Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Böcke  hier  nur  den  Kürschnern  zukommen  und  daß  die  Weißgerber  hier
nicht  eine  einzige  Ochsenhaut  gerben.
1873  zählt  Gintl  *)  als  Rohmaterialien  der  Weißgerber  auf:  Ochsen-,
Roß-  und  Kuhhäute,  Schaf-,  Bock-,  Hammel-,  Kalb-,  Ziegen-  und
Lammfelle;  Wiener  erwähnt  1904  2)  die  Häute  und  Felle  von  Rind,
Kalb,  Pferd,  Maultier,  Esel,  Schaf,  Lamm,  Ziege,  Schwein,  Robbe,
Hund.  Katze  und  eine  Reihe  von  Pelztieren  als  Rohmaterialien  der
Weißgerberei,  und  der  Weißgerber  Ruscher  in  Sajda  im  sächsischen
Erzgebirge  macht  jährlich  alann-,  loh-  und  sämischgar  etwa  200  Katzenfelle, ­
  60  Kälberfelle,  25  Ziegen-  und  Bockhäute  und  einige  Rindshäute.
Diese  Beispiele  mögen  als  Beweis  genügen  dafür,  daß  es  unmöglich
ist,  zu  irgendeiner  Zeit  die  Weißgerberei  auf  Grund  des  von  ihr  verarbeiteten ­
  Hautmaterials  nach  Qualität  der  Tierarten  oder  nach  Quantität
der  verbrauchten  Mengen  von  den  übrigen  Zweigen  des  bis  jetzt  ungeteilten ­
  statistischen  Begriffes  „Gerberei"  auszusondern;  denn  während
z.  B.  die  Lohgerberei  sich  doch  immerhin  auf  weniger  Hautarten  beschränkt, ­
  gibt  es  fast  kein  Hautmaterial,  welches  nicht  in  der  Weißgerberei ­
  zur  Verarbeitung  käme.  Daraus  folgt,  daß  —  weil  Produktionserhebungen ­
  nach  Art  der  oben  angeführten  Rothenburger  von
1812  äußerst  selten  sind  —  auf  die  sonst  zur  bequemen  und  anschaulichen
Illustration  wirtschaftlicher  Erscheinungen  verwertete  Statistik,  welcher
Art  diese  auch  sei,  hier  leider  verzichtet  werden  muß.  Desgleichen  kann
eine  Produktionsgeographie  der  Häuteprovenienzen.so  dankbar  dieses
bisher  ebenfalls  unbearbeitete  Gebiet  besonders  in  Verbindung  mit  der
Wanderung  der  Haustiere  und  der  Wanderung  der  Hauptsitze  der  Industrien ­
  als  eine  eigentümliche  Kombination  agrarpolitischer  und  gewerbepolitischer ­
  Probleme  wäre,  nur  innerhalb  des  größeren  Rahmens
der  gesamten  Lederindustrie  dargestellt  werden.  Das  Gleiche  gilt  für
das  Problem  von  der  Bildung  und  Bewegung  der  Preise;  denn  wenn
ich  auch  im  vorhergehenden,  so  weit  dies  innerhalb  des  engeren  Rahmens
der  Weißgerberei  zulässig  war,  auf  den  Kampf  der  Rohmaterialien
gegeneinander  und  im  Gefolge  davon  auf  die  wechselnde  Wertschätzung,
auf  das  Eintreten  neuer  Rohmaterialien  in  diesen  Kampf  andeutungsiveffe
  zu  sprechen  gekommen  bin,  so  erhalten  alle  diese  Verhältnisse  erst
die  richtige  Breite  und  plastische  Tiefe,  wenn  auf  dem  Hintergründe
der  gesamten  Lederindustrie  von  der  Statistik  gelieferte  exakte  Zahlen  als
Ergebnis  der  wechselnden  Technik,  Mode,  Geschmacksrichtung,  des  wechselnden ­
  Bedarfs  und  wechselnder  Bevölkerungsdichtigkeit  zu  Hilfe  genommen
werden  können.
Am  Ende  der  Besprechung  der  einzelnen  Hautarten  angelangt,  folgt
zweckmäßig  hier  noch  eine  kurze  Darlegung  von  einer  Reihe  allen  diesen
')  Gintl  1873,  S.  17.  2)  Wiener  1904,  S.  61.
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