Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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fell  speziell  haben  wir  ein  wertvolles  Material,  welches  im  Konkurrenzkämpfe
  der  Hautarten  untereinander  eine  wichtige  Ro  e^fpw  .  ^
Rotgerberei  ist  das  Kalbfell,  welches  hier  früher  für  die  Hers  e
Juchten  neben  2—3jährigem  Rindviehs,  in  der  Oberlederin  ufr
Lackleder  2 ),  in  der  Kunstindustrie»)  und  noch  zu  anderen  Zwecken  ein
vielseitige  Verwendung  fand,  feit  30—40  Jahren  durch  weniger  f
Materialien  wie  Pferdeleder  und  Rindsfpalte,  auch  Schafle  er  mehr
mehr  ersetzt  worden.  „  „•
In  der  gewöhnlichen  Weißgerberei  spielt  das  Kalbfell  nur  etr  e
sehr  geringe  Rolle,  wird  aber  offenbar  doch  hin  und  wieder  noch  e
selben  unterzogen,  wie  Hinweise  in  Handbüchern  ch  und  auch  rn  e
modernen  Litteratur^)  andeuten.  .
Das  Hauptverwendungsgebiet  des  Kalbfelles  stellt  wob  eu  Z  g
der  Glacegerberei  dar,  welchen  mau  die  Kidgerberei  nennt  ),  wo  ^
Kalbfell,  allerdings  neben  Ziegen-  und  Schafleder'),  fast  ausschließt  cy
für  den  Bedarf  der  Schuhindustrie  verarbeitet  wird.  Der  Bedarf  oe
Handfchuhindustrie  an  Kalbfellen  ist  im  Vergleich  mit  deren  Verwendung
zu  Befchuhungszwecken  ein  geringer 8 ).  Gerade  die  Kidgerberer  l)
Zweig  der  Lederindustrie,  welcher  am  stärksten  bei  dem  Konkurrenz  amp!
des  Kalbfelles  gegen  andere  Leder-  und  Hautarten  in  Mitler  enscyas
gezogen  wird;  denn  bei  steigenden  Kalbfellpreifen,  feien  diese  veran  atz
durch  agrarpolitifche  Vorgänge,  welche  ein  geringes  Angebot  zur  Fo  ge
haben,  oder  feien  sie  veranlaßt  durch  wechselnde  Mode,  Geschmacksrichtung
oder  Bedarf  des  Publikums  und  der  Judustrie,  welche  steigende  achfrage
  bewirken,  treten  in  großem  Umfange  Surrogate,  wie  Dongo  a
und  Rindsfpalt  au  die  Stelle  des  Kalbfelles,  was  immer  außerordentliche
Preisschwankungen  dieses  Rohmaterials  und  damit  außerordent  iche
Konjunkturwechfel  der  Kidlerindustrie,  je  nachdem  deren  Bestände  an
Rohmaterial  und  garem  Leder  groß  oder  klein  sind,  zur  Folge  hat).
Der  Verbrauch  von  Kalbfellen  in  der  Sämischgerberei  scheint  früher
nicht  unbedeutend  gewesen  zu  fein 10 ),  ist  aber  heute  ziemlich  gering.
Endlich  darf  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  dasdeutfch-franzöfifchePergament
  des  Mittelalters  vorwiegend  aus  Kalbsfellen  ")  hergestellt  war,  und
daß  man  zu  Trommelhäuten  das  gleiche  Material  verwendete  ^).
Das  Schaf  unter  dem  Einfluß  des  Menschen  in  feiner  Wanderung
i)  Wagner  1873,  S.  219.  -)  I.  f.  G.  u.  V.  1876,  Bd.  IV,  S.  256.
-)  Bücher  1893,  S.  191.  4 )  Wiener  1904,  S.  252.
s )  Ledermarkt  1904,  Nr.  3,  S.  7.
°)  Vgl.  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  1032  sf.  und  475.  Ebenda.
«)  Ledermarkt  1893,  S.  1235.  «)  Vgl.  Gebauer  1893,  Bd  III,  S.  483.
Vgl.  Schauplatz  1775,  Bd.  IV,  S.  124.
")  Wattenbach  1871,  S.  81.
i2)  Schauplatz  1775,  Bd.  II,  S.  296;  Beckmann  1796,  S.  301,
            
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