Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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im  Altertum  hat  man  zuerst  in  Attika  *),  dann  auch  in  Italien 2 )  durch
Bekleidung  der  Schafe  mit  Fellen  eine  besonders  lange  und  feine  Wolle
zu  erzeugen  gesucht,  eine  Maßregel,  welche  z.  B.  die  oben  schon  angeführten ­
  Kalmücken  und  Tataren 3 )  für  die  Erzeugung  feinen  gelockten
Pelzwerks  auf  neugeborenen  Lämmern  kennen.
Das  Haarkleid  eines  Tieres  ist  nun  von  entscheidendem  Einfluß
auf  die  Beschaffenheit  der  Haut  derart,  daß  Dicke  und  Länge  des  Vließes
und  Dicke  der  Haut  etwa  in  umgekehrtem  Verhältnis  zueinander  stehen 4 ).
Justi  führt,  ob  mit  Recht  ist  zweifelhaft,  die  Güte  des  türkischen  Corduans
zurück  auf  die  Verwendung  der  feinen  dünnen  Häute  von  langhaarigen
angorischen  Ziegen 6 ),  jedenfalls  reicht  der  Erfahrung  nach  das  Scheeren
des  Schafes  auch  nur  wenige  Tage  vor  dem  Schlachten  schon  hin,  der
Haut  eine  merklich  größere  Dicke  zu  geben 8 ),  und  die  Felle  der  Schafe
haben  die  größte  Festigkeit,  wenn  man  die  Tiere  etwa  8  Tage  nach
dem  Scheeren  schlachtet 7 ).  Man  sieht  daraus,  welch  große  Bedeutung
beim  Schaffell  die  darauf  fitzende  Wolle  nicht  nur  als  solche,  sondern
.auch  durch  ihren  Einfluß  auf  die  erzeugende  Haut  bei  der  Preisbildung
hat.  Diese  hier  für  das  Schaf  dargelegten  und  hier  so  eklatanten  Verhältnisse ­
  gelten  aber  nicht  nur  für  dieses,  sondern  ganz  allgemein  für
alle  Haartiere  mit  der  praktischen  Konsequenz,  daß  die  Qualität  einer
Hautart  von  der  Schlachtzeit  des  Tieres,  ob  Sommer  oder  Winter,
wesentlich  beeinflußt  wird.
Eine  Funktion  des  Klimas  find  natürlich  auch  die  unter  diesem
wachsenden  Futterstoffe,  auch  sie  beeinflussen  die  Haut,  und  man  hat
Versuche  gemacht,  die  Eigenschaften  der  Haut  unter  dem  Einfluß  künstlicher ­
  Futterstoffe  zu  modifizieren  8 ).
So  ergeben  sich  unter  der  Wirkung  dieser  und  anderer  Potenzen
in  den  verschiedenen  Ländern  und  Klimaten  verschiedene  Tierrafsen,
und  die  genaue  Kenntnis  solcher  Hautsortimente  ist  eine  Grundforderung
für  das  gute  Gelingen  besonders  der  feineren  modernen  Gerbekombinationen. ­
  Schon  die  französischen  Ochsenhäute  des  17.  Jahrhunderts
erzeugten  auf  Grund  solcher  Verhältnisse  verschiedene  Nachfrage 8 ),  besonders ­
  aber  hat  die  neuere  Zeit  durch  ihre  präzisierte  Technik  im
Konkurrenzkämpfe  sowohl  der  Länder  untereinander  als  auch  im  Konkurrenzkämpfe ­
  der  Betriebssysteme  solche  Rassenunterschiede  unangenehm
empfunden.  Noch  in  den  80  er  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  ließ
sich  z.  B.  gespaltenes  Alaunschafleder  zwar  aus  englischen  und  öster-0
  Blümner  1869,  S.  63.  2 )  Marquardt  1882,  S.  414.
s )  Rüst  1844,  S.  338.  4 )  Prechtl  1838,  S.  236.
5 )  Justi  1780,  Bd.  II,  S.  584.  «)  Prechtl  1838,  S.  236.
’)  Wiener  1904,  S.  62.  8 )  Zeitschrift  für  Singern.  Chemie  1909,  S.  695.
*)  Schauplatz  1766,  S.  323.
            
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