Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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auftrat,  wie  dies  z.  B.  noch  von  Hermbstädt  1807  J )  geschehen  war.
Man  machte  die  Menschenhaut  lohgar,  weißgar  und  sämischgarst  und
man  kann  auch  heute  noch  gelegentlich  in  Museen  Bucheinbände
Trommeln,  Portemonnaies  aus  Menschenleder  hergestellt  sehen.
Um  die  bisher  gegebenen  Darlegungen,  soweit  sie  die  Verteilung  der
besprochenen  Hautarten  aus  die  verschiedenen  Zweige  der  Gerberei  betreffen, ­
  noch  einmal  zusammenfassend  für  5  Jahrhunderte  zu  illustrieren^
seien  im  folgenden  einige  der  Wirklichkeit  entnommene  Beispiele  über
den  Verbrauch  an  Häutematerialien  angeführt.
In  einer  Taxordnung  von  Brixen  s )  von  1379  gerbt  der  „Lüderer"
die  Häute  von  Ochsen,  Geißen,  Kälbern,  Schafen  und  Kitzen,  in  einer
Taxordnung  von  Latschst  von  1607:  gerbt  der  „Gärber"  Ochsen,  Geiferst
Kälber,  Schafe,  und  in  einer  solchen  von  Würzburg  st  von  1696  der
Weißgerber  die  Häute  vou  Hirschen,  Rehen,  Böcken,  Geißen,  Kälbern,
Hammeln,  Schafen,  Lämmern;  im  Meisterstück  der  Nürnberger  Rotgerber")
  aus  dem  17.  Jahrhundert  werden  50—60  Bockhäute,  50—60
Kalbshäute  und  8—10  Kuhhäute  lohgar  gemacht,  ebenso  gerbt  der  Rotgerber ­
  von  Stein  1766 7 )  Ochsen,  Kälber  und  Schafe,  und  das  Meisterstück ­
  des  Handwerks  der  Weiß-  und  Sämischgerber  zu  Königsbergs
umfaßt  auf  Grund  des  Gesetzes  von  1731  die  Gerbung  von  Elens-,
Hirsch-,  Bock-,  Kalb-,  Schaffellen.  Das  Berliner  Weißgerberwerk  hat
1780  weißgare  Schaffelle,  sämischgare  Hammelfelle,  ebensolche  Bockledev
und  Kalbfelle,  Hirschfelle  und  Wildhäute,  weiß-  und  sämischgares  Rindleder ­
  gegerbt");  die  Augsburger  Weißgerber  machen  um  1800")  sämischgar
  die  Häute  von  Ochsen,  Hirschen,  Kälbern,  Schafen,  Böcken,  Geißen,
Rehen;  der  Bedarf  der  Rothenburger  Lederarbeiter  im  Jahre  1812  war
der  folgende"):

Ochsen

Kühe  u.  Stiere

Schweine

Kälber

Schafe

Böcke

312

27

—

329

40

—

12  Rotgerber

—

—

—

110

973

—

4  Weißgerber

—

11

4

—

—

—

2  Sattler

—

2

—

—

—

—

1  Riemer

—

?

?

?

?

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Kürschner

Es  kann  selbstverständlich  diese  Tabelle  als  ein  Ausstuß  der  Lokalautonomie
  der  einheimischen  Zünfte  nicht  als  Typus  des  Verbrauchs
angesehen  werden;  es  geht  das  z.  B.  schon  daraus  hervor,  daß  die

st  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  191.
2 )  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  417.
3 )  ©unter  1903,  S.  119.  st  Ebenda.  st  Würzburg  1696.
°)  Nürnberg  17.  st  ©unter  1903,  S.  119.
st  Königsberg  1737,  Bd.  III.  st  Nicolai  1786,  S.  547.
'st  Augsburg  ca.  1800.  «)  Rothenburg  1812.
            
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