziemlich  alle
möglichen  Kulturstusen,  alle  möglichen  Preislagen,  alle  möglichen  Gerbe-Vrozesse
  von  sämischgar,  über  weiß-  und  lohgar  bis  zu  chromgar  und
dessen  Kombinationen,  und  endlich  alle  Verwendungsmöglichkeiten  bis
zu  seinem  Handschuhleder  und  den  Feinlederimitationen  durchlausen  hat,
nunmehr  aus  allen  Gebieten  der  Leder  herstellenden  und  der  Leder  verarbeitenden ­
  Industrien  seine  Brauchbarkeit  dargetan  hat,  und  sich  in
bezug  aus  endliche  Zugehörigkeit  zu  einer  Preislage  und  damit  zu  einer
Verwendung  nur  noch  nach  seiner  Qualität  klassifiziert,  und  das  alles
um  so  mehr,  seit  ein  starker  Import  wertvoller  Pferdewildhäute  aus
den  südamerikanischen  Grasebenen  über  die  südamerikanischen  Häsen
stattfindet  Z.
Ein  wegen  seiner  großen  Zähigkeit  speziell  zur  Herstellung  von
weißgarem  Leder  geschossenes  und  säst  überall  und  immer  auch  solchen
oder  ähnlichen,  nur  geringe  Festigkeit  ergebenden  Gerbeprozessen  unterzogenes ­
  Material  bildet  die  Haut  der  Esel  und  der  Maultiere.  Zu
orientalischem  Chagrin  wurden  neben  Pferdehäuten  auch  die  Häute  von
wilden  Eseln i)  2  *  *  *  * )  verwendet,  im  Mittelalter  stellte  man  aus  ihnen  u.  a.
Siebe  her 2 ),  man  verwandte  sie  und  verwendet  sie  noch  zu  Trommelfellen^), ­
  desgleichen  zu  Pergament''),  man  verwendet  es  neuerdings  in
der  Kunstindustrie  °),  und  auch  jetzt  noch  ist  dieses  Material  zur  Fabrikation ­
  von  weißgarem  Leder  und  von  Pergament  hoch  geschätzt 7 ).
Allein  die  in  den  Steppen  Asiens  lebenden  wilden  Esel  werden  nur
selten  ausgeführt,  und  Maultierhäute  kommen  mehr  in  den  südeuropäischen ­
  Ländern  als  bei  uns  aus  den  Markt,  weshalb  Eselshäute  nur
der  Vollständigkeit  halber  angeführt  sein  mögen.
Die  Rindshaut  findet  ihre  Hauptverwendung  in  den  zur
vegetabilischen  Gerbung  gehörigen  Gebieten  der  Gerberei.  So  ist  es
ohne  Zweifel  schon  in  den  Trierer  Tarifen  des  13.  und  14.  Jahrhunderts ­
  8 ),  so  ist  es  das  ganze  Mittelalter  hindurch 2 ),  und  so  ist  es
auch  bis  zum  heutigen  Tage,  wo  sich  auf  der  Rindshaut  eine  ungeheure
Industrie  hauptsächlich  nach  dem  Verfahren  der  Loh-  und  Chromgerbung
für  alle  möglichen  Lederarten  einschließlich  des  Leders  für  Kunstindustrie  10 )
ausbaut.  Die  nähere  Darstellung  dieser  Verhältnisse  gehört  also  nicht
in  den  Umfang  vorliegender  Arbeit.  Uns  interessiert  es  hier  vielmehr

i)  Rüst  1844,  S.  184.  -)  Halle  1765,  Bd.  IV,  S.  107.
3 )  Schauplatz  1775,  Bd.  II,  S.  287.  *)  Rüst  1844,  S.  336.
6 )  Bücher  1893,  S.  191.  °)  Wiener  1904,  S.  61.
’)  Ebenda.
a )  Lamprecht  1886,  Bd.  II,  S.  327.
9 )  Vgl.  z.  B.  Halle  1762,  Bd.  II,  S.  362;  Schauplatz  usw.
10 )  Bücher  1893,  S.  191.
            
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